Unternehmensführung

Gruppendenken kann fatal sein

22. August 2018

Warum sind in Samsung-Handys die Akkus explodiert? Es war kein technisches Problem: Die Ingenieure trauten sich nicht, dem Management von Problemen zu berichten, die die Markteinführung verzögert hätten. Das Schweigen kostete den Samsung-Konzern rund fünf Milliarden Euro. Es wurde durch die bestehende starre Firmenkultur mit hohem Konformitätsdruck begünstigt. Kritik an den Plänen von Vorgesetzten ist im asiatischen Raum unüblich.

Gruppendenken führt häufig zu falschen Entscheidungen in Firmen 

Wenn es alle so machen, kann es kein Fehler sein. Gruppendenken ist aber trotzdem nicht immer richtig (Symbolbild).

Es ist mittlerweile bekannt, dass es innerhalb von Gruppen mit für sich genommen durchaus kompetenten Personen zu Entscheidungen kommen kann, die von den einzelnen Personen durchaus abgelehnt werden. Hier kann man das Phänomen beobachten, dass in Gruppen die eigene Meinung oft zugunsten der erwarteten Gruppenmeinung unterdrückt wird. Die Zensur erfolgt im eigenen Kopf.

Gruppendenken begünstigt grosse Fehlentscheidungen

Wirtschaftlich wie politisch drohen fatale Folgen. So kam es 2001 zur Pleite des Energiekonzern Enron, der grössten in der US-Geschichte. Das Management hatte versucht, die schlechte Finanzlage zu vertuschen. Auf Gruppendenken führt man mittlerweile auch die Entscheidung des US-Kongresses für den zweiten Irakkrieg 2003 zurück.

Richtige Strategien vermeiden das Eintreten von Fehlern

Die Grundlage einer hohen Leistungsqualität ist dagegen der offene Umgang mit Fehlern. Die Luftfahrt forscht seit 70 Jahren zu diesem Thema. Heute weiss man: Es sind meistens nicht einzelne Fehler, sondern Fehlerketten, die fatale Folgen haben. Diese Fehlerketten lassen sich aber durchbrechen, wenn einzelne Fehler offen thematisiert werden. Damit das klappt, finden jährliche Trainings der Cockpitbesatzungen statt.

Gleiches gilt im Gesundheitswesen: In den USA werden Spitäler mit einer offen kommunizierten hohen Fehlerquote von Patienten besser bewertet als solche, die wenig Fehler berichten. Das erscheint zwar seltsam, ist es aber nicht. In den Spitälern mit einer hohen Fehlerquote musste die Belegschaft keine Konsequenzen befürchten, wenn sie Fehler rapportierte und damit zu deren Beseitigung beitrug. Diese psychologische Sicherheit der Mitarbeitenden reflektiert sich in der Unternehmenskultur. Das merkten auch und gerade die Kunden, sprich Patienten.

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Zu diesem Text:

Dieser Text ist ein Beitrag der Kalaidos Fachhochschule zum Swiss Economic Forum 2018, welches Anfang Juni in Interlaken stattfand. Die Kalaidos Fachhochschule liefert regelmässig Content mit aktuellem Fachwissen zu den Hauptthemen und Referentinnen des Forums für die App des Swiss Economic Forums. Die Kalaidos Fachhochschule ist Netzwerkpartnerin des Swiss Economic Forums, der Organisation hinter der führenden Wirtschaftskonferenz der Schweiz.

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