HR und Leadership

Roboter sind kein Grund zur Sorge

28. Mai 2018

Werden Roboter in naher Zukunft Arbeitsplätze ersetzen? Nein, denn die meisten Arbeitgeber glauben, dass Digitalisierung und Automatisierung neue Berufsbilder schaffen und ihre Belegschaften sich gar vergrössern werden. Dies besagt eine von ManpowerGroup in Auftrag gegebene qualitative Befragung von knapp 20‘000 (19‘718) Arbeitgebern in 42 Ländern und sechs verschiedenen Branchen. Was die Auswirkungen der Digitalisierung auf die einzelnen Funktionen betrifft, zeigt sich ein differenzierteres Bild. Die Studie geht auch darauf ein, welche Skills zukünftig am meisten gefragt sind und wie diese aufgebaut werden können.

Roboter mit Tablet

Roboter am Arbeitsplatz (Symbolbild)

Weltweit rechnet ein Fünftel (20 Prozent) der Arbeitgeber damit, kurzfristig ihre Belegschaft aufgrund der Digitalisierung zu vergrössern, rund ein Drittel der Arbeitgeber (66 Prozent) erwartet keine Veränderungen des Personalbestands und nur 10 Prozent sehen einen Personalabbau auf sich zukommen. Die Zahlen für die Schweiz verhalten sich ähnlich: 12 Prozent der Arbeitgeber prognostizieren eine Vergrösserung der Belegschaft, 79 Prozent keine Veränderung und nur 9 Prozent sehen einen Personalabbau auf sich zu kommen, sprich: gute 90 Prozent der Arbeitgeber wollen ihren Personalbestand stabil halten oder ausbauen.

Die Art der Arbeit und der Kunde beeinflussen die Mitarbeiterzahlen

Berufliche Rollen und Funktionen, die mit Routinearbeiten verbunden sind oder für den Kunden nur einen geringen Mehrwert generieren, sind am meisten durch die Automatisierung gefährdet. Konkret betrifft dies an erster Stelle Verwaltungs- und Bürotätigkeiten. Demgegenüber wird der grösste Personalzuwachs bei IT-Funktionen vorausgesagt. Relativ stabil bleiben die Mitarbeiterzahlen im Personalwesen (Abb. 1).

Funktionen und Persoanlzuwachs/-abbau, Manpower-Studie

Funktionen und Stellenabbau/Personalzuwachs, Skills Revolution 2.O., ManpowerGroup, Oktober 2017 (Abb. 1)

Schriftliche und mündliche Kommunikationskompetenzen sind am gefragtesten

Während IT-Funktionen und Aufgaben mit Kundenkontakt vor dem Hintergrund der Digitalisierung den Personalzuwachs positiv beeinflussen, gewinnen Soft Skills parallel dazu an Bedeutung: Am gefragtesten sind sowohl schriftliche als auch mündliche Kommunikationsfähigkeit (30 Prozent) – Kompetenzen, die insbesondere im IT-Bereich gesucht werden und gleichzeitig am schwierigsten zu finden sind (56 Prozent) (Abb. 2). So nennen weltweit 65 Prozent der Unternehmen, die IT-Mitarbeitende einstellen wollen, Kommunikationsfähigkeit als den wichtigsten Soft Skill. Als Grund dafür vermutet die Studie, dass IT-Mitarbeitende immer mehr in interdisziplinären Teams arbeiten.

An zweiter und dritter Stelle der gefragtesten Soft Skills folgen die Fähigkeit, zusammenzuarbeiten und Probleme zu lösen (Abb. 2). Auch würden Mitarbeitende mit Kundenkontakt, die neben kommunikativen und Problemlösungs-Kompetenzen ein Verständnis für Systeme und Technologie aufweisen, den Kunden einen entscheidenden Mehrwert bieten.

Soft Skills und Digitalisierung, Manpower-Studie

Die gefragtesten Soft Skills, Skills Revolution 2.O., ManpowerGroup, Oktober 2017 (Abb. 2)

Im Fokus: Lernbereitschaft, Anpassungsfähigkeit und Führungskräfte entwickeln 

Personalabteilungen stehen in der sich rasant wandelnden Arbeitswelt vor einer zentralen Herausforderung: Mitarbeitende dabei zu unterstützen, sich fit für neue berufliche Aufgaben und Rollen zu machen. Neben dem Aufbau von Soft Skills und Kompetenzen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) braucht es der Studie zufolge Mitarbeitende, die technische Fähigkeiten in anderen Branchen einsetzen können. Ein Beispiel dafür bildet die Umschulung von Mitarbeitenden aus der schrumpfenden italienischen Textilbranche in der Emigilia-Romana für den stark wachsenden Sektor der Herstellung von Sportfahrzeugen (Ferrari, Maserati, Lamborghini und Dalara) in derselben Region.

Nicht zuletzt wird empfohlen, Führungskräfte für das digitale Zeitalter fit zu machen. Damit ist nicht nur die Entwicklung von Kompetenzen wie Anpassungsfähigkeit, Engagement und Ausdauer gemeint, sondern auch die Förderung von Risikobereitschaft und Unternehmergeist.

Die Ergebnisse der Studie sind - insbesondere was die Schweiz betrifft - mit Vorsicht zu geniessen, da aus dieser nicht hervorgeht, wie viele Arbeitgeber in der Schweiz in absoluten Zahlen an der Befragung teilgenommen haben. Auch ist nicht klar, ob die Daten mit einfachen Ja-/Nein-Fragen oder skalierten Antwortoptionen erhoben wurden. Doch lässt sich deutlich erkennen, dass der Kampf zwischen Mensch und Roboter zumindest in naher Zukunft zugunsten des Menschen ausfallen wird.

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Quelle und weiterführende Informationen

Skills Revolution 2.O., ManpowerGroup, Oktober 2017.

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