HR und Leadership

Resilienz in der digitalen Arbeitswelt

16. Mai 2018

Im Umgang mit neuen Herausforderungen, Umbrüchen oder Bedrohungen entscheidet das Zusammenspiel zwischen persönlicher Befähigung, Widerstandsfähigkeit und Spannkraft (Anpassungsungsfähigkeit) darüber, wie gut wir Stress reduzieren können. Deshalb wird in unserer sich stark verändernden Welt nebst der Kompetenzerweiterung und der Entwicklung von Sozialkompetenzen als Schlüsselkompetenz das Thema Resilienz (Aufbau der Widerstandfähigkeit und Spannkarft) auch der organisationalen Resilienz immer wichtiger. Doch was ist unter organisationaler Resilienz zu verstehen und wieso soll die Resilienzförderung für Unternehmen von zentralem Interesse sein?

Mann haelt Augen zu

Ein von negativem Stress betroffener Mitarbeiter (Symbolbild)

Digitalisierung und Zunahme psychisch bedingter Arbeitsausfälle

Die Digitalisierung greift tief in unsere bekannten Strukturen und Prozesse ein. Sie verändert unsere Arbeit/Tätigkeit, die erforderlichen Kompetenzen, die Unternehmensstrukturen, die Art der Zusammenarbeit und Teams, die Erwartungshaltung von internen und externen Kunden und nicht zuletzt uns selbst. Kurzum, es ist alles im Wandel und im Fluss. Per se nichts Aussergewöhnliches, denn dies bedeutet Leben und Weiterkommen. Aber das schnelle Wegbrechen bekannter Strukturen erfordert von uns Menschen viel Veränderungsbereitschaft, Energie und inneres Gleichgewicht. Evolutionär betrachtet entspricht die heutige Geschwindigkeit nicht dem menschlichen Rhythmus und Bedürfnis. Grundlegende Entwicklungen verliefen bis zur Einführung der Computertechnologie über den Zeitraum von mehreren Generationen.

Wie die aktuellsten, von der Krankenkasse Swica erhobenen Zahlen belegen, stiegen die Arbeitsausfälle in der Schweiz durch psychische Erkrankungen in den vergangenen fünf Jahren um 35% überproportional an (Steck, 2018) (siehe Graphik). Dies wirft die Frage auf, welchen Anteil die Digitalisierung, respektive die Veränderungsgeschwindigkeit und Unsicherheit unserer aktuellen VUKA-Welt an der Zunahme gesundheitsbedingter Arbeitsausfälle hat. Nicht von der Hand zu weisen ist die Tatsache, dass der Anstieg psychischer Erkrankungen parallel zu den sich immer schneller drehenden Digitalisierungswellen verlaufen. Die Stressbelastungen durch die veränderte Arbeitswelt nehmen ganz offensichtlich deutlich zu.

Arbeitsausfälle gemäss SWICA

Steck A. (2018). Stress bei der Arbeit: Zahl der psychischen Erkrankungen ist um ein Drittel gestiegen. Zugriff am 23. 04 2018. Verfügbar unter: https://nzzas.nzz.ch/stress-bei-der-arbeit-zahl-der-psychischen-erkrankungen-ist-um-ein-drittel-gestiegen-ld.1379549 (Graphik)

Deshalb wird die Stärkung der Resilienz von uns allen, aber ganz besonders die der organisationalen Resilienz, eine Form der Organisationsentwicklung (Drath, 2016, S. 381) immer wichtiger. Denn gesundheitsbedingte Arbeitsausfälle kosten Unternehmen und Volkswirtschaft immense Summen! Die messbaren direkten Kosten von rund CHF 20Mrd. (Tages Anzeiger, 2018) sind diesbezüglich nur eine Seite der Medaille. Erkranken Mitarbeitende, schwächt dies ganze Teams und baut weiteren Stress auf, weil KollegInnen in die Bresche springen müssen. Nicht zu vergessen ist das Leiden der psychisch geschwächten Personen und deren Umfeld. Also eine Abwärtsspirale, welche ganz dringend zu durchbrechen ist!

Schlüsselaufgaben und -Kompetenzen

Wollen Unternehmen sowohl als Arbeitgeber, wie auch im Absatzmarkt weiterhin erfolgreich sein, ist ein "ganzheitlicher Ansatz zur Verbesserung der Resilienz-Situation im Unternehmen" und eine "resilienzförderndes Unternehmensklima und eine -Kultur" zu implementieren (Drath K., 2016, S. 381, 91).

Resilienzförderung gehört also zu den Schlüsselaufgaben und -kompetenzen von Unternehmen, Organisationen und Mitarbeitenden im beruflichen Alltag 4.0, in welchem Selbstführung und Eigenverantwortung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Drath unterscheidet sieben Sphären der individuellen Persönlichkeits- und Resilienzentwicklung und sieben Resilienzfelder, welche zur  organisationale Resilienz beitragen. Wie diese sieben Resilienzfelder gefördert werden können, wird im zweiten Teil dieses Beitrages erörtert.

Fazit

Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, aber der Umgang mit den Veränderungen ist gestalt- und Resilienz ist entwickelbar. Oder wie schon Albert Schweizer (deutscher Arzt und Theologe) sagte: "Die grösste Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst." Anders ausgedrückt, mit einer gesunden Resilienz sind wir anpassungsfähig und gewinnen an Spannkraft und Energie für ein konstruktives Mitgestalten der digitalisierten Arbeitswelt. Dadurch reduzieren wir gesundheitsbedingte Arbeitsausfälle und erzielen als Unternehmen wie auch als Einzelperson Leistungsfähigkeit und Erfolge.

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Quellen und weiterführende Informationen

Drath, K. (2016). Resilienz in der Unternehmensführung. Was Manager und ihre Teams stark macht. Freiburg: Haufe-Lexware GmbH & Co. KG.

Steck, A. (2018). Stress bei der Arbeit: Zahl der psychischen Erkrankungen ist um ein Drittel gestiegen. Zugriff am 23. 04 2018. Verfügbar unter https://nzzas.nzz.ch/stress-bei-der-arbeit-zahl-der-psychischen-erkrankungen-ist-um-ein-drittel-gestiegen-ld.1379549

Tages Anzeiger. (2018). Immer mehr Angestellte sind krankgeschrieben. Zugriff am 23. 04.2018. Verfügbar unter http://www.tagesanzeiger.newsnet.ch/wirtschaft/standardimmer-mehr-angestellte-sind-krankgeschrieben/story/15970348

Veränderungen gehören immer mehr zum Alltag von Organisationen und haben grosse Auswirkungen auf die Menschen, die Zusammenarbeit in Teams und die Organisationskultur. Beratende und HR-Mitarbeitende erwerben im Studiengang CAS FH in Organisationsentwicklung und -beratung an der Kalaidos Fachhochschule die nötigen Kompetenzen für die professionelle Gestaltung und Begleitung von organisationalen Veränderungsprozessen.

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