Banking und Finance

Banken und digitale Ökosysteme

14. Mai 2018

Welches sind Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Transformation der Banken im Zeitalter der digitalen Ökosysteme? Ulrich Hoffmann, Head of Group Operations der UBS AG, legte seine Sicht an der Handelsblatt-Tagung „Bankentechnologie“ in Frankfurt dar.

Bild von Frau vor transparentem Display mit Charts

Die Banken stehen vor grossen Herausforderungen, um in der Digitalen Realität bestehen zu können (Bild).

Digitalisierung und Ökosysteme

Die Themen Digitalisierung und Ökosysteme werden in den nächsten fünf Jahren bestimmend für die Entwicklung der Bankbranche sein. Die Digitalisierung wird sich massiv beschleunigen und digitale Ökosysteme werden immer mehr an Relevanz gewinnen. Die UBS ist dabei zum momentanen Zeitpunkt noch ein ganzes Stück von der Digitalen Realität entfernt. Banken müssen sich demnach komplett neu erfinden – nur so können sie dem sich stetig erhöhenden Margendruck, der zunehmenden Regulierung und dem Druck aus den neuen Technologien, welche in den Markt drängen, erfolgreich stellen.

Kerntrends: Wachsende Homogenisierung, schwerere Wiedererkennung am Markt und Unbundling

Es wird künftig immer schwerer, sich zu differenzieren. Die Angebote werden immer vergleichbarer und es wird stets schwieriger, die eigene Wertschöpfung gegenüber den Angeboten der Konkurrenz klar abzugrenzen und den eigenen Brand als Differenzierungsmerkmal zu positionieren. Die UBS sei sicherlich eine Marke, die sich am internationalen Bankenplatz einiger Bekanntheit erfreue, aber gleichwohl wird das Branding anspruchsvoller. Die technologischen Möglichkeiten und die darauf aufbauenden Angebote neuer Marktteilnehmer führen zudem zu einer Auflösung der integralen Produktangebote und somit zu sinkenden Margen.

Drohende Marktverdrängung

Hoffmann sprach sodann das Thema Marktverdrängung direkt an. Er glaubt erkannt zu haben, dass es in naher Zukunft Marktteilnehmer geben wird, die das Potenzial haben, das aktuelle Bankenmodell gänzlich zu ersetzen. Die Richtung, welche Banken seiner Meinung nach einschlagen müssen, haben die grossen, digitalen Konzerne längst vorgegeben. Banken müssen Plattformstrategien fahren und weit mehr als nur Bankgeschäfte abwickeln.

Die Bedrohung kommt aus China

Wie Plattform-Ökonomie funktioniert, kann allem voran in China beobachtet werden. Alibaba hat bekanntlich am 11. November innert 24 Stunden einen Verkaufserlös von 25 Milliarden Dollar erzielt. Hoffmann kommt auch hier zügig auf den Punkt und sagt, „entweder man ist Teil vom Ökosystem und kann am Geschäftserfolg partizipieren, oder man ist nicht Teil und wird ausgesondert“. Hoffmann sieht hierzu ein typisches Beispiel im Hypothekenbereich, wo es für die Banken Voraussetzung ist, das Grundstücksgeschäft mitzubewirtschaften und dadurch Fees zu generieren, um im Kerngeschäft überhaupt weiter dabei bleiben zu können.

Direkter Zugang zum Kunden als Schlüssel zum Überleben

Hoffmann ist der Überzeugung, dass wer als Brand langfristig überleben wolle, selber zum Eigentümer von Plattformen, wie sie Alibaba usw. betreiben, werden muss. Daher werde in der Branche künftig ein harter Verdrängungswettbewerb stattfinden. Entweder werden Banken zu den dominanten Anbietern am Markt, oder aber sie sterben gemäss Hoffmann den schleichenden Tod der digitalen Disruption.

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