Unternehmensführung

Griff in Firmenkasse lockt

09. April 2018

Bei der Wirtschaftskriminalität gehören das Management und die Angestellten von Unternehmen zu den häufigsten Tätern. Meist brauchen sie Geld, um ihren Lebensstil zu finanzieren oder Schulden zu tilgen. Laut dem „Forensic Fraud Barometer“ von KPMG verursachten 2017 insgesamt 59 Fälle von Wirtschaftskriminalität in der Schweiz einen Schaden von 425 Mio. Franken.

Vorfälle der Wirtschaftskriminalität und Tätergruppen 2017

Die Täter arbeiten meist im geschädigten Unternehmen (Grafik: KPMG).

Wie die Tabelle zeigt, stammen die meisten Kriminellen aus dem Management oder der Belegschaft. Während Manager einen Durchschnittsschaden von 11 Mio. verursachen, sind es bei Angestellten 1,7 Mio. Franken. Die stark variierenden globalen Schadensummen sind grossen Einzelfällen geschuldet. 2017 veruntreute beispielsweise ein angestellter Vermögensverwalter rund 100 Mio. Franken Kundengelder, 2016 gab es einen Einzelschaden durch Manager der 800 Mio. Franken erreichte.

Wirtschaftskriminelle brauchen Geld für einen teuren Lebensstil

Die häufigsten Delikte bei der Wirtschaftskriminalität waren 2017 gewerbsmässiger oder einfacher Betrug sowie Veruntreuung. Die Motivation für die Täter lag oft in der Finanzierung eines aufwändigen Lebensstils oder in der Tilgung von Schulden. Privatanleger waren wie auch schon in den Jahren zuvor, die am stärksten betroffene Opfergruppe und mussten einen Gesamtschaden von 162 Mio. Franken hinnehmen.

Die Erhebung erfasst allerdings nur die öffentlich verhandelten und publizierten Gerichtsfälle. Fälle, die polizeilich angezeigt, aber nicht vor Gericht verhandelt wurden, sind nicht enthalten. Es dürfte eine grosse Dunkelziffer geben, weil die Firmen eine öffentliche Verhandlung und Reputationsschäden scheuen, heisst es weiter. Bei der Cyberkriminalität ist wiederum das Ermitteln der Täterschaft mit einem angemessenen Aufwand oft nicht möglich.

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Themen: Unternehmensführung, Banking und Finance

Autor: Alexander Saheb

Datum: 09. April 2018

Schlagworte: Compliance, Governance

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