HR und Leadership

Gesundheitsmanagement für HR aktueller denn je (Teil 1)

18. April 2018

Die aktuellsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigen es deutlich. Unsere Gesellschaft wird immer kranker, was sich insbesondere auf die rund 5 Millionen Arbeitnehmer in der Schweiz sowie ihre Arbeitgeber immer stärker auswirkt. Mittlerweile ist in den Unternehmungen das Bewusstsein gestiegen, sich stärker um das Thema Gesundheitsmanagement zu kümmern und als integralen Bestandteil der Unternehmens- und Human Resources Strategie aufzunehmen und zu implementieren. Doch wie ernst meinen es die Unternehmungen? Und wie kann betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in der Praxis funktionieren?

Schild Work LIfe Balance und Burnout

Mit betrieblichem Gesundheitsmanagement zur Work Life Balance (Symbolbild)

Steigende Fehlquoten und gestresste Arbeitnehmer

Rund 8.7 Tage oder rund 72 Stunden blieben Arbeitnehmer im Jahr 2015 ihrer Arbeit fern (ohne Langzeitabsenzen) und die Absenzen-Quote stieg in den letzten 5 Jahren von 3.5 auf rund 4 Prozent – Tendenz steigend. Aus volkswirtschaftlicher und unternehmerischer Sicht entstehen enorme Kosten. Am Bespiel Job-Stress-Index 2015 der Gesundheitsförderung Schweiz zeigte sich in einer schweizweit angelegten Studie, dass rund 20 Prozent der Arbeitnehmer sich arbeitsbedingt gestresst und rund 22 Prozent der Erwerbstätigen sich erschöpft fühlen. Kosten: geschätzte 5 Milliarden Franken. Mitarbeiterausfälle, auch längerfristige, sind somit vorprogrammiert!

Unternehmen, die sich für Gesundheitsmanagement engagieren, sind erfolgreicher

Eine stichprobenartige Umfrage bei Anbietern rund um das betriebliche Gesundheitsmanagement hat gezeigt, dass der Wille, das Thema ganzheitlich und strategisch anzugehen sowie die dafür notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, nur bedingt vorhanden sind.
Es scheint noch immer so, dass der Leidensdruck in den Unternehmungen nicht genug hoch ist, um das Thema aus der „Soft-Thematik-Ecke“ zu bringen und es volks- und betriebswirtschaftlicher zu betrachten. Denn es ist empirisch nachgewiesen, dass Unternehmungen, die sich im Thema Gesundheitsmanagement engagieren, eine höhere Arbeitszufriedenheit und Motivation aufweisen. Somit erhöhen sie ihre Produktivität, senken die Fehlzeiten und arbeiten in der Konsequenz wirtschaftlich erfolgreicher.

Warum benötigen wir mehr denn je gesunde und leistungsfähige Arbeitnehmer?

Folgende Entwicklungen tragen dazu bei, dass das Thema physische und insbesondere psychische Gesundheit in der Arbeitswelt immer wichtiger wird:

  • Die arbeitende Bevölkerung wird immer älter (demografische Entwicklung): 30 Prozent Zunahme der 55-jährigen Arbeitnehmenden bis 2026 (Referenzszenario BFS).
  • Neue Lebens-, bzw. Arbeitsmodelle fordern einen erhöhten Abstimmungsaufwand zwischen Beruf, Familie und Freizeit.
  • Die technologische Veränderung in der Arbeitswelt (Digitalisierung) geht einher mit einer Überforderungsgefahr und Angst, nicht mehr Schritt halten zu können.
  • Aufgrund des akuten Fachkräftemangels müssen immer weniger qualifizierte Arbeitskräfte mehr leisten.
  • Die VUKA-Welt erhöht den Druck permanenter Veränderungen in Unternehmungen und bei den Arbeitnehmern massiv (Wer nicht folgen kann, wird ausgemustert.).
  • Die Gesellschaft entwickelt immer neue Krankheitsbilder – unter anderem Sucht- und psychische Erkrankungen.

Die Lösung – Betriebliches Gesundheitsmanagement

Natürlich ist es das erklärte Ziel jedes Unternehmens, die Absenzen möglichst klein zu halten und diese zu reduzieren. Doch wäre dies eine zu eindimensionale Betrachtung. Unternehmen schaffen mittels eines ganzheitlichen Gesundheitsmanagements gute Rahmenbedingungen für sich und ihre Mitarbeitenden, um qualitativ und quantitativ hochwertige Arbeit leisten zu können. Dazu gehören systematische Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, damit Absenzen möglichst nicht eintreten genauso wie eine positive Führungskultur und Umgang mit den Mitarbeitenden. Immer stärkeren Einfluss nimmt das Thema im Bereich der Mitarbeiterbindung sowie der Arbeitgeberattraktivität. Mitarbeitende selbst werden durch ihre Eigenverantwortung dazu animiert, ihre Gesundheitskompetenz durch aktive betriebliche Massnahmen wie z.B. Umgang mit Stress weiter zu entwickeln und ihren Beitrag zu einer positiven Gesundheitssituation im Unternehmen beizutragen.

Hier ist das Human Resources Management gefordert, zusammen mit Experten ganzheitliche Lösungen zu entwickeln, welche den gesamten Scope der Unternehmensentwicklung und der Bewirtschaftung des Human Capital beinhalten. Denn nur die Unternehmungen, welche in das Betriebliche Gesundheitsmanagement investieren, werden auch in Zukunft zu den Gewinnern des Arbeitsmarktes gehören.

Wie ein Grundmodell eines betrieblichen Gesundheitsmanagements aussieht und wie Unternehmen dieses mit einem Fünf-Punkte-Plan nachhaltig implementieren, erfahren Sie im zweiten Teil dieses Beitrags.

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Quellen und weiterführende Informationen

Bundesamt für Statistik (BFS). (2015). Schweizerische Gesundheitsumfrage (SBG) – Allgemeiner Gesundheitszustand der Schweizer Bevölkerung.

Bundesamt für Statistik (BFS). (2015). Arbeitsvolumenstatistik (AVOL).

Gesundheitsförderung Schweiz (2016). Betriebliches Gesundheitsmanagement in Schweizer Betrieben, Monitoring Ergebnisse. Gesamtschweizerische Studie Gesundheitsförderung Schweiz, Uni Zürich sowie dem Link Institut.

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Thema: HR und Leadership

Autor: Alexander Beck

Datum: 18. April 2018

Schlagworte: Human Resources Management

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