Banking und Finance

Künstliche Intelligenz im Banking

25. April 2018

Das Thema „Künstliche Intelligenz (KI)“ ist in aller Munde. Anlässlich der 23. Handelsblatt Jahrestagung „Banken-Technologie“ in Frankfurt skizzierte Hans-Christian Boos, CEO der arago AG, die Möglichkeiten von KI-Einsatz in der Finanzindustrie.

Finger drückt auf Future/Start-Knopf 

Ist die Künstliche Intelligenz der Startzeitpunkt für die wirklich disruptive Veränderung der Banken-Geschäftsmodelle (Bild)?

Grenzen und Potenziale künstlicher Intelligenz

Die Herausforderung für KI-Prozesse ist nicht, dass ihnen die Fähigkeit fehlt, definierte Aufträge auszuführen, sondern dass die bestehende Welt sehr komplex ist. Im Mensch sind Millionen Jahre Evolution gespeichert, die verzahntes Reagieren ermöglicht, wohingegen eine KI komplett „leer“ erschaffen wird. Deshalb kann man mit KI die Welt nur in kleinen Stücken erklären. Daher ist es problematisch, in einem verzahnten KI-Ansatz Systeme als Ganzes zu vereinen.

Nach Boos hat KI dennoch potenziell immense Auswirkungen auf bestehende Geschäftsmodelle. Er stellt die These auf, dass jeder heute bestehende Prozess durch KI übernommen werden kann. Man hat bereits vor langer Zeit damit begonnen, die Aktivitäten von Firmen in Prozesse und Teilprozesse zu skalieren und sie so lesbar zu machen. So konnte KI in konkreten Prozessen Einklang halten – und in diesen Bereichen kann nun ein massiver Effizienzgewinn durch KI entstehen. Boos geht davon aus, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren über 80 % solcher Tätigkeiten durch KI übernommen werden können.

Integration von KI und Mensch auch in Zukunft der Kernerfolgsfaktor

Eine starke Marke, guter Kundenservice und Innovation sind nach Boos die drei Kernelemente, welche künftig den Geschäftserfolg ausmachen. Eine starke Marke und strategisch sinnvoll gesteuerte Innovationsprozesse schaffen das Potenzial, dass der Kunde die relevanten Lösungen für seine Bedürfnisse bei Firmen nachfragt.

Die konkrete Serviceleistung der Firma an der Kundenschnittstelle wird dabei den Unterschied machen. Service Excellence bedingt auch die Interaktion von Mensch zu Mensch, um Passgenauigkeit zu erreichen. Die Handlungsfelder von KI liegen demzufolge nicht in der persönlichen Beratung und Betreuung von Dienstleistungsempfängern, sondern in den vor- und nachgelagerten Prozessen.

Überleben oder konkurrieren

Will man künftig nicht nur überleben, benötigt man, so Boos, ein digitales Geschäftsmodell. Dabei geht es um Vernetzung, Flexibilisierung und robuste, kurze und somit kostengünstige Prozessstrecken. Boos bezeichnet diese zukunftsweisenden Institutionen als „exponentielle Organisationen“, weil sie unabhängig vom Geschäftsmodell ein grenzenloses, also exponentielles Wachstum ermöglichen sollen.

Das führt Boos dann auch zu einem Fazit. Finanzdienstleister haben im heutigen, hoch dynamischen Markt weder die Zeit noch das Geld, um Prozesstrecken mit menschlichen „Denkbarrieren“ zu belasten. Ergo bedienen sie sich künftig KI, um genau diese Strecken kurz zu halten.

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