Banking und Finance

Mobile Payment in der Schweiz (3/3)

18. April 2018

Mein letzter Beitrag hat sich mit den konkreten Erfolgsfaktoren für Mobile Payment auseinander gesetzt. Nachstehend werden Konklusionen und Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Ist der Kulturwandel die wahre Herausforderung der Digitalisierung?

Was sind Erfolgsfaktoren für die Ausbreitung von Mobile Payment (Bild)?

Konklusion: Reichweite

Die Reichweite im lokalen Handel ist für NFC basierte M-Payment-Systeme bereits sehr ansprechend. In der Schweiz kann an bereits mehr als 100'000 Standorten mit NFC bezahlt werden. Twint mit der Bluetooth-Technologie verfügt über den Nachteil, dass der Detailhandel mit entsprechenden Beacons auszustatten ist.

Als erste Handlungsempfehlung kann festgehalten werden, dass M-Payment-Anbieter Kooperationen mit den relevanten Onlineplattformen eingehen, um rasch eine umfassendere Reichweite zu erhalten. Im lokalen Handel sind insbesondere Bluetooth gestützte M-Payment-Verfahren wie Twint gefordert, ihr Netzwerk zu erweitern.

Konklusion: Funktionalität

Bargeld ist heute in der Schweiz nach wie vor das wichtigste Zahlungsmittel. Kredit- und Debitkarte haben jedoch stark aufgeholt und werden in den nächsten Jahren das Bargeld vom ersten Platz verdrängen. Welche Rolle spielt dabei M-Payment?

Damit M-Payment Zahlkarten, insbesondere Debitkarten, substituieren kann, wurde als zweite Handlungsempfehlung die Implementierung einer Bargeldbezugsfunktion für M-Payment an Geldautomaten abgeleitet. Dieser Aspekt wäre spannend zu untersuchen für weitergehende Forschungsarbeiten. Würde diese Funktionalität die Verbreitung von M-Payment steigern ohne dass mehr Bargeldbezüge getätigt würden?

Konklusion: Subjektive Wahrnehmung vs. Realität

Bei dem Bargeld entschieden sich 8.3 Prozent, bei der Debitkarte 3.0 Prozent und bei der Kreditkarte 7.4 Prozent für die Sicherheit als wichtigsten Vorteil. Der Faktor Sicherheit rückt bei etablierten Zahlungsmitteln in den Hintergrund. Dagegen scheint insbesondere die Sicherheit während der Adoptionsphase bei neuen, unbekannten Zahlungsmethoden wie M-Payment von zentraler Bedeutung zu sein.

Die subjektive Wahrnehmung der Probanden zu dem Sicherheitsaspekt und der effektiv gebotenen Sicherheit von M-Payment geht diametral auseinander. Die angesprochene Lücke mit gezieltem Marketing zu schliessen stellt die dritte Handlungsempfehlung dar.

Konklusion: Wichtigkeit von positiven Adoptionsfaktoren und der damit verbundene zeitliche Aspekt

An dieser Stelle kann festgehalten werden, dass die aus der Theorie identifizierten Kernfaktoren für die positive Adoption von M-Payment: Bequemlichkeit, Geschwindigkeit, Verträglichkeit (Mehrwerte und Einfachheit) sowie Sicherheit empirisch erhärtet werden konnten.

Zu guter Letzt wurde als vierte Handlungsempfehlung definiert, dass der Faktor Zeit einen nicht zu unterschätzenden Einfluss für die positive Adoption von M-Payment darstellt.

Die vier aus der Empirie abgeleiteten Handlungsempfehlungen beantworten die Frage, wie Mobile Payment in der Schweiz im Vergleich mit anderen Zahlungsmitteln aus Nutzersicht fortan erfolgreich werden kann.

Diese dreiteilige Blog-Serie beende ich mit einem passenden Zitat von Bill Gates.

„Als der Pflug erfunden wurde, haben einige gesagt das ist schlecht, dasselbe war der Fall beim Buch, beim Telefon, beim Auto, beim Fernsehen und bei fast jeder neuen Technologie. Das war immer so und wird immer so sein. Die nächste Generation hat die neue Technologie dann aber jedesmal fast schon als völlig selbstverständlich betrachtet" - Bill Gates

Das wird bei M-Payment nicht anders sein.

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Weiterführende Literaturhinweise:

  • Bhandari, K. (2014, September 11). mPayments – The Future Currency – 1 of 2 – Critical Success Criteria for ApplePay and GoogleWallet. Retrieved 24 August 2017, from https://kunalbhandari.wordpress.com/2014/09/11/mpayments-the-future-currency-1-of-3-critical-success-criteria-for-applepay-and-googlewallet/
  • Chen, L. (2006). A Theoretical Model of Consumer Acceptance of mPayment - viewcontent.cgi. Acapulco: Twelfth Conference on Information Systems.
  • Davis, F. (1989). Perceived Usefulness, Perceived Ease of Use, and User Acceptance of Information Technology (pp. 319–340). Management Information Systems Research Center, University of Minnesota.
  • Lerner, T. (2012). Mobile Payment: Technologien, Strategien, Trends und Fallstudien. Wiesbaden: Springer-Verlag.
  • Nessler, C., Lis, B., & Fischer, M. (2016). Entwicklungsstand des Mobile Payments. WiSt - Wirtschaftswissenschaftliches Studium, 45(11), 611–615. https://doi.org/10.15358/0340-1650-2016-11-611
  • Rogers, E. M. (1995). The Diffusion of Innovations. New York.
  • Stengel, C., & Weber, T. (2016). Digitale und mobile Zahlungssysteme. Zürich: Schulthess Verlag.

Thema: Banking und Finance

Autor: Reto Jäggi

Datum: 18. April 2018

Schlagworte: Digitalisierung, Bankbranche, Online-Banking

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