Banking und Finance

Blockchain zur Risikominimierung? (3/3)

14. März 2018

Inhalt des zweiten Teils dieser Serie war die Frage, wie die Blockchain (scheinbar) Risiken zu vermeiden hilft. In diesem dritten und letzten Teil soll eine Analyse dieser Vermeidung aufzeigen, wie das Verhältnis zwischen Blockchain und Risk interpretiert werden kann.

Blockchain im Zusammenhang

Wie ist das Verhältnis von Blockchain und Risk (Symbolbild)?

Risiken offener Blockchains

Eine Blockchain kann offen und für alle die möchten zugänglich sein oder aber nur eine spezifische Auswahl an Teilnehmern haben. Eine vollkommen offene Anwendung in der Finanzindustrie ohne Banken und zentrale Gegenparteien transferiert die Risiken direkt auf den Teilnehmer (im momentanen Setup der Bankkunde). Durch die Anonymität entsteht auch das Potenzial für illegale Transaktionen, bei denen sich die übrigen Teilnehmer der Blockchain durch ihre Teilnahme eventuell eine Mitschuld zukommen lassen und haftbar gemacht werden könnten. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass durch neue Technologien bzw. die neuartige Anwendung von Technologie, neue und bisher unbekannte Risiken entstehen.

Eingeschränkte Offenheit als Lösung?

Diese unbekannten Risiken liessen sich zumindest teilweise eindämmen, indem die Öffnung teilweise einschränkt und die Blockchain beispielsweise nur jenen Parteien offen stünde, die öffentlich-rechtlich reguliert werden können. Hier böten sich die Banken und die FINMA an. Eine eingeschränkt offene Anwendung liesse einige Risiken aus den Büchern der Banken verschwinden, ohne dass die sie auf die Rendite verzichten müssten.

Verbleibende Risiken

Sie müssten allerdings die Risiken der zentralen Gegenparteien nun direkt tragen. Der bereits erwähnte Raum für illegale Machenschaften, wie Terrorismusfinanzierung, Geldwäscherei etc. könnte auf neue und breitere Art und Weise die Teilnehmer an Blockchains belasten, da die Risiken von den intermediären Drittparteien auf sie transferiert würden.

Ebenso blieben einige Unknown Unknowns bestehen. Der Verifizierungsprozess funktioniert mittels mathematischer Funktionen und Algorithmen, die wiederum fehleranfällig oder schlicht falsch sein können. Je nach Durchdringungsgrad könnte ein Fehler im Algorithmus fatale Folgen für eine Bank, deren Kunden und je nach Grösse des Fehlers für eine ganze Volkswirtschaft haben.

Riskotransfer anstelle Risikoauflösung

Die oft implizite Annahme, die Blockchain-Technologie lasse gewisse Risiken ohne Renditeverlust verschwinden, erweist sich bei näherem Hinsehen als Irrtum. Zwar werden die momentanen regulatorisch bezifferten und mit Kapitalkosten definierten Risiken umgangen. Dies bedeutet aber nicht deren Verschwinden. Diese Risiken werden lediglich auf die Teilnehmer der Blockchain (von der Bank zum heutigen Bankkunden oder der zentralen Gegenpartei auf die Bank) transferiert.

Fazit und Handlungsempfehlungen

In der Blockchain-Technologie liegt somit die nächste, noch unangetastete Aufgabe für Regulierung. Diese muss den Risikotransfer zum Kunden/zur Bank thematisieren und geeignete Massnahmen beschliessen, um den Endkunden/unmittelbaren Teilnehmer zu schützen.

Um der Technologie nicht schon zu Beginn die Luft aus den Segeln zu nehmen, sollte eine etwaige Gesetzgebung Rahmenbedingungen für die Anwendung der Blockchain-Technologie umschreiben ohne gleichzeitig einzelne Algorithmen und Verifizierungsmethoden vorzuschreiben.

Allenfalls liesse sich über Zertifizierungsmechanismen für Algorithmen nachdenken, was eine zusätzliche Sicherheitskomponente für die Teilnehmer bedeuten könnte. Die Diversifizierung dieser Methoden der Verifizierung kann die obigen Gefahren durchaus einschränken und würde einen gewissen Wettbewerb mit sich bringen.

Thema: Banking und Finance

Autor: Claude Del Don

Datum: 14. März 2018

Schlagworte: Blockchain, Bankgeschäftsmodelle

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