Banking und Finance

Digitale Umgestaltung der Deutschen Bank

19. Februar 2018

René W. Keller, Chief Information Officer – Private, Wealth and Commercial Clients der Deutsche Bank AG, setzte sich anlässlich der 23. Handelsblatt Jahrestagung „Banken-Technologie“ vom 5. bis 6. Dezember 2017 in Frankfurt mit den Auswirkungen der rasanten Entwicklung von Technologie und IT-Architektur auf die Geschäftsmodelle der Banken und der Deutschen Bank im Speziellen auseinander.

Mann vor Weltkarte

Im Banking benötigen die Player Pläne und Standards, um in der digitalen Welt etwas aufzubauen (Symbolbild).

Vom klassischen Produktevertrieb hin zu Netzwerken und Plattformen

Etablierte Banken erleben derzeit, wie die Digitalisierung die Bankenwelt komplett umkrempelt. Neue Wettbewerber drängen in den Markt, Kunden ändern ihr Verhalten fundamental und neue Technologien eröffnen neue Perspektiven.

Bei den neuen Marktteilnehmern handelt es um Technologieunternehmen, welche global skalieren und rasch auf Trends reagieren. Keller sieht eine klare Verschiebung weg von klassischen Produkten und Services hin zu Netzwerken und Plattformen. Die Ursache für diese Veränderungen sieht Keller unter anderem in der Leistungsfähigkeit unserer Prozessoren, welche sich alle 18 bis 25 Monate verdoppelt. Um künftig in der Finanzbranche bestehen zu können, bedarf es demgemäss einer umfassenden Transformation.

Der Weg in die Digitalisierung führt nur über eine Zielarchitektur

Anders als bei den FinTechs und den Internetgiganten startet die Reise in die Digitalisierung im Banking nicht auf der grünen Wiese. Hierzu vergleicht Keller die IT einer Grossbank mit mittelalterlichen Städten, welche über Jahrhunderte aufgebaut worden sind. Es benötigt definierte Pläne und klare Standards um in der digitalen Welt etwas aufzubauen. Man hat es in den letzten zwei Jahren verstanden, eine Zielarchitektur zu definieren. Als Kernstück dieser IT-Architektur hebt Keller die Integrationsarchitektur hervor. Man hat damit begonnen, Prozesse „End to End“ zu digitalisieren. Bestehende Prozesse wurden standardisiert und automatisiert, was eine Steigerung der Qualität und sinkende Kosten zur Folge hatte.

Kurze Entscheidungswege und flache Hierarchien als Schlüssel zum Erfolg

Sollen Banken künftig als Technologieunternehmen gesteuert werden, müssen diese die Art und Weise der internen Zusammenarbeit ändern und bestehende Arbeitsweisen und Kulturen, müssen grundsätzlich überdacht werden. In der Deutschen Bank finden diese neuen Arbeitsweisen in Digitalfabriken Anwendung. Hier arbeiten die Teams interdisziplinär, die Hierarchien sind flach und die Entscheidungswege kurz. Man entwickelt agil und Lösungen werden radikal aus Kundensicht entwickelt, in kurzen Zyklen umgesetzt und stetig weiterentwickelt. Von der Idee bis zum fertigen Produkt dauert es heute nur ein paar Wochen. Hat man früher Neuerungen umfassend geplant, versucht man heute den Kunden möglichst rasch mit einem „Minimal Viable Product“ zu erreichen.

Forschung, Entwicklung und Plattformökonomie

Wenn Banken zu Technologieunternehmen werden, bekommen Themen wie Forschung und Entwicklung eine ganz andere Wichtigkeit. Man hat bei der Deutschen Bank daher sogenannte „Innovation Labs“ eingerichtet. Diese Labs dienen dazu, neue Technologien zu identifizieren und bieten eine sichere Umgebung, um Innovationen und Technologien zu testen. Sie eröffnen darüber hinaus, Start-Ups einen direkten Weg in die Deutsche Bank. Keller sagt zudem, dass das Geschäftsmodell der Zukunft eine Plattformlösung sein wird. Bei der Deutschen Bank ist man der Überzeugung, dass künftig der Marktteilnehmer erfolgreich sein wird, welcher im direkten Kontakt mit dem Kunden steht.

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