Unternehmensführung

Tally Weijl - 33 Jahre Start-Up

17. Januar 2018

Pure Leidenschaft, etwas für Verrückte: Das ist der Fashion-Beruf in den Augen von Beat Grüring, Co-CEO und Mitgründer von Tally Weijl. Er muss es wissen, denn dieses Schweizer Unternehmen behauptet sich erfolgreich in einer Branche mit besonders hartem Konkurrenzkampf. Grüring war Ende November 2017 zu Gast beim Herbstgespräch der Kalaidos FH zum Thema „Auswirkung der Digitalisierung auf die Fashion & Lifestyle Branche am Beispiel von Tally Weijl“

Beat Grüring, Co-CEO und Mitgründer von TALLY WEiJL und Dr. Jakob Limacher, Rektor der Kalaidos FH

Beat Grüring, Co-CEO und Mitbegründer von Tally Weijl (im Bild links), spricht mit Dr. Jakob Limacher, Rektor der Kalaidos Fachhochschule, über die Unternehmensstrategie (Bild).

Die Erfolgsgeschickte von Tally Weijl beginnt 1984, als Beat Grüring und Tally Elfassi-Weijl das Unternehmen gründen. Sie haben die Vision, den Modehändlern einen kurzfristigeren Einkauf zu ermöglichen – anders als die damals üblichen sechs Monate im Voraus. Mit einem ersten eigenen Store in Fribourg erfolgt 1987 der Schritt ins Filialgeschäft. Die Geschichte der jungen Schweizer Modefirma wäre aber bald zu Ende gewesen, gäbe es da nicht die durchschlagend erfolgreiche Kombination des kreativen Kopfes von Tally Elfassi-Weijl und des visionären Strategen Beat Grüring an der Firmenspitze. Grüring selbst bezeichnet Tally Weijl noch heute, 33 Jahre nach der Gründung, als Start-Up.

Big Data optimiert das Ladensortiment laufend

Immer wieder erfindet sich das Unternehmen neu – nicht nur in den Kollektionen, die alle sechs Wochen ausgetauscht werden. Stehen bleiben ist nicht erlaubt. Als Tally Weijl um 2000 begann, exakt auszuwerten, was in welchem Shop wie gut verkauft wird und in der Folge jede einzelne Filiale individuell bestückt, gab es den Begriff „Big Data“ noch nicht – das Vorgehen war revolutionär. Heute nutzt Tally Weijl Big Data-Anwendungen, um Ware über Nacht in genau die Filiale zu senden, in welcher damit der beste Absatz zu erwarten ist. Die Vorsortierung erfolgt bis zur Farbe der Artikel. Dadurch hat kein Store genau das gleiche Sortiment wie ein anderer.

Gibt es in der Tally-Filiale in Zukunft auch Coiffure?

Nach Effizienzsteigerungen im bestehenden Geschäft und der Auslagerung gewisser Tätigkeiten erfolgte die unkonventionelle Massnahme, die Mitarbeitenden für die Lohnzahlung zwischen Euro und Schweizer Franken wählen zu lassen. Das Verhältnis pendelte sich bei 50:50 ein. Heute denkt Grüring schon wieder weiter. Er ist überzeugt, dass sich die Funktion der Filiale verändern wird. So könnte ein Store nur noch Musterartikel zur Anprobe führen, denn Kundinnen wollen Ware vor dem Kauf immer anfassen. Die ausgewählten Artikel werden dann jedoch direkt vom Lager zur Kundin nach Hause geschickt. Im Shop könnte man stattdessen andere Dienstleistungen wie Coiffure oder Maniküre anbieten, was virtuell wohl nie möglich sein wird.

On- und Offline-Welt clever kombinieren

Tally Weijl wird in diesem Sinne immer ein Start-Up-Unternehmen bleiben: Die Firma muss sich ständig neu erfinden, um in der hart umkämpften Fashion-Branche weiter eine Erfolgsgeschichte schreiben zu können. Die clevere Kombination von Offline- und Online-Welt hat dabei entscheidende Bedeutung.

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