Banking und Finance

Analog goes digital (3/6)

24. Januar 2018

In meinem letzten Beitrag beschäftige ich mich mit den Ausführungen von Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg, zum Thema „Ökosyteme 4.0 und Bank 4.0“ anlässlich des BEI-Forums 2017 vom 16. November in St. Gallen. Heute steht der konkrete Weg der Hypothekarbank Lenzburg im Zentrum.

Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg, am BEI-Forum 2017
 
Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg, legt den Weg der „Hypi“ in die Welt der digitalen Ökosysteme dar (Bild).

„Hypi Lenzburg“ goes Ökosystem und FinTech

Die Hypothekarbank Lenzburg stellt sich diesem Prozess. Sie sieht den eigenen Weg als Weg des Ausprobierens – die Bank ist ein „Innovation Lab“ von innen heraus. Das strategische Ziel ist es, die Innovationsgeschichte zu widerlegen und die Transformation von innen zu schaffen. Dies soll durch Schaffung von mehr Freiräumen für die Umsetzung guter Ideen, durch die Entwicklung einer Kultur des Austauschs, der Kommunikation und der Bereitschaft zu lebenslangem Lernen mit Neugier, Kreativität und unternehmerischem Handeln sowie durch gleichzeitige Entwicklung der Kernfähigkeiten im digitalen Zeitalter gelingen. In Bezug auf die Kooperationsstrategie mit FinTechs geht man systematisch und dokumentiert vor. Das Wissen, was genau gemacht wird, ist zentral zur Abdeckung der Compliance-Anforderungen. Vorschläge können dabei von überall kommen. Idee ist es, möglichst quer Informationen sammeln und zu orchestrieren. Viele FinTechs kommen, viele gehen auch wieder, da sich die Idee nicht durchsetzt.

Als digitalste Bank der Schweiz 2016 verfügt sie auf technologischer Ebene seit 2017 als erste Bank über eine Open API-Plattform. Dieser Entscheid wurde nicht wegen PSD2, getroffen, sondern, um flexibel für Kooperationen mit FinTechs und die Entwicklungen in Richtung der digitalen Ökosysteme zu werden. Die Hypothekarbank Lenzburg verfügt heute bereits über eine eigene IT, ein eigenes Corebank-System und eine Entwicklungsabteilung. Als stabile Bank hat sie zudem genügend Eigenmittel.

Gestaltung der Kundenschnittstelle

Banken dürfen froh sein, wenn sie die Customer Journey noch abdecken dürfen. An der Kundenschnittstelle entwickelt die Hypothekarbank Lenzburg daher pragmatisch die Kompetenz, anders auf die Kunden zuzugehen und andere Arten von Geschäftsstellen entwickeln. So hat sie in Aarau in einem Co-Workingspace eine Filiale eröffnet, in der die andere Art der Zusammenarbeit zwischen Kunden und Bank erprobt werden kann. Der Kunden kann dabei wählen, ob er Daten austauschen will. Man versteht Banking 4.0 als Teil des Ökosystems 4.0 mit dem Kernziel, dabei das Kundenvertrauen nicht verlieren. Dies kann durch eine Mischung aus guter Organisation und guter Schnittstellenbeschreibung gelingen.

Der Weg aus Sicht der Kunden und des Verwaltungsrats

Die Kunden freuen sich, dass ihre Bank ein populäres Image hat. Die konkreten Nutzerzahlen sind aus Sicht von Marianne Wildi dabei gar nicht im Vordergrund. Das Image ist für den zukünftigen Weg sehr wertvoll – so z.B. der Kommentar des Bundesrats bei der Bundesratsreise, dass man Lenzburg wegen der „Hypi“ kenne – Mitarbeiter und Kunden waren hell begeistert.

Dies fördert die Bereitschaft, die Bank von innen her umzugestalten und die Kombinationsmöglichkeiten so zu schaffen, dass die zukunftsfähigen Module dann von innen heraus entstehen und die Bank im digitalen Ökosystem überlebensfähig machen können. Daher sind die Kosten für den Verwaltungsrat auch nicht im Vordergrund – sondern die evolutiv wachsende Zukunftsfähigkeit der Bank.

In meinem nächsten Beitrag befasse ich mich mit der Sicht der FINMA zur Regulierung der entstehenden neuen Geschäftsmodelle.

Verwandte Artikel