Banking und Finance

Analog goes digital (2/6)

17. Januar 2018

Nachdem in meinem letzten Beitrag die Rahmenbedingungen der digitalen Transformation aus Sicht von Thomas Zerndt und Prof. Dr. Reinhard Jung im Vordergrund standen, lege ich in meinem heutigen Beitrag die konkrete Sicht von Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg, zum Thema „Ökosyteme 4.0 und Bank 4.0“ dar. Sie ist als einzige Frau und als einziger ehemaliger „Chief Information Officer“ heute CEO einer Bank und ihre Aufgabe ist für sie nicht nur ein „Job“ , sondern eher ein Hobby.

Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg
 
Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg, legt ihre Sicht der Transformation von Banken in Richtung digitaler Ökoysteme dar (Bild).

Digitalisierung und VUCA

Plattformen und Netzwerke beginnen, die globale Weltwirtschaft zu dominieren und gleichzeitig zu verändern. Uber, Apple, YouTube, die strategischen Entwicklungen rund um die Autoindustrie, die Diskussionen um Big Data – alle diese Elemente zeigen, dass der Kampf um die Kundenschnittstelle und die verfügbaren Informationen neu lanciert ist.

Digitalisierung bedeutet aus Sicht von Marianne Wildi im VUCA-Zeitalter mehr als nur die Digitalisierung der Prozesse, da sie die Menschen betrifft und eine agile Kultur erfordert. VUCA ist dabei ein Akronym für die englischen Begriffe „Volatility“, „Uncertainty“, „Complexity“ und „Ambiguity“ und bedeutet auf Deutsch Volatilität (Unbeständigkeit), Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Die Generation Y und Z legen ein anderes Verhalten an den Tag. Digitalisierung hat mit Kultur und Organisation, Innovationskraft und Customer Experience zu tun. Das neue Geschäftsmodell entsteht, ohne die Richtung im Vorfeld genau zu kennen. Dies wird möglich, wenn die IT und die Prozesse dies als „Rückgrat“ des Geschäftsmodells ermöglichen.

Daher braucht heute jede Bank eine Digitalisierungsstrategie. FinTechs verfügen per se über die notwendige Agilität. Eine passgenaue Kombination der Kernkompetenzen von Banken und FinTechs ist daher spannend. Eine kleine Bank kann es sich dabei nicht leisten, eigene Studien zu erstellen. Die Kompetenz zur eigenständigen Interpretation der verfügbaren Informationen ist daher entscheidend für klassische Banken.

Strategische Optionen für Banken

Welches sind nun die strategischen Optionen für Banken im digitalen Zeitalter? Banken können das bestehendes Modell schützen, sich selber neu erfinden oder durch Ökosysteme und Plattformen verdrängt werden. Die Variante a) wäre vielen Banken ggf. am liebsten. Durch mehr Regulierung könnte man kfr. weniger Konkurrenz zulassen und die Dominanz der Banken aufrechterhalten. Variante b) erscheint vielen mit einer Geschichte von 150 Jahren als zu schwierig.

Dennoch ist es aus Sicht von Marianne Wildi wohl notwendig, sich konsequent neu zu erfinden, denn das Szenario c) ist in anderen Industrien bereits eingetreten. Klassische Anbieter wurden durch neue Anbieter links und rechts überholt. Sobald sich die Fintec in der Schweiz geordnet haben, ist davon auszugehen, dass dieser Prozess auch in der Finanzbranche realistisch ist.

In meinem nächsten Beitrag befasse ich mich mit den Ausführungen von Marianne Wildi zum konkreten Weg der Hypothekarbank Lenzburg.

Verwandte Artikel