Steuerrecht

Interview: Steuerverwaltung Obwalden (1/2)

22. November 2017

Im nachfolgenden Interview erzählt Reto Achermann, Leiter Support und IT bei der Steuerverwaltung Obwalden, von den Vor- und Nachteilen der digitalen Einreichung im Kanton Obwalden per 1. Januar 2018 und den Hürden bei der Umsetzung eines solch grossen Projektes.

Reto Achermann, Steuerverwaltung Obwalden, digitale Einreichung Steuererklärung

Herr Achermann, was ist Ihre Rolle im Projekt der digitalen Einreichung der Steuererklärung im Kanton Obwalden?

Meine Rolle besteht darin, das Projekt fachlich zu begleiten und die Interessen der Steuerverwaltung in diesem Projekt wahrzunehmen. Die Projektleitung selber wird von unserem IT-Anbieter wahrgenommen.

Die digitale Einreichung der Steuererklärung bietet vor allem für Steuerpflichtige grosse Vorteile. So müssen die Formulare nicht mehr ausgedruckt und unterschrieben werden. Welche Vorteile bietet dies der Steuerverwaltung?

Dieses Projekt ist für die Steuerverwaltung genauso wichtig wie für die Steuerpflichtigen. Mit diesem Projekt können wir unsere Prozesse massiv vereinfachen. Es gibt verschiedene Varianten, wie man Steuererklärungen einreichen kann, und jede Variante macht unterschiedliche Abläufe notwendig. Wenn man ganz auf die elektronische Einreichung setzen kann, vereinfacht dies vieles und es bietet auch die Möglichkeit, zahlreiche Folgeverarbeitungen zu automatisieren.

Sehen Sie auch Nachteile, gerade weil zusätzliche Abläufe geschaffen werden müssen?

Nachteile sehe ich aus Prozesssicht keine. Es ist einfach eine riesige Arbeit, alle bestehenden Prozesse darauf anzupassen. Aber der Vorteil überwiegt. Im Idealfall geht eine elektronisch eingereichte Steuererklärung automatisch durch alle Instanzen hindurch, bis die Veranlagungsverfügung an den Steuerpflichtigen versandt wird. Das gute dabei ist, dass jeder einzelne Prozessschritt automatisiert werden kann. Wenn irgendwo eine Interaktion notwendig wird und ein Mitarbeiter eingreift, dann läuft es anschliessend wieder automatisch weiter. Man kann so die Durchlaufzeit massiv optimieren. Ein Nachteil besteht darin, dass aufgrund dessen Stellen abgebaut werden.

Hat die Tatsache, dass der Kanton Obwalden ein kleiner Kanton ist, einen positiven oder negativen Einfluss auf die Umsetzung eines solchen Projektes?

Grundsätzlich spielt es keine Rolle, wie gross ein Kanton ist, um ein solches Projekt umzusetzen. In allen Kantonen sind die Anforderungen an ein solches Projekt vergleichbar, allenfalls mit kleinen gesetzlichen Unterschieden. Auch wenn man ein kleiner Kanton ist, muss man die gleichen, hohen Anforderungen erfüllen können. Was es für uns einfacher macht ist sicher, dass bei uns die Entscheidungswege kürzer sind als anderswo. Wir sind viel näher bei den Entscheidungsträgern, also bei der Regierung oder beim Parlament, als dies bei einem grossen Kanton der Fall ist. Aus Sicht des Anbieters, der ein solches Onlineportal aufbaut, sind zudem die Risiken überschaubarer: Wenn etwas nicht funktionieren sollte, sind dann nur 30'000 Steuerpflichtige betroffen, während die Anzahl Betroffenen in einem grossen Kanton wohl ein Vielfaches davon betroffen sein würden. Dies ist sicher mit ein Grund dafür, warum der Kanton Obwalden zu den ersten Kantonen gehört, die so etwas umsetzen.

Wird die Steuererklärung digital eingereicht, werden sensible Daten über das Internet übermittelt. War die Sicherheit im Kanton Obwalden ein grosses Thema, oder vertraut die Bevölkerung inzwischen auf die Sicherheit des Internets?

Das ist für uns schon ein sehr grosses Projektrisiko, dass das Vertrauen nicht so da ist, wie wir uns das erhoffen. Das ist deshalb ein ganz wichtiger Punkt und wir setzen viel daran, dass wir das Vertrauen gewinnen. Wir verwenden die modernste Technologie: Sobald man sich mit dem Browser in unserem Portal anmeldet, ist alles verschlüsselt, genau gleich wie auch beim E-Banking. Für uns war auch ganz wichtig, dass der Server, über den das Portal läuft, nicht irgendwo steht, sondern dass es ein von uns betriebener Server ist. Dieser wird vom Kanton Obwalden betrieben. Das müssen wir auch so gegenüber unseren Steuerpflichtigen kommunizieren. Ihre Daten sind nie an einem anderen Ort gespeichert als im Kanton Obwalden. Uns ist wirklich wichtig, dass man die Ängste nehmen kann, so dass das nicht zum Grund wird, warum die Steuerpflichtigen nicht elektronisch einreichen.

Besten Dank Herr Achermann für das Interview! In einem zweiten Interview mit Ihnen erfahren wir mehr zur technischen Umsetzung eines solchen Projektes.

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Hier kommen Sie zum zweiten Teil des Interviews und einem weiteren Blogbeitrag zum Thema "Digitale Einreichung der Steuererklärung".

Thema: Steuerrecht

Autor: Nicole C. Bühler

Datum: 22. November 2017

Schlagworte: Steuererklärung, Interview, Digitalisierung

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