HR und Leadership

Wie Kündigungen auf Betroffene wirken [Masterarbeit] (1/3)

06. November 2017

Ein Stellenverlust ist in den Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung bei Weitem keine Seltenheit mehr. Doch wie wirkt sich das auf die Betroffenen aus, welchen unterstützenden Einfluss kann die positive Psychologie haben und welche konkrete Hilfestellungen kann eine Outplacement-Beratung oder ein Laufbahncoaching leisten? Mögliche Antworten darauf erfahren Sie in dieser dreiteiligen Blogserie „Die Positive Psychologie in der Outplacementberatung“, die aus den Ergebnissen meiner Masterarbeit zum Studiengang MAS FH in Personal- und Organisationsentwicklung entstanden ist. Dieser erste Beitrag beleuchtet die Wirkung einer Kündigung auf die Betroffenen.

Mann haelt Augen zu

Von einer Kündigung Betroffener (Symbolbild)

Es gehört zu den Aufgaben der Personalverantwortlichen, in einer sich stetig verändernden Arbeitswelt Personal freizusetzen und damit Flexibilität zu gewinnen. Doch ebenso gilt es bei einem Fachkraftmangel, sich ihrer Stärken bewusste Mitarbeitende zu rekrutieren. Was bedeutet es nun für Mitarbeitende, einerseits die Kündigung zu erhalten und andererseits, sich bei der Bewerbung für eine neue Arbeitsstelle kompetent und selbstsicher präsentieren zu müssen?

Die Frage des Selbstwerts

Um den Einfluss einer Kündigung auf Betroffene zu verstehen, ist es sinnvoll, die Bedeutung der Erwerbstätigkeit in den Industriestaaten zu ergründen. Während die schnelle Antwort „Existenzsicherung“ lautet, übernimmt die Berufstätigkeit zusätzliche Funktionen wie Qualifizierung, Anwendung und Entwicklung von Fertigkeiten und Fähigkeiten – alles Bausteine des Selbstwertes. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit anderen befriedigt das menschliche Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit und Anerkennung und letztlich gibt es dem Tag eine sinnhafte Zeitstruktur.

Genau das ändert sich durch den Verlust des Arbeitsplatzes. Die Frage nach dem eigenen Wert entsteht, auch entfallen Privilegien wie Firmenauto, die Visitenkarte und der Status. Dies führt offensichtlich zu einer Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens – auf allen Seiten. Wie Verlust verarbeitet wird und wie wichtig diese Verarbeitung für das Finden einer neuen Stelle ist, wird anhand des „Roller-Coaster-Modells“ ersichtlich (vgl. Abbildung).

Roller-Coaster-Modell

Emotionale Achterbahn bei einer Kündigung Betroffenen, Roller-Coaster-Modell von Andrzejewski in Anlehnung an Hurst & Sheppard (Bild)

Die Fahrt auf der "emotionalen Achterbahn"

Die meisten Phasenmodelle zum Thema Verlust beginnen bei der Kündigung. Vergessen wird dabei, dass Betroffene vielfach die Kündigung bereits über längere Zeit hinweg erahnen. Das Roller-Coaster-Modell greift diese „emotionale Achterbahn“ mit den darauffolgenden Höhen und Tiefen auf, die Menschen bereits bei der Vorahnung durchlaufen. Einerseits fühlen sich die Betroffenen in Sicherheit, leugnen die Möglichkeit einer Kündigung oder reagieren sogar mit Enthusiasmus – dann wiederum folgen Reaktionen wie Ärger und Depression. Nachdem die Schliessung einer Abteilung oder Unternehmung, beziehungsweise die Kündigung, bekannt ist, kann es nochmals zu einem höheren Engagement kommen, das mit einer Phase der längeren Verleugnung der Kündigung zusammenfällt.

Einige der Betroffenen fallen insbesondere dann in eine depressive Phase, wenn sie nicht an die eigenen Fähigkeiten glauben. Wenn zudem die ersten Versuche, eine neue Arbeitsstelle zu finden, scheitern, können wiederum Phasen der Leugnung, Ärger oder depressive Verstimmungen folgen. Neben Depressionen und einem niedrigen Selbstkonzept kann der Verlust des Selbstvertrauens daraus resultieren. Der andere Teil der Betroffenen wiederum findet zügig eine neue Arbeitsstelle und wertet diese Krise im Nachhinein als Chance. Dabei ist es entscheidend, dass die Kündigung gut vorbereitet und professionell von den Personalverantwortlichen durchgeführt wird.

All diese Fakten machen klar – eine neue Stelle zu finden ist nur schon aufgrund der psychischen Belastung gar nicht so einfach.

Teil 2 der Serie geht darauf ein, wie Menschen dank des Einflusses der Positiven Psychologie auf ihrem beschwerlichen Weg zu einer neuen Arbeitsstelle aufblühen. Der dritte und letzte Teil beschäftigt sich mit der Frage, wie die Positive Psychologie innerhalb einer Outplacementberatung wirkungsvoll eingesetzt werden kann.

Quellen und weiterführende Literatur

Andrzejewski, L. (2015). Trennungs-Kultur und Mitarbeiterbindung: Kündigungen, Aufhebungen, Versetzungen fair und effizient gestalten (4., neu bearb. und erw. Aufl.). Köln: Luchterhand.

Fischer, C. (2001). Outplacement: Abschied und Neubeginn. Eine Untersuchung zur Qualität der Outplacement-Beratung (pdf). Freie Universität Berlin, Berlin. Zugriff am 28.12.2016. Verfügbar unter psydok.psycharchives.de/jspui/bitstream/20.500.11780/262/1/Outplacement.pdf

Hurst, J. & Shepard, J. (1986). The Dynamics of Plant Closings: An Extended Emotional Roller Coaster Ride. Journal of Counseling and Development, 64(6), 401.

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