Banking und Finance

Compliance managen (5/5): Knowledge Cafés

29. November 2017

Im letzten Bericht über die ACTICO Compliance User Group 2017 beschäftige ich mich mit der Optimierung der Zusammenarbeit zwischen den Banken und den Regulatoren in Bezug auf die Compliance. Im heutigen und letzten Beitrag fokussiere ich mich auf die Diskussionen in den Knowledge Cafés zu den Themen EU-Datenschutz-Verordnung, 4. EU-Geldwäscherei-Richtlinie,  Decision Management und deutsches Transparenzregister.

Compliance User Group 2017 - Knowledge Cafés

Die Wolken am Compliance-Himmel werden durch aktives Management weniger (Bild).

EU-Datenschutz-Verordnung

Sandra Reinhard, PPI AG, hat als Moderatorin die folgenden Kernaspekte herausgearbeitet. Der Fokus lag auf dem Thema der Datenlöschung. Es zeigte sich, dass das Spannungsfeld zwischen datenschutzrelevanten Vorschriften und gewachsenen IT-Strukturen alle Fachbereiche ohne bestehenden Best-Practice-Ansatz betrifft. Die Datenvielfalt ist dabei enorm. Bei Instituten mit einer Vielzahl im Einsatz befindlicher Systeme stellt sich die Frage, wo der Schnitt vollzogen wird. Die Kern-Herausforderung ist dabei der Umgang mit den unstrukturierten Daten. Es ist wahrscheinlich, dass die Anzahl der Anfragen die zukünftige Lösung bestimmen wird.

Stand der Umsetzung der 4. EU Geldwäsche-Richtlinie

Dieses Knowledge Café wurde von Oliver Schwendinger, Soltain GmbH, moderiert. Die teilnehmenden Unternehmen fühlen sich im Grundsatz gut gerüstet. Dennoch befürchten sie, dass die Frequenz der Neuerungen in den regulatorischen Anforderungen sogar zunehmen könnte.

Der Umgang mit den Korrespondenz-Bankenbeziehungen ist ein Kernelement der Umsetzung. Es gilt, die neuen KYC-Anforderungen inklusive risikobasierter Bestandsaktualisierung gut abzudecken. Zentraler Bestandteil ist dabei die Transaktionsüberwachung im Rahmen der jeweiligen Beziehung. In der Schweiz sind die Umsetzungsprojekte vereinzelt bereits abgeschlossen, da die Gesetzgebung seit 2016 existiert.

Decision Management in der regulatorischen Compliance

Volker Großmann und Roland Straub, ACTICO, haben dieses Knowledge Café gestaltet. Lieferanten von fertigen Regelwerken ermöglichen es, dass nicht jede Bank die Regularien selbst umsetzen muss. Dies wird möglich, wenn die vom Standard versprochene Austauschbarkeit und Kompatibilität zwischen Tools und Rule Engines gewährleistet ist. Das Decision Management und der damit verbundene Standard Decision Model and Notification (DMN) ist dabei sowohl für regulatorische als auch für nicht-regulatorische Themen einsetzbar – z.B. für Kreditentscheidungen oder für Prozess-Entscheide.

Bundesanzeiger und deutsches Transparenz-Register

Dennis Hannemann und Sascha Heinig vom Bundesanzeiger Verlag GmbH moderierten dieses Knowledge Café, das einen Einblick in eine Deutsche Institution ermöglichte. Kernerkenntnisse waren:

  • Am 26.06.2017 ist das Gesetz zur Umsetzung der 4. EU-Geldwäscherichtlinie in Kraft getreten.
  • Das Transparenzregister (TR) wird vom Bundesanzeiger Verlag geführt und ist ein Auffangregister. Nur die wirtschaftlich Berechtigten, die sich nicht aus öffentlichen Registern ergeben, werden eingetragen.
  • Seit Anfang Oktober muss jedes Unternehmen intern geprüft haben, ob es einen wirtschaftlich Berechtigten gibt und diesen melden, falls er nicht aus öffentlichen Registern ersichtlich ist.
  • Ab Ende Dezember können Verpflichtete im Rahmen ihrer Sorgfaltspflichten den wirtschaftlich Berechtigten unter anderem im TR recherchieren.
  • Die Durchführungsverordnung und die Gebührenverordnung sind noch nicht verabschiedet. Der Bundesanzeiger als registerführende Stelle sieht Services zum automatischen Abruf vor.

Fazit

Die Compliance User Group 2017 von ACTICO hat einen aktiven Austausch an den wesentlichen Themen für die Weiterentwicklung einer effektiven Compliance zwischen Banken und Providern ermöglicht. Die Beiträge und der aktive Austausch haben gezeigt, dass die Finanzbranche vermehrt eine kooperative Grundhaltung über bisherige Silos hinweg entwickelt. Sowohl die Regulatoren als auch die Provider von Compliance-Software stellen die Schaffung von effektivem Mehrwert vermehrt konsequent in den Vordergrund – eine ermutigende Erkenntnis.

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Bisher erschienene Compliance User Group 2017 Blog-Beiträge
1. Compliance steuern: Business Rules Management
2. Compliance managen: Kunden-Screening
3. Compliance managen: Co-Creation
4. Compliance managen: Regulierung

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