Unternehmensführung

Value Creation bei Geberit

23. Oktober 2017

Ein erfolgreiches Schweizer Unternehmen, das zehn Jahre lang keine Akquisition tätigt und auch ohne Wachstum eine zweistellige Marge beim Betriebsgewinn (EBITA) liefert – wie das geht ? Darüber sprach Albert Baehny, Verwaltungsratspräsident der Geberit-Gruppe, an einem Meet&Greet-Anlass der Kalaidos FH Ende September 2017.

Geberit VR-Präsident Albert Baehny an der Kalaidos FH

Zahlreiche Zuhörer lauschten Albert Baehnys Ausführungen zur Unternehmenskultur und wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte von Geberit.

Geberit erwirtschaftet trotz schwankenden Umsatzwachstums eine stabile Betriebsgewinnmarge (EBITA). Die Unternehmensführung verfolgt ihre Ziele dabei im Rahmen von sechs Initiativen. Obwohl diverse Investmentbanken während der guten Zeiten der Bauwirtschaft auf Akquisitionen drängten, nicht zuletzt auch um sich vor einer feindlichen Übernahme zu schützen, wollte die Führungsriege von Zukäufen nichts wissen, sagte Baehny. Man müsse erst einmal die Hausaufgaben machen, war seine Meinung.

Fokussierte Just-in-time-Produktion

Die Produktion in der Schweiz wurde deshalb vollständig neu organisiert. Geberit ist ein Just-in-Time arbeitendes Unternehmen. Die morgens gelieferten Rohmaterialien wandern am Abend als fertiges Produkt ins europäische Zentrallager. Jedes Produkt wird in einer eigenen Produktionsstätte hergestellt. Dadurch kann sich jedes Werk fokussieren und arbeitet höchst effizient. Lagerhaltungskosten werden minimiert und entfallen zu einem grossen Teil.

Eigenverantwortung der Mitarbeitenden

Das Wichtigste ist für Albert Baehny aber die Unternehmenskultur, die geprägt ist von Selbstverantwortung, Kreativität und Vertrauen in die Menschen. Zum Beispiel gibt er einem Team einige Eckpunkte zu einer Aufgabenstellung aus dem Badezimmerbereich vor. Diese lautet beispielsweise: „Neues Badezimmer, montiert in höchstens zwei bis drei Tagen“. Dann hat das Team sechs Monate völlig freie Hand. Am Ende kommen überzeugende Lösungen heraus, die als Basis einer ganz neuen Produktsparte dienen, die den Erfolg von Geberit befeuert. Die Erfolgsausweise der vergangenen zehn Jahre geben Baehny recht!

Investierst Du in der Zeit, dann hast Du in der Not

Albert Baehny zeigte eindrucksvoll auf, wie entscheidend es ist, in guten Zeiten zu investieren, um für weniger rosige Zeiten gewappnet zu sein. Während der Boomphase der Baubranche investierte Geberit konsequent in neue Produktlinien, moderne Produktionsverfahren und die Unternehmenskultur. Nicht reinvestierte Gewinne wurden an die Aktionäre (und damit auch an alle Mitarbeitenden) ausgeschüttet. Als 2009 das herausforderndste Jahr für den Bausektor kam, erlebte Geberit wohl einen Umsatzrückgang, konnte die Betriebsgewinn-Marge aber halten und ging anschliessend als einer der grossen Gewinner aus der Krise hervor.

Lesen Sie hier, wie Geberit den Asieneinkauf optimiert hat. Drei Bachelor-Studierende der Kalaidos FH haben dem Unternehmen neue Perspektiven aufgezeigt.

Thema: Unternehmensführung

Autor: Sara Kräuchi

Datum: 23. Oktober 2017

Schlagworte: Wertschöpfung

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