HR und Leadership

Weg zum unschlagbaren WIR

30. Oktober 2017

Fünfzig Top Manager sitzen in ihren grauen Anzügen gespannt im Konferenzzimmer. Vor wenigen Monaten musste der internationale Konzern seine Monopolstellung aufgeben und wird in einem nun freien Markt den Haien der Konkurrenz zum Frass vorgeworfen. Jetzt heisst es für die einzelnen Fürsten in ihren Königreichen: Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg und Synergien nutzen. Der Chairman versucht, die Herren mit ermutigenden Worten nach vorne zu treiben: „Nächstes Jahr wollen wir wiederum einen dreistelligen Millionengewinn ausweisen“, lautet seine „Vision“. Obwohl die Preise bereits zu 30 Prozent gefallen sind und der Leidensdruck hoch ist, sind nur wenige zu einer echten Veränderung bereit.

Hände mit Daumen nach oben

Team bildet ein unschlagbares WIR (Symbolbild)

Ganz anders verhält es sich bei Reto. Mit 35 gewinnt er eine Green Card, verkauft über Nacht sein Hab und Gut und steht nach wenigen Wochen mit drei Koffern am Flughafen von New York. Seither hat er erfolgreich unzählige Unternehmen gegründet und hat sich mit hunderten von Mitarbeitenden verstreut über den ganzen Globus ein Imperium aufgebaut. Viele von ihnen hat er bis heute persönlich nie getroffen und dennoch formen alle ein unschlagbares WIR.

Im digitalen Zeitalter ist Wissen ein Allgemeingut und nicht mehr eine Berechtigung für das Top Management, um eine „Command-and-Control“-Führung im Unternehmen zu verankern. Es zählt die geballte Kraft der kollektiven Problemlösung, sprich die echte Zusammenarbeit. Während Reto und sein Team diese echte Zusammenarbeit bereits wirksam praktizieren, gilt es für den Chairman, diese zu mobilisieren und damit sein Team auf den Weg des unschlagbaren WIR zu führen. Wie dies gelingen kann, erfahren Sie hier:

Reform der Organisation

Neue Organisationsformen wie Holakratie oder Soziokratie erleben momentan einen Hype. Doch sind sie keineswegs die Lösung für alle Schwierigkeiten. Viel wichtiger ist es, dass das Top Management Freiräume schafft, so dass Mitarbeitende selber bestimmen, gestalten und sich entfalten können. Im Extremfall bedeutet dies, dass sich Manager in die zweite Reihe zurückziehen. Ricardo Semler hat mit seiner Firma SEMCO bereits vor 25 Jahren auf bahnbrechende Weise bewiesen, welche grandiose Wirkung dies auf das Geschäftsergebnis haben kann.

Sinn und Zweck

Umfragen zeigen: Mitarbeitende wollen Teil eines grossen Ganzen sein und einen sinnvollen Beitrag leisten. Sie haben deshalb den Mut, die provokative Frage des „Warum“ zu stellen. Sinn und Zweck sind enorme intrinsische Motivatoren und wichtiger als finanzielle Anreize.

Start-up-Mentalität

Gerade Grossunternehmen lernen immer mehr von den Vorzügen der Start-ups. Das Beispiel von Reto zeigt auf eindrückliche Art und Weise, welche Macht dahinter steckt: Das virtuelle Team hat den Vorzug vor starren Hierarchien. Improvisieren, einfach machen und ausprobieren, sowie das Suchen der kreativen Wohlfühlzone gehört zu ihrem Lebensmotto. Sie orientieren sich am Spass an der Aufgabe und am fachlichen Inhalt und nicht an langen und starren Bindungen am Arbeitsplatz. Der erste Schritt zu machtvollen Schritten ist das Aufteilen der Organisation in kleinere schlagfertige Teams, die autonom handeln.

Guiding Coalition

Sollte sich ein Grossteil dennoch weigern zusammenzuarbeiten, so finden Sie letztlich immer einige Mitstreiter, welche den Nutzen echter Zusammenarbeit erkennen und deshalb bereit sind, äussere und innere Schranken fallen zu lassen. Bilden Sie mit diesen eine schlagkräftige Allianz oder eine Guiding Coallition - wie es J. Kotter von der Harvard Business School nennt - und generieren Sie so schnell wie möglich eindrückliche Resultate, um ihre Opponenten eines Besseren zu belehren.

Ein starkes ICH

Warum möchten Menschen nicht zusammenarbeiten? Meist stecken Ängste dahinter. Die Angst etwas zu verlieren, die Angst Fehler zu machen, die Angst zu teilen. In den meisten Fällen bewahrheiten sich Ängste nicht und die Menschen erkennen, dass das Ganze viel grösser als die Summe des Einzelnen ist. Begeben Sie sich also in Ihre Ängste und machen Sie den Schritt ins Neuland. Verschaffen Sie sich Klarheit über Ihr wahres Ich. Wofür stehen Sie? Was macht Sie einzigartig? Worauf sind Sie besonders stolz? Hinter einem unschlagbaren Wir steckt immer ein starkes ICH.

Thema: HR und Leadership

Autor: Andreas Dudas

Datum: 30. Oktober 2017

Schlagworte: Führung, Leadership, Teamentwicklung, Zusammenarbeit

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