Unternehmensführung

Kommunikation und Reputation bei Sauber

11. September 2017

Pflegen Sie sich Ansprachen zum schweizerischen Nationalfeiertag anzuhören? Dieses Jahr hätten Sie zum Beispiel in Küsnacht Monisha Kaltenborn erleben können. Kaltenborn war bis zum 21. Juni 2017 Teamchefin des Rennstalls Sauber. Ihre Rede können Sie hier einfach nachlesen.

Der aktuelle Sauber-Ferrari-Rennwagen

Der aktuelle Sauber-Rennwagen ist blau – warum die Chefin ging, weiss man aber nicht genau. (Screenshot von www.sauberf1team.com)

Es geht mir aber weder um den Inhalt von 1. August-Reden noch um das Wirken von Frau Kaltenborn, sondern um die Bedeutung der Kommunikation, wenn es zur Trennung zwischen Unternehmen und obersten Führungskräften kommt. Wir haben uns schon fast daran gewöhnt, dass dann von einer „Trennung im gegenseitigen Einvernehmen“ die Rede ist, was in etwa einem kommunikativen Nullsummenspiel entspricht.

In unserem Fall war schon das offensichtlich zu viel verlangt. In Kaltenborns 20. Dienstjahr bei Sauber trennten sich das Unternehmen und seine Chefin so, dass bis heute keine Klarheit darüber besteht, warum und warum gerade so. Auch die 1. August-Rede hilft hier nicht weiter. Dort heisst es lakonisch: „Seien Sie aber versichert, dass ich meiner Linie treu geblieben bin.“

Dazu geht mir Folgendes durch den Kopf:

1. Schweigen ist nicht immer Gold. Ein Unternehmen, das wichtige Entscheidungen gar nicht oder nicht klar kommuniziert, braucht sich nicht zu wundern, wenn seine Stakeholder das nicht goutieren.

2. Strategie und Kommunikation sind in gerader Linie mit der Reputation eines Unternehmens verbunden. Wird diese Linie gebrochen, erleidet das Unternehmen als Ganzes einen Imageschaden, und das völlig zu Recht. Schliesslich trägt die oberste Führung des Unternehmens die Hauptverantwortung für die gute Reputation. Gerade wenn die Reputation schon früher gelitten hat, sollte das anschliessend klar sein.

3. Haben Mitarbeitende Anspruch auf einen anständigen Abgang? Man würde es meinen. Und dazu gehört in einem Fall wie diesem sicher auch kommunikative Klarheit. Wenn die langjährige oberste operative Führungskraft eines Unternehmens von einem Tag auf den anderen kommentarlos abgelöst wird, dann schadet das auch deren eigenem Ansehen.

Im Februar diesen Jahres hatte ich mir ein Interview der „Neuen Zürcher Zeitung“ mit Frau Kaltenborn ausgeschnitten, um es als Beispiel strategischer Neuorientierung in unserem CAS Strategisches Management zu verwenden.

Der Titel lautete: „2017 heisst es für uns: voll angreifen“. Das passierte auch, aber offenbar anders als Kaltenborn es gemeint hat. Bei strategischen Neuorientierungen geht es, wie man sieht, nicht immer nur ums Geschäft. Manchmal wird es ausgesprochen persönlich. Nun verbleibt für die oberste Unternehmensführung eine doppelte Herausforderung, an der sie ihre Klasse beweisen kann.

Vielleicht interessiert es auch Sie, wie Unternehmen mit Vertrauensverlusten umgehen sollten.

###
Das CAS FH in Strategischem Management an der Kalaidos Fachhochschule orientiert sich an aktuellen und relevanten Inhalten aus der Praxis. Es ist für Führungskräfte eine spannende Herausforderung, sinnvoll in die eigene Weiterbildung zu investieren.

Thema: Unternehmensführung

Autor: Prof. Dr. Ugo Merkli

Datum: 11. September 2017

Schlagworte: Geschäftsleitung

Verwandte Artikel