HR und Leadership

Wie Hierarchie Innovation beeinflusst

04. September 2017

Eine Studie mit über 14’000 Fach- und Führungskräften zeigt: Agile Organisationen mit flachen Hierarchien sind am erfolgreichsten und innovativsten. Was die Förderung von Innovationsprozessen angeht, lässt die Führungskultur allerdings zu wünschen übrig. Die Verantwortlichen der Studie raten Führungskräften, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren, um im digitalen Zeitalter neue Formen der Führung erfolgreich zu gestalten.

Glühbirne mit Flügel

Innovationsleistung (Symbolbild)

Wie Struktur und Hierarchie mit dem Unternehmenserfolg zusammenhängen

Aus Sicht der befragten Fach- und Führungskräfte gibt es einen Zusammenhang zwischen der Organisationsform eines Unternehmens und dessen Erfolg. Dabei seien Unternehmen mit agilen Aufbauorganisationen und flachen Hierarchien am erfolgreichsten. In agilen Organisationen sind Mitarbeitende laut Definition der Studie nicht Abteilungen zugeordnet, sondern steuern sich eigenverantwortlich. Das heisst, sie entscheiden selbst, ob und an welchen Projekten sie mitarbeiten oder ob sie ein Projekt selbst initiieren wollen. Umgekehrt schreiben die Befragten den Unternehmen, die nach Funktionen wie etwa Vertrieb, Human Resources, Produktion, Forschung und Entwicklung aufgeteilt sind, den geringsten Zusammenhang zwischen Organisationsform und Unternehmenserfolg zu (siehe Abb. 1).

Zusammenhang Unternehmenserfolg und Hierarchie

 
Abb. 1: Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Organisationsform, Mittelwerte von Skala 1 bis 6 (Quelle: „Organigramm deutscher Unternehmen – Wie Führungskräfte die neue Arbeitswelt gestalten“, siehe unten).

Wie Hierarchie und Innovationsleistung zusammenhängen

Was den Zusammenhang zwischen Hierarchie und der Innovationsleistung von Unternehmen anbelangt, lautet die Meinung der Studienteilnehmenden: je flacher die Hierarchie, desto besser die Innovationsleistung eines Unternehmens (siehe Abb. 2).

Die Vermutung liegt nahe, dass grosse Organisationen eher steilere Hierarchien bevorzugen, um die vielen Leitungsebenen zu bewältigen, während kleinere Unternehmen wie etwa Start-Ups eher mit flacheren Hierarchien auskommen. Dass die flache Hierarchie von Start-Ups deren Innovationsleistung begünstigt, ist nachvollziehbar. Dass grosse Unternehmen ihrer eher steilen Hierarchie wegen weniger innovativ sind, wäre der Umkehrschluss.

Betrachtet man die Zusammenhänge zwischen Hierarchie, Unternehmenserfolg und Innovationsleistung, erscheinen die Aussagen zutreffend, aber etwas pauschal. Würde die Studie zusätzlich nach Branche oder Mitarbeiterfunktionen differenzieren, wären die Zusammenhänge vielleicht weniger ausgeprägt.

Zusammenhang Innovation und Hierarchie

Abb. 2: Zusammenhang zwischen Innovationsleistung und Hierarchie, Häufigkeit in Prozent (Quelle: „Organigramm deutscher Unternehmen – Wie Führungskräfte die neue Arbeitswelt gestalten“, siehe unten).

Handlungsbedarf beim Ideenmanagement

Mehr als die Hälfte der Befragten schätzen ihr eigenes Unternehmen zwar als innovativ (53 Prozent) ein. Doch hat ein knapper Drittel der Unternehmen (31 Prozent) für sein Ideenmanagement keine fest implementierten Prozesse und nur ein geringer Teil (15 Prozent) eine zentrale Anlaufstelle für Verbesserungsvorschläge. Zudem zeigt sich eine Diskrepanz zwischen Fach- und Führungskräften bezüglich der Selbst- und Fremdwahrnehmung des Führungskräfteverhaltens im Rahmen des Ideenmanagements und Vorschlagswesens: Während lediglich 9 Prozent der Führungskräfte finden, dass „das Einbringen von Ideen und Verbesserungsvorschlägen seitens der Mitarbeitenden von der Führung nicht begrüsst wird,“ stimmt fast ein Fünftel (20 Prozent) der Fachkräfte dieser Aussage zu.

Implikationen für die Praxis

Insbesondere grossen Unternehmen mit steilen Hierarchien wird gemäss Studie empfohlen, Verantwortung zu delegieren und Mitarbeitende an Entscheidungen des Managements partizipieren zu lassen. Es gelte, agile temporäre Projektorganisationen zu schaffen und damit hierarchische Positionen zu vernetzen sowie die Zusammenarbeit und Kommunikation effizient zu gestalten. Darüber hinaus brauche es gezielt geregelte Prozesse und Instrumente, die mithilfe digitaler Medien die Entwicklung, Sammlung und Auswahl von Ideen und Verbesserungsvorschlägen fördern.

Quelle und weiterführende Informationen

Organigramm deutscher Unternehmen – Wie Führungskräfte die neue Arbeitswelt gestalten, 2017. Personal- & Managementberatung Kienbaum und Online-Jobplattform StepStone.

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Thema: HR und Leadership

Autor: Irene Willi

Datum: 04. September 2017

Schlagworte: Management, Führung, Führungskraft, Unternehmenskultur

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