Wirtschaftspsychologie

Smartphone: Always on my mind

14. August 2017

In manchen Situationen will man nicht von seinem vibrierenden Smartphone oder eingehenden E-Mails gestört werden und schaltet dazu Gerät bzw. Mailbox stumm oder sogar aus. So kann man sich voll und ganz anderem widmen, oder? Was Smartphones anbelangt, halten Forscher der University of Texas at Austin dem aufgrund ihrer Studienergebnisse entgegen: Schon die blosse Präsenz eines Smartphones beeinträchtigt unsere Konzentrations- und Denkfähigkeit – und das sogar in ausgeschaltetem Zustand.

ArbeitsunterlagenDas Smartphone ist immer dabei (Bild).

Ausgangspunkt der Wissenschaftler war die Hypothese, dass Smartphones zu einem Abfliessen von Gehirnkapazität (sog. Braindrain) führen, da das Gehirn einen Teil seiner Kapazität für den Nutzer unbewusst auf den mobilen Begleiter richte. Gehirnkapazität, die dann nicht mehr für andere Aufgaben zur Verfügung steht.

Bessere Ergebnisse ohne Smartphone

In zwei Experimenten massen die Forscher das Denkvermögen der Teilnehmer mittels PC-Aufgaben, u.a. mit Tests zur Merkfähigkeit. In beiden Erhebungen teilten sie dabei den Präsenzgrad des Smartphones in drei Kategorien ein: Hohe Präsenz direkt auf dem Tisch platziert, mittlere Präsenz in der Tasche bzw. Jacke steckend und niedrige Präsenz ausserhalb des Raums deponiert. Alle Handys mussten auf stumm geschaltet und umgedreht werden, damit ihr Besitzer nicht von Tönen, Aufleuchten oder Vibrationen abgelenkt wurden.
Im ersten Experiment schnitten Teilnehmer unter der Bedingung niedrige Präsenz, also Smartphones ausser Sicht- und Reichweite, deutlich besser ab als die übrigen. Am schlechtesten fielen die Leistungen unter der Versuchsbedingung hohe Präsenz aus – jene mit den Smartphones auf dem Tisch. Etwas besser waren die Ergebnisse der Teilnehmer, die ihre stumm geschalteten Geräte in Reichweite in ihrer Tasche oder Jacke stecken hatten. Auf ihre Smartphones angesprochen, gaben die Teilnehmer an, nicht bewusst an diese gedacht zu haben. Sie hätten nicht damit gerechnet, dass die Telefone einen Einfluss auf ihre Testergebnisse haben könnten.

Beim zweiten Experiment replizierten die Wissenschaftler den Versuchsablauf mit Ergänzungen. Zum einen mussten zufällig ausgewählte Teilnehmer aller Präsenz-Kategorien vor Betreten des Versuchsraums ihre Handys komplett ausschalten. Ausserdem erhoben die Forscher im Vorfeld, wie hoch Versuchsteilnehmer die eigene Abhängigkeit vom Smartphone beurteilten. Ergebnis dieser Erhebung: Selbst mit einem vollständig ausgeschalteten Smartphone schnitten die Nutzer mit der hohen Präsenz am schlechtesten ab, am besten hingegen jene mit der niedrigen Präsenz. Nur bei den Versuchsteilnehmern, die ihre Abhängigkeit vom mobilen Begleiter als niedrig eingestuft hatten, fielen die Unterschiede weniger stark aus.

Omnipräsenz macht Smartphone zum Störenfried

Je präsenter das Smartphone, desto grösser die Ablenkung, schliessen die US-Forscher aus ihren Ergebnissen und sehen ihre Annahmen bestätigt. Selbst wenn das Smartphone nicht klingeln oder vibrieren kann, selbst wenn es keine Neuigkeit vermelden kann, wird das Gehirn abgelenkt.

In einer abschliessenden Diskussion zur Studie erklärten sich die Forscher den Braindrain so: Die meisten Erfindungen der Menschheit hätten im Leben der Konsumenten einen begrenzten Platz eingenommen. Smartphones dagegen seien ständige Begleiter, die sich zu einem integralen Teil unseres Alltags entwickelt hätten. Entsprechend schwer sei es, nicht - bewusst oder unbewusst- an die Geräte zu denken.

Sind wir demnach besessen von unseren Smartphones? Lassen Sie uns doch Ihre Meinung unten in einem Kommentar wissen!

Weiterführende Informationen und Quellen:

Ward, A. F., Duke, K., Gneezy, A., & Bos, M. W. (2017). Brain Drain: The Mere Presence of One’s Own Smartphone Reduces Available Cognitive Capacity. Journal of the Association for Consumer Research, 2(2), 140-154.

Thema: Wirtschaftspsychologie

Autor: Annette Rath

Datum: 14. August 2017

Schlagworte: Informationsverarbeitung

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