Unternehmensführung

Grenzen – ein alter Denkansatz? [Buchtipp]

21. August 2017

Sind Sie gut in Geografie? Könnten Sie die über 50 Länder des afrikanischen Kontinents auf einer Karte korrekt verorten? Das ist vielleicht nicht unbedingt, was Sie als Einstieg in einen Blogbeitrag zum Thema Unternehmensführung anzutreffen erwarten. Es dient mir hier als Hinweis dazu, wie wir üblicherweise Teile unserer Geografie-Kenntnisse erworben haben: durch das Auswendiglernen von Ländernamen und -informationen, um sie bei Bedarf mehr oder weniger erfolgreich wiedergeben zu können.

Es geht mir aber um etwas anderes. Ich möchte Sie auf das Buch „Connectography“ von Parag Khanna aufmerksam machen, das 2016 erschienen ist. Wenn Sie den Autor nicht kennen sollten, können Sie sich die „Sternstunde Philosophie“ mit Parag Khanna anschauen. Da erfahren Sie einiges über seine Art zu denken und seine Arbeitsgebiete.

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Khanna’s Verdienst besteht meines Erachtens hauptsächlich darin, unsere üblicherweise durch die Geografie determinierte Sichtweise auf Länder und ihre Grenzen zu transformieren: hin zur Ausrichtung auf die relevanten ökonomischen Supply Chains und die globalen ökologischen Herausforderungen, die keine Grenzen mehr zu kennen scheinen.

In seinem Werk zeigt Parag Khanna. dass wir beispielsweise die realen ökonomischen Auswirkungen grenzüberschreitender verknüpfter Infrastrukturen (Strassen, Geleise, Seewege, Internet) systematisch unterschätzen. Er votiert deshalb für ein neues Geografie-Verständnis. Nur dieses wird uns zudem befähigen, den ökologischen Herausforderungen zu trotzen, die sich ebenso wenig an Grenzen halten.

Intelligent vernetzte Systeme weichen Grenzen auf

Der Autor entwickelt also die Utopie einer grenzenlosen Welt. Er sieht sie aber nicht aus einem politischen Willensakt top-down entstehen. Sie erwächst vielmehr aus Systemen, deren Hauptmerkmal intelligente Vernetzung ist, um gemeinsam die ökonomischen und ökologischen Herausforderungen anzunehmen. Deshalb will er das bisherige Geographieverständnis durch den Begriff „Connectography“ neu prägen.

Die grössten Chancen versprechen die intelligente Öffnung und Vernetzung, von unten nach oben, davon ist der Autor überzeugt. Solange wir uns an Grenzen klammern, werden wir die grossen Herausforderungen unserer Zeit nicht bewältigen.

Mein persönliches Fazit: Mit etwas Fantasie interpretiert, sind die in den letzten Jahren entstandenen Plattform-Geschäftsmodelle erste Vorboten dafür, was geschieht, wenn die Vernetzungs-Philosophie die Grenzen von Unternehmen, Branchen und Ländern zu schleifen beginnt. Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook oder der plattformorientierte Teil von Apple sind eindrückliche Beispiele dafür. Es ist allerdings offen, ob die damit einhergehenden Herausforderungen zu bewältigen sein werden: Die von mir beschriebene Begrenzung von Machtpotenzialen wird die ultimative Herausforderung bleiben.

Buchtipp: Parag Khanna. Connectography - Mapping the Future of Global Civilization, Random House, New York 2016

Thema: Unternehmensführung

Autor: Prof. Dr. Ugo Merkli

Datum: 21. August 2017

Schlagworte: Unternehmensstrategie

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