HR und Leadership

Swisscom Market Place und die Arbeit 4.0

05. Juli 2017

Mit dem Anfang des Jahres lancierten Projekt "Swisscom Market Place" stellt sich Swisscom den Herausforderungen der sich verändernden Arbeitswelt. In einer Zukunftsvision der Swisscom ist der Marktplatz eine Massnahme, welche Mitarbeitenden ermöglicht, eine Vielzahl von unterschiedlichen Projekteinsätzen zu leisten und so ein individuelles Job Portfolio zu entwickeln. Das Projekt habe ich in meiner Funktion als Projektleiter des Kernteams begleitet und als Absolvent des CAS FH in Organisationsentwicklung und -beratung der Kalaidos Fachhochschule in meiner Abschlussarbeit vertieft.

Swisscom Market Place

Willkommensplakat zu einer Dialog-Veranstaltung zum Swisscom Market Place (Bild)

Veränderungen in der Arbeitswelt

Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft und damit auch die Arbeitswelt grundlegend. Das Tempo der Umwälzungen ist höher denn je - Volatilität, Unsicherheit und Komplexität steigen. Jobprofile verändern sich, neue Skills sind gefragt, eine Job-Garantie in einem Unternehmen gibt es eigentlich kaum mehr. So werden sich in Zukunft die HR-Modelle verändern. Insbesondere im Bereich Rekrutierung und Skills-Beschaffung sind flexiblere und fluidere Einsatzmöglichkeiten für die Mitarbeitenden gefragt. Die rasche und zeitgerechte Beschaffung von Key-Kompetenzen und technischen Skills sowie generell die grosse Nachfrage an Spezialisten/Spezialistinnen im Beschaffungsmarkt sind im Zeitalter der Digitalisierung einer neuen Dynamik ausgesetzt.

Erste Gehversuche mit Swisscom Market Place

Mit diesem Projekt will Swisscom unter anderem herausfinden, wie Ressourcen innerhalb der Firma flexibler alloziert werden können. Mitarbeitende sollen ihre Fähigkeiten unabhängig der organisatorischen Zugehörigkeit dort einbringen, wo sie einen Beitrag leisten können und wollen. Die richtigen Skills am richtigen Ort heisst die Devise. Mit der erhöhten Flexibilität in der täglichen Arbeit verspricht sich Swisscom auch eine verbesserte Employability der Mitarbeitenden.

Der Pilot wird zurzeit innerhalb der HR Community mit 200 Mitarbeitenden gestartet. Alle beteiligten Mitarbeitenden und Führungskräfte können sowohl Aufgabenstellungen und Projekte ausschreiben als auch sich für ausgeschriebene Themen bewerben. Der Pilot wird eng begleitet von unserem Projektteam. Wir haben uns bewusst für ein Vorgehen nach der „Bauen-Messen-Lernen"-Schleife entschieden.

Zentrale Erkenntnisse aus Beratersicht

Im Studiengang CAS FH in Organisationsentwicklung und -beratung haben wir einen für das Projekt sehr hilfreichen systemischen Ansatz kennengelernt. So lässt es sich beispielsweise nicht voraussagen, wie ein System auf Veränderungen reagiert. Konkret heisst das: Wir haben in unserem Veränderungsprojekt Hypothesen mit Risiken und Chancen aufgestellt, doch funktionierten die Kulturveränderungen nicht nach dem Input-Output-Prinzip. Der systemische Ansatz diente ebenso dazu, den bisherigen Verlauf des Projekts aus Beratersicht zu reflektieren. Drei zentrale Erkenntnisse habe ich daraus gewonnen:

  • Man muss den Mut haben, schnell zu starten und sichtbar zu werden, auch wenn noch nicht alle Fragen geklärt sind.
  • Experimentierfreudigkeit und Forscherneugier sind wichtig, um sich auf neuem Terrain zu bewegen und auch selbst die Unsicherheit aushalten zu können.
  • Für den Projekterfolg ist es entscheidend, starke Koalitionen mit Mitarbeitenden und Managern zu schaffen, welche den Marktplatz-Ansatz unterstützen.

Mitarbeiter beschäftigen sich mit Fragen der persönlichen Arbeitsmarktfähigkeit

Die Mitarbeitenden haben Lust und Energie für den Piloten, weil sie dadurch ihre Fähigkeiten viel breiter einbringen können und über Organisationsgrenzen hinweg neue Bereiche und Menschen kennenlernen. Obwohl es noch viele offene Fragen der Mitarbeitenden bezüglich der Umsetzung des Marktplatzes gibt, bringt sie dieser dazu, sich mit den eigenen Fähigkeiten und der Frage nach der persönlichen Arbeitsmarktfähigkeit aktiv auseinanderzusetzen.

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