Unternehmensführung

Lernende Maschinen und kreative Menschen

28. Juni 2017

Das „zweite Maschinenzeitalter“ wird von lernfähigen Maschinen gestaltet. In vielen Bereichen werden sich die Menschen neue Rollen suchen müssen. Erik Brynjolfsson ist Direktor der Initiative „Digitale Wirtschaft“ am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und schilderte in seiner Rede am Swiss Economic Forum 2017 die grossen Veränderungen, welche die digitale Revolution bringen könnte.

 Erik Brynjoflsson am SEF.2017

Erik Brynjolfsson spricht am SEF.2017 über die Konsequenzen der Digitalisierung (Bild: © SEF. 2017)

Laut Brynjolfsson wird unsere Welt massgeblich durch zwei Parameter gestaltet: Das sind Kraft und Steuerung. Die Kraft braucht es, um etwas zu bewegen. Die Steuerung ist für die Ordnung der Dinge verantwortlich. Bis zur ersten industriellen Revolution vor 150 Jahren konnte nur der Mensch beides übernehmen. Mit der Erfindung der Dampfkraft waren es dann erstmals Maschinen, welche Kraft lieferten. Die Auswirkungen auf den Wohlstand der Menschen waren gewaltig: Heute ist der Wohlstand laut Brynjolfsson rund 30 Mal so gross wie vor der industriellen Revolution.

Maschinen können auch Steuerungsaufgaben erledigen

Mittlerweile stehen wir aber am Beginn des zweiten Maschinenzeitalters. Dank den Möglichkeiten von Big Data und künstlicher Intelligenz übernehmen die Maschinen auch Steuerungsaufgaben. Auch hier entsteht grosser Reichtum. Allerdings ist noch unklar, wie sich dies auf die menschliche Arbeit auswirken wird.

Für Brynjolfsson lässt sich das zweite Maschinenzeitalter in zwei Phasen unterteilen. In der ersten bringen die Menschen den Maschinen mittels Programmierung das bei, was sie selber wissen. Das Mantra der ersten Phase lautet: kodifizieren, digitalisieren, replizieren.

Erste Beispiele für lernende Maschinen

Der Ansatz hat allerdings Grenzen, weil Menschen mehr wissen als sie mitteilen können. Beispielsweise kann man das Fahrradfahren nicht durch eine Vorgangsbeschreibung erlernen. Àhnlich ist es bei der Erkennung menschlicher Gesichter: Jeder erkennt das Gesicht seiner Mutter. Es ist aber sehr schwierig, dessen Merkmale so zu beschreiben, dass auch jemand anders das Gesicht erkennen würde.

Doch heute können Maschinen bzw. Computer schon Gesichter erkennen. Wir sind also, so Brynjolfsson, bereits in der zweiten Phase des neuen Maschinenzeitalters. Schliesslich zeigt uns Facebook bereits die Gesichter unserer Freunde auf Bildern. Die Maschinen haben begonnen, selber zu lernen. Ihr Ausgangspunkt sind dabei die Beispiele und Algorithmen, mit denen wir sie gefüttert haben.

Fazit: Bildungswesen sollte Kreativität höher gewichten

Mittlerweile ist bereits der Wendepunkt erreicht, weil Maschinen bei einigen Steuerungsaufgaben schon gleich gut oder besser sind als Menschen. Das ist beispielsweise in der Krebsdiagnostik der Fall.

Trotzdem gibt es Aktivitätsfelder, auf denen der Mensch den Maschinen noch absehbare Zeit lang überlegen sein wird. Brynjolfsson sagte, dass Menschen noch immer die besseren Erfinder seien. Auch in Sachen Kreativität oder sozialem Handeln könnten Maschinen nicht mithalten.

“Wir brauchen Kreativität, um für alle Menschen eine sinnvolle Tätigkeit zu finden“, sagte Brynjolfsson am Ende seiner Rede. Dafür gilt es jedoch das Bildungssystem neu zu gestalten. Kreativität kommt in den Schulen viel zu wenig vor. Heute werden noch immer Verhaltensweisen und Wissen vermittelt, bei dem wir den Maschinen bereits unterlegen sind.

###

Zu diesem Text:

Dieser Text ist ein Beitrag der Kalaidos Fachhochschule zum Swiss Economic Forum 2017, welches Anfang Juni in Interlaken stattfand. Die Kalaidos Fachhochschule liefert regelmässig Content mit aktuellem Fachwissen rund um die Hauptthemen und Referentinnen des Forums für die App des Swiss Economic Forums. Die Kalaidos Fachhochschule ist Netzwerkpartnerin des Swiss Economic Forums, der Organisation hinter der führenden Wirtschaftskonferenz der Schweiz.

Verwandte Artikel