Unternehmensführung

Wenn Rendite die Innovation frisst

14. Juni 2017

Nur eine disruptive Innovation schafft langfristig Wachstum und Arbeitsplätze. Weil Manager jedoch oft zu stark auf die interne Rendite fokussieren, wird zu wenig in solche Innovationen investiert. Diese Auffassung vertrat der weltbekannte Wirtschaftswissenschaftler und Innovationsforscher Clayton Christensen in seiner Rede am Swiss Economic Forum 2017.

Clayton Christensen am SEF 2017

Bild: Clayton Christensen spricht am SEF.2017 über wachstumsfördernde Innovationen © SEF.2017

Christensen differenzierte dabei zwischen drei Typen von Innovationen:

1.) Disruptive Innovationen sind Erfindungen, die ein Produkt für breite Käuferschichten erschwinglich machen. Darunter fallen beispielsweise die Erfindung des Personal Computers oder die Lancierung des Modell T von Henry Ford. Die grosse Nachfrage liess den Absatz dieser Produkte wachsen. Dazu mussten die Produktionskapazitäten erweitert werden, was Wachstum und neue Jobs schuf.

2.) Die sustaining Innovation ist dagegen lediglich eine Verbesserung bereits bestehender Produkte. Unternehmen steigern dadurch ihre Marge, erzielen langfristig aber kein Wachstum. Wer statt eines normalen Automodells eines mit Hybridantrieb kauft, verzichtet auf den Kauf eines konventionell getriebenen Fahrzeugs.

3.) Die Effizienz-Innovation macht es möglich, mit weniger Ressourcen mehr zu produzieren. Auch hier entsteht langfristig kein Wachstum. Es werden sogar weniger Arbeitskräfte benötigt. Die Konkurrenz wird ebenfalls mit einem Stellenabbau reagieren, um Schritt zu halten.

Christensen sagte, dass die Manager in einem Dilemma stecken, wenn sie sich für Investitionen in einen der Innovationstypen entscheiden sollen. Sie wissen, dass sie eigentlich in disruptive Innovationen investieren müssten. Hierbei wird es jedoch in den meisten Fällen fünf bis zehn Jahre dauern, bis sich die Investitionen auszahlen und neue Märkte eröffnet werden.

Da in der Unternehmenswelt eine starke Fokussierung auf die Kennzahl der „internen Rendite“ besteht, stecken die Manager ihr Investitionskapital lieber in effizienzsteigernde Innovationen. Das erhöhe die erzielte Kapitalrendite und entspreche den Wünschen der Finanzanalysten. Allerdings entstehe kein Wachstum.

Christensen kritisierte, dass es nicht gelinge, zielgerichtet in Wachstum zu investieren, obwohl es Kapital quasi im Überfluss gebe. Er sprach sich dafür aus, die Entscheidungsparameter beim Umgang mit Geld zu überdenken. Die Kennzahl der internen Rendite sei nicht sakrosankt. Allerdings müssten die Menschen selbst entscheiden, wie Erfolg richtig gemessen werden soll. Man könne erst dann wieder innovativer sein, wenn man den Erfolg anders messe, schloss Christensen seine Rede.

###

Zu diesem Text:

Dieser Text ist ein Beitrag der Kalaidos Fachhochschule zum Swiss Economic Forum 2017, welches Anfang Juni in Interlaken stattfand. Die Kalaidos Fachhochschule liefert regelmässig Content mit aktuellem Fachwissen rund um die Hauptthemen und Referentinnen des Forums für die App des Swiss Economic Forums. Die Kalaidos Fachhochschule ist Netzwerkpartnerin des Swiss Economic Forums, der Organisation hinter der führenden Wirtschaftskonferenz der Schweiz.

Verwandte Artikel