Unternehmensführung

Alpnach Norm punktet mit Lean Management

03. Mai 2017

Lean Management – mit diesem Konzept hat sich die Alpnach Norm Gruppe für die Zukunft fit gemacht. An einem Meet&Greet Anlass der Kalaidos Fachhochschule berichtete Brigitte Breisacher über die Implementierung und betriebliche Umsetzung von Lean Management bei der Alpnach Norm. Breisacher führt das Unternehmen in zweiter Generation bereits seit 15 Jahren. Sie ist zudem Jury-Mitglied für den „Entrepreneur of the Year“ bei Ernst & Young, Vorstandsmitglied der Zentralschweizer Industrie- und Handelskammer und Vorstandsmitglied beim Swiss Venture Club.

Brigitte Breisacher, CEO Alpnach Norm

Bild: Brigitte Breisacher, CEO von Alpnach Norm (zvg)

Ihr Unternehmen gehört zu den führenden Spezialisten im Bereich Stauraummöbel in der Schweiz und hat acht Filialen und Ausstellungen vom Genfersee bis in den Thurgau. Die Alpnach Norm-Gruppe umfasst im Jahr 2016 vier Produktionsbetriebe in der Schweiz und beschäftigt total über 200 Mitarbeitende. Das Produktionsvolumen liegt jährlich bei rund 45'000 Schrankfronten, welche ab Losgrösse 1 bis hin zu Aufträgen mit über 100 Fronten für grosse Überbauungen in der Manufaktur in Alpnach Dorf auf über 20'000m2 Fläche hergestellt werden. Das Video stellt den Betrieb vor:



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Mehr Volumen macht Effizienzprogramm nötig

Ausschlaggebend für die Einführung von Lean Management war laut Breisacher, dass durch den Schweizer Bauboom gewachsene Volumen der Geschäftstätigkeit. Trotz mehr Aufträgen und Mitarbeitenden liess nämlich die Qualität des Betriebsergebnisses nach: In dieser Situation startete Alpnach Norm im Mai 2015 das Programm „eNORM fit“. Ziel war die Reduzierung von Verschwendung, die Standardisierung von Abläufen, die Senkung von Durchlaufzeiten und eine Intensivierung wertschöpfender Tätigkeiten. Durch die Vermeidung von Verschwendung und die konsequente Umstellung auf Just-in-Time-Produktion und somit Abbau des Lagers sowie die Einführung von Lean Management wurde das Unternehmen für die aktuellen Marktansprüche fit gemacht.

Management muss Veränderungsprozesse vorleben

Laut Breisacher ist entscheidend, dass die Führungsriege und insbesondere sie selbst als CEO voll und ganz hinter diesem Konzept stehen. Es lässt sich nicht von oben herab anordnen, sondern muss (vor)gelebt werden. Ein Workshop machte der Unternehmensführung das Potenzial von Lean Management klar. Bei diesem galt es, eine Produktion von Kartonschachteln mit einem definierten Inhalt fertig zu stellen. Jemand musste die Schachteln falten, jemand anderes die Schachteln mit Inhalt füllen, der nächste die Schachtel zukleben und so weiter. Beim ersten Durchlauf war nach der vordefinierten Zeit keine einzige Schachtel mit Inhalt und Beschriftung fertig. Daraufhin veränderte man die Abläufe und organisierte die „Schachtelproduktion“ neu. Schliesslich gelang es, in der gleichen Zeit 30 korrekt produzierte Schachteln abzuliefern. „So etwas ist sehr einprägsam und zeigt den Nutzen für ein produzierendes Unternehmen auf“, stellte Breisacher fest.

Anschliessend übertrug man die Erkenntnisse auf das Unternehmen. Zunächst dokumentierte man, wie die Abläufe für die Alpnach Norm im Idealfall aussehen würden, wenn man auf keine Gegebenheiten Rücksicht nehmen müsste. Davon wählte man die Massnahmen aus, welche unter den gegebenen Umständen realistisch für die Umsetzung waren.

Leerläufe beseitigen, Wettbewerbsvorteile schaffen

Einige sinnvolle Veränderungen waren rasch klar. So gab es beispielsweise zwei Speditionen: Eine vor und eine hinter der Passerelle auf dem Werksgelände. Das bedeutete viele Doppelspurigkeiten. Eine der Speditionen wurde deshalb aufgelöst und alles an einem Ort konsolidiert. Ein weiterer Aspekt war es, Leerläufe von Mitarbeitenden zu reduzieren. Früher ging ein Mitarbeitender ein paar Mal am Tag zum Kollegen um zu fragen, ob er von ihn ein Werkstück nun übernehmen könne. Oft legte er diesen Weg umsonst zurück, weil das nicht so war. Jetzt sieht er aufgrund eines Ampelsystems im Computer an seinem Arbeitsplatz, ob sich der Gang zum Kollegen lohnt. Bei über 20'000 m2 Produktionsfläche ergibt sich hier ebenfalls ein Einsparungspotenzial. Letztlich wurde jeder einzelne Arbeitsplatz analysiert, indem eine nicht direkt beteiligte Person drei Stunden lang betrachtete, was dort ablief.

Die vorgenommenen Änderungen waren klaut Breisacher für die Mitarbeitenden nicht immer einfach. Aus ihrer Sicht war es besonders wichtig, den Mitarbeitenden zu vermitteln, dass sie sich durch das Engagement in den Lean Management-Projekten nicht selbst wegrationalisierten. Es ging bei diesen nie um einen Stellenabbau, sondern um eine Effizienzsteigerung: Ziel war es, mit geringeren Kosten und besseren Lieferkonditionen einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen.

Im heutigen Betrieb der Alpnach Norm gibt es einen regelmässigen festen „Verbesserungstag“. An diesem steht die gesamte Produktion still und es geht nur darum, wie man die Abläufe besser machen könnte. Das Vorgehen hat sich laut Breisacher bewährt. Die Lieferfrist ist von 3 auf 2 Wochen gesunken – das Wunschziel ist jetzt eine Woche.

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