Steuerrecht

Steuervorlage 17: Neue Ansätze

26. April 2017

In einem ersten Teil wurde beleuchtet, dass ein klares «Nein» zur Unternehmenssteuerreform III (USR III) auch seine positiven Seiten hat. Ein Blick nach vorn zur Steuervorlage 17 (SV17) gibt Anlass zu grundsätzlichen Überlegungen, d.h. zu neuen möglichen Ansätzen im Bereich der Unternehmenssteuern. Ein erster möglicher Ansatz für den Erhalt der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit "Mehr Freiraum für die Kantone" wurde bereits vorgestellt. In diesem Post lesen Sie mehr zu weiteren möglichen Ansätzen und wie man der momentanen Unsicherheit aus Sicht des Autors entgegenwirken sollte. 

Steuervorlage 17 auf Wandtafel geschrieben

Ansatz 2: Massvolle Reduktion der Gewinnsteuern

Einige Kantone, zum Beispiel AI, AR, LU, NW, OW, UR und ZG, verfügen bereits heute über attraktive Gewinnsteuersätze, die in der Bandbreite von 12,3 bis 15 Prozent liegen, berechnet vom Gewinn vor Steuern inklusive der direkten Bundessteuer. Andere Kantone haben in der Vergangenheit bewiesen, dass mit massvollen Gewinnsteuersenkungen über die Jahre ein guter Platz in der Steuerbelastungsrangliste gehalten oder sogar verbessert werden kann. Wissenschaftlich anerkannt und unbestritten ist, dass Gewinnsteuersenkungen Vorteile für alle Beteiligten bringen, d.h. vorteilhaft sein können für die Mitarbeiter, weil im Unternehmen mehr Spielraum für Lohnerhöhungen besteht, für die Aktionäre, da es ein grösseres Potenzial für höhere Dividendenausschüttungen gibt sowie für die Konsumenten, da vom Unternehmen auf sie eine tiefere Steuerlast überwälzt würde, was sich in Preisvorteilen widerspiegeln könnte. Derart massvolle Gewinnsteuersenkungen sind gute Investitionen in den Erhalt der Standortattraktivität. Vertretbare temporäre Steuermindereinnahmen sind deshalb hinzunehmen.

Ansatz 3: Absage an Partikularinteressen

Quer in der Landschaft steht die vom Nationalrat am 27. Februar 2017 angenommene Motion von Jacqueline Badran (SP), wonach der Bundesrat Unternehmen bei den Bundessteuern ermöglichen
soll, Rückstellungen von mindestens 80 Prozent des steuerbaren Gewinns für F & E zu machen. Nach dem Nein der Stimmenden vom 12. Februar 2017 macht es wenig Sinn, einzelne isolierte Elemente herauszupicken und den bereits bestehenden steuerlichen Wildwuchs bei den Abzügen noch weiter auszuweiten. Es genügt schon, wenn beim Pendlerabzug fast jeder Kanton einen eigenen abzugsfähigen Grenzbetrag gesetzlich festlegen will!

Steuervorlage 17 (SV17) zum Erhalt der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit: Start zu einer optimierten Vorlage

Gemäss Mitteilung des Eidgenössischen Finanzdepartements vom 2. März 2017 hat sich unter der Leitung von Bundesrat Ueli Maurer das Steuerungsorgan aus Kantonen und Verwaltung in
neuer Zusammensetzung konstituiert. Geplant sind Anhörungen mit den politischen Parteien und dieses Mal auch mit den Städten und Gemeinden, Verbänden usw. im Verlaufe der nächsten
Wochen. Im kommenden Juni sollen dann die Eckwerte der neuen Vorlage dem Bundesrat zum Entscheid unterbreitet werden. Es ist zu hoffen, dass sich die beteiligten Parteien in dieser kurzen
Zeit zu einer breit abgestützten und politisch tragfähigen Vorlage zusammenraufen können.

Erkenntnisse für die Steuerberatung

Aufgrund der gegenwärtig noch unsicheren Faktenlage haben aufwändige Modellrechnungen derzeit nur eine sehr beschränkte Aussagekraft. Zielgerichteter scheint, die Entwicklungen auf eidgenössischer und kantonaler Ebene weiterhin aufmerksam zu verfolgen. Mit anderen Worten weiterhin angesagt ist aktives Beobachten der aktuellen nationalen und internationalen Steuerdiskussion und vorausschauendes Planen, zum Beispiel eine Antwort auf die Frage bereit zu haben, wie strukturiere ich meine Unternehmensgruppe nach der Abschaffung des kantonalen Holdingprivilegs.

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Lesen Sie hier weitere Posts zum Thema "Unternehmenssteuerreform III gescheitert: Was nun?", "USR III: 5 Fragen an Fabian Baumer (ESTV)", "UStR III: Was machen die Kantone? (4/4)".

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