Wirtschaftspsychologie

Zeitstrahl der Wirtschaftspsychologie

07. November 2016

Erst seit ca. 130 Jahren werden psychologische Theorien und Phänomene zwischen wirtschaftlichen Akteuren systematisch und empirisch untersucht.

Wilhelm Wundt (1832-1920) gründete 1879 in Leipzig das erste experimentalpsychologische Institut und legte damit den Grundstein für die systematische Erforschung psychologischer Zusammenhänge. Sein Schüler Emil Kraeplin (1856-1926) beschäftigte sich mit wichtigen Einflussgrössen auf die Arbeit, wie zum Beispiel der Wirkung von Arbeitspausen, deren Dauer und Integration in den Arbeitsalltag.

Ausschnitt einer interaktiven Visualisierung der Geschichte der Wirtschaftspsychologie

Als eigentlichen Vater der Wirtschaftspsychologie erachten wir aber Hugo Münsterberg (1871-1938) – auch er ein Schüler des «Übervaters» Wundt. Bereits 1891 wurde Münsterberg in Freiburg zum ausserordentlichen Professor ernannt, folgte aber nur ein Jahr später dem Ruf an die Harvard University, wo er ein psychologisches Laboratorium aufbaute und die amerikanische Wirtschaftspsychologie entscheidend prägte. 1910 entwickelte er den ersten psychologischen Eignungstest für Strassenbahnfahrer. Münsterberg schrieb 1912 seine Erkenntnisse sowie viele weitere seiner Studien zu den Themen Arbeitsgestaltung, Folgen der Arbeitstätigkeit, Faktoren der Arbeitsmotivation und werbe- bzw. verkaufspsychologische Erhebungen in seinem Buch „Psychologie und Wirtschaftsleben“ nieder. Dies war eigentlich das erste Lehrbuch der Wirtschaftspsychologie.

Dann kam der zweite Weltkrieg, und damit lange nichts. Danach kam die zweite Phase der Entwicklung der Wirtschaftspsychologie. Sie befasste sich aufgrund der weltpolitischen Ereignisse nach dem zweiten Weltkrieg vorrangig mit makroökonomischen Prozessen. Wichtige Vorreiter dieser Zeit waren George Katona (1951) in den USA und P.L. Reynaud (1954) in Frankreich. Katona begründete in den USA die Konsumentenforschung, indem er versuchte, Konsumentenverhalten prognostizierbar zu machen (Lück, 2014).

Neben der anglo-amerikanischen „economic psychology“, die massgeblich von Katona geprägt wurde, entwickelte sich nach 1980 in Europa und hier insbesondere im deutschen Sprachraum eine Wirtschaftspsychologie, die sich vor allem auf Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie stützt, um wirtschaftliches Verhalten zu erklären

Weitere Beispiele für die abwechslungsreiche und bewegte Geschichte der Wirtschaftspsychologie finden Sie hier in einer interaktiven Visualisierung, zusammengestellt von Prof. Dr. Christian Fichter.

Erstaunlich, aber wahr: Erste Wurzeln wirtschaftspsychologischen Denkens sind bereits im Altertum zu finden! Einen kurzen Abriss zu diesen frühzeitlichen Entwicklungen finden Sie hier.

Weiterführende Literatur und Quellen:

Lück, H. (2011). Anfänge der Wirtschaftspsychologie bei Kurt Lewin. GESTALT THEORY, 33 (2), 91-114.

Lück, H. E. (2014) Katona, Georg. In Dorsch – Lexikon der Psychologie (17, 854). Bern: Hans Huber

Nerdinger, F., Blickle G., Schaper N., (2011). Arbeits- und Organisationspsychologie (2. Auflage). Berlin, Heidelberg: Springer Verlag.

Müller, R. (1995). Eine Geschichte der Wirtschaftspsychologie. Zugriff am 22.09.2016. Verfügbar unter http://www.muellerscience.com/PSYCHOLOGIE/Wirtschaftspsychologie/GeschichtederWirtschaftspsychologie.htm

Thema: Wirtschaftspsychologie

Autor: Yves Schuster

Datum: 07. November 2016

Schlagworte: Wirtschaftspsychologie

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