HR und Leadership

Globetrotter: Fit für die Zukunft

23. November 2016

Der Markt für Reiseveranstalter ist hart umkämpft. Dies lässt sich zu einem grossen Teil auf die Folgen der Digitalisierung und der immer informierter und mündiger werdenden Konsumenten zurückführen. Laut André Lüthi, Mitbesitzer, Verwaltungsratspräsident Globetrotter Travel Service AG und CEO Globetrotter Group, werden die klassischen Tour Operators, die Pauschalreisen anbieten, in den kommenden Jahren nach und nach vom Markt verschwinden. Lüthi blickt unabhängig, mit Kraft, Innovation und Zuversicht in die Zukunft, denn er setzt auf individualisierte Beratung und Vertrauen in seine Führungscrew.

Am Herbstgespräch vom 2. November 2016 bot die Kalaidos Fachhochschule allen Alumni und Studierenden die Gelegenheit, interessante Einblicke in die unternehmerischen Leistungen und Zielsetzungen der Globetrotter Travel Service AG zu gewinnen. Ebenso beeindruckend waren Lüthis Aussagen zu seinem Führungsstil und seiner Persönlichkeit. Das Podiumsgespräch führte Jakob Limacher, Rektor der Kalaidos FH.

Erfolgsgeheimnis: Positionierung im Markt sowie Vertrauen in die Führung und Mitarbeitenden

Seit der Gründung der Globetrotter Group im Jahre 2009 wollen die 11 Unternehmen gestärkt und proaktiv gemeinsam die zukünftigen Herausforderungen anpacken. Die Globetrotter Group umfasst 11 Reiseunternehmen und erwirtschaftete im Jahre 2015 240 Mio. Franken Umsatz. Sie bildet das Dach für alle angegliederten Firmen. Dies ergibt einen optimalen Nutzen von verschiedensten Synergien, beispielsweise in der IT, den Finanzen und dem Einkauf. Die unterschiedlichen Unternehmen sind alle eigenständig und operieren mit eigenen Geschäftsleitern, eigenen Leitbildern und Unternehmenskulturen. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem Globetrotter Travel Service mit 22 Filialen, Background Tours mit politischen Studienreisen, Sprachreisen globo-study, der Trekkinganbieter Globotrek sowie Music Cruise, ein Spezialist für Musikkreuzfahrten.
Der Einfluss der Digitalisierung und der Trend zur Individualisierung kommen Globetrotter entgegen. Eines von Lüthis Erfolgsrezepten zur Bewältigung des Wandels im Reisemarkt lautet: „Wir bieten den Kunden nur noch das, was das Internet nicht kann.“ Während booking.com und andere Internet-Reiseplattformen Pauschalreisen abdecken, positioniert sich Globetrotter im Nischenmarkt für hochpreisige Individualreisen im Baukastensystem – von einfach bis luxuriös. (Weiteres zum Umgang von Globetrotter mit der Digitalisierung erfahren Sie in unserem Blog-Beitrag „Globetrotter: Mehr Mensch statt Travel 4.0“)

Für die Führung der organisch gewachsenen Globetrotter Group gibt es keine ausgefeilten Businesspläne. Lüthi lässt hierzu den gesunden Menschenverstand walten, weil er jedem einzelnen Unternehmensleiter bzw. einzelner Unternehmensleiterin vertrauen kann. So ist Vertrauen in seine Führungscrew neben der richtigen Positionierung im Markt ein weiteres Erfolgsgeheimnis Lüthis. Als seine wichtigste Aufgabe bezeichnet Lüthi, die richtigen Leute für die Führung der 11 Unternehmen zu rekrutieren. Sinnigerweise ist er auch schon mal auf einer längeren Reise dabei fündig geworden. Vertrauen hat Lüthi dann, wenn er seine Kaderleute spürt und sich absolut sicher ist, dass diese wiederum in seinem Sinn und Geist, Mitarbeitende anstellen. Eine weitere Aufgabe Lüthis besteht darin, seiner Führungscrew Visionen zu vermitteln und sie fit zu halten für die Zukunft. An seine Mitarbeitenden stellt er Anforderungen: Diese müssen über Reiseerfahrungen in mindestens 3 Kontinenten verfügen. Dafür dürfen sie 12 Wochen im Jahr selbst auf Reisen verbringen – davon sind allerdings 7 Wochen unbezahlt. In der Beratung werden sie mit iPads ausgestattet und können damit ihren Kunden ihre ganz persönlichen Reisegeschichten präsentieren.

Herbstgespräch Globetrotter André Lüthi

Abb: André Lüthi (links), VRP Globetrotter Travel Service AG und CEO Globetrotter Group zu Gast bei Jakob Limacher, Rektor der Kalaidos Fachhochschule

Was man am Berg für die Führung lernt

„In Dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“. Dieser Satz gilt für Lüthi nicht nur im Umgang mit den Kunden sondern auch in der Führung. Der 56-jährige Vater von zwei Kindern und gelernter Bäcker/Konditor wollte ursprünglich Ringer werden. Da ihm dies nicht gelang, unternahm er mit 22 Jahren eine lange Reise nach China und Nepal. Zurück kehrte er mit einer Leidenschaft fürs Reisen und der Erleuchtung, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Bis er den Einstieg bei Globetrotter machte, führte ihn der Weg seiner Karriere anfangs zu Baumeler, wo er als Reiseleiter für die Loire Schlösser arbeitete.

Am meisten gelernt für die Führung hat Lüthi auf seinen Reisen in den Himalaya, wo das Besteigen von Achttausendern höchste Anforderungen sowohl an die Bergführer als auch an die „Geführten“ stellt. Einige wichtige Erkenntnisse für die Führung gibt Lüthi preis:

  • Wenn man weiss, wohin man will, das heisst vom gleichen Ziel spricht, dann hat man schon viel erreicht.
  • Das Ziel darf man auch mal aus den Augen verlieren, wenn Sicherheit die höchste Priorität hat.
  • Der Führer/die Führerin legt die Spur. Die Geführten sollen darauf vertrauen, dass der Führer/die Führerin die richtige Spur legt.
  • Der Führer/die Führerin soll mit lockerer Leine führen. Wenn einer ausbricht, kann man ihn schnell zurückholen. Mit einer zu straffen Leine riskiert man, dass alle in den Abgrund gezogen werden.
  • Im Himalaya wie in der Arbeitswelt weht ein kühler Wind. Wenn man sich gut vorbereitet und gut gewappnet ist, kommt es gut.
  • Man kann als Führungsperson nicht alles kontrollieren und es funktioniert nicht alles so, wie man möchte. Man muss auch loslassen und seine Ungeduld drosseln können.
  • Als Führer/Führerin ist man zuweilen allein und auf sich selbst zurückgeworfen. Dies gehört zum Führen dazu.
  • Wichtig ist, zu seiner Authentizität zu stehen und sich klar zu positionieren.
  • Führung fordert Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Menschen.
  • Ebenso wichtig ist, die Gesamtsicht aufs Leben zu behalten.

Aufgrund dieser Erkenntnisse ist Lüthi der Ansicht, dass Manager vermehrt reisen sollten - im Sinne einer Lebens- und Führungsschulung. Zum Unternehmens- bzw. Führungserfolg gehört natürlich auch eine Portion Glück dazu. Dass Lüthi auf dem richtigen Weg ist, zeigen die Zahlen, aber auch seine Auszeichnungen: Im Jahre 2010 erhielt er den „Travel Personality Award“ und in 2012 verlieh ihm Ernst und Young den renommierten Unternehmerpreis „Entrepreneur of the Year“.

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