Banking und Finance

Geld war gestern – wie FinTechs die Finanzbranche verändern – Teil 3/3

18. April 2016

FinTechs haben das Potenzial, die Finanzdienstleistungsbranche tief greifend zu verändern. Vor allem in vier Bereichen sind solche Startups sehr erfolgreich. Lesen Sie dazu meine zwei bereits publizierten Posts. Die neuen Technologien verändern Etabliertes disruptiv. Die Regulierung muss darauf neue Antworten finden.

Risikoscheue Banken docken bei FinTechs an

"Disruptive Technologie" ist wohl die meist verbreitete Phrase zur Beschreibung der Auswirkungen von FinTech auf traditionelle Finanzmodelle. In der Tat stellen viele Banken fest, dass ihre Grösse und ihre immer risikoscheuere Kultur es ihnen zunehmend erschwert, mit der vergleichsweise schnellen Entwicklung der Startups mitzuhalten. Aufgrund dessen haben sich diverse Banken mit FinTech-Unternehmen zusammengetan.

Zudem können sich neue Teilnehmer einfacher in der Bankenbranche etablieren in dem sie das "Bank in a Box"-Modell verwenden, wobei FinTech-Unternehmen diesen neuen Unternehmen eine Plattform zur Verfügung stellen mit der sie den oftmals komplexen und labyrinthähnlichen Prozess besser durchlaufen können. Überlegungen wie z. B. das Budget, Zeitpläne und die Einhaltung aufsichtsrechtlicher Vorschriften, die für neue Banken wichtig sind, werden von solchen "Bank in a Box"-Modellen unterstützt.

Regulierung hat ein waches Auge auf FinTech

Viele Startups bekunden zudem grosse Mühe sich im Dickicht der Regulierungen zu behaupten. Hier kristallisiert sich heraus, dass die komplexen Regulierungen eine Schumpeter‘sche kreative Zerstörung verhindern, wie dies in anderen Industrien zu beobachten ist. Exemplarisch dafür sind die seit mehreren Jahren nun bereits auf dem Markt etablierten Lending-Plattformen wie beispielsweise Peer-to-Peer Lending Clubs. In der Schweiz fokussieren diverse Lending Clubs auf die Vermittlung Schweizer KMUs mit privaten sowie professionellen Investoren. Bei diesen Lending Clubs können Kreditnehmer von attraktiven Konditionen profitieren sowie von fairen Vertragsbedingungen. Diese Plattformen mussten sich aber frühzeitig mit den aufsichtsrechtlichen Vorschriften auseinandersetzen: So müssen sie sicherstellen, dass sie die involvierten Personen in jeder Finanztransaktion gemäss geltenden Geldwäschereikriterien identifizieren.

Aufsichtsbehörde organisiert Roundtables

Für Start-ups bei den automatisierten Plattformen stehen vor allem Regulierung rund um die Modell- und System Risiken sowie die Anlage- und Vermögensberatung im Vordergrund z.B. Die Robo-Advisor Start-ups haben das Ziel der Erhöhung der Transparenz beim Anlageprozess indem sie hauptsächlich in Exchange Traded Funds (ETFs) investieren und das automatisierte und algorithmisch basierte Portfolioallokationen zu wesentlich kostengünstigeren Beratungsgebühren führen als traditionelle Beratungsmodelle dies können. Bedenken hinsichtlich des Robo-Advise wurden jedoch von den Aufsichtsbehörden bereits wahrgenommen und die Startups müssen sicherstellen, dass während dem automatisierten Beratungsprozess der Kunde die Informationen und Risiken nicht falsch verstehen könnte. Dazu müssen sie sich bei der FINMA oder beim VSV registrieren.

In dieser stark regulierten Branche ist es nicht weiter erstaunlich, dass Finanzinnovationen von Aufsichtsbehörden genauer unter die Lupe genommen werden. Die FINMA führt regelmässig entsprechende Roundtable-Veranstaltungen durch und hat FinTech zum Schwerpunktthema deklariert. Darüber hinaus arbeitet die Behörde kontinuierlich an der Optimierung des regulatorischen Rahmenwerks zu FinTech-Dienstleistungen.

Es ist hervorzuheben, dass FinTech noch in den Kinderschuhen steckt. Allerdings zeigen die vielen Startup’s mit Ihren Ideen, dass der Finanzbranche eine Revolution bevorsteht. Je mehr Innovationen den Durchbruch in der Branche schaffen, desto mehr werden die Definitionen und Konzepte neu erstellt. Dann sind wir in einer Phase der Schumpeter’schen kreativen Zerstörung angelangt.

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