Accounting und Controlling

CFO-Interview: Valora positioniert sich als reiner Retailer

18. Mai 2015

Tobias-KnechtleDie Valora Holding AG hat mit dem Kauf von Bretzelkönig und der deutschen Ditsch den Bereich Convenience stark ausgebaut. Die Ausdehnung der Food- und Dienstleistungsbereiche bleiben für den Konzern Übernahmen ein Thema.. Was die Eigenheiten der Branche sind und nach welchen Kennzahlen die Valora Holding AG geführt wird, erklärt CFO Tobias Knechtle.
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Was sind aus Sicht der Finanzierung die Eigenheiten in der Branche?

  • Für reine Retailer mit einem gemieteten POS-Netzwerk ist der Kapitalbedarf grundsätzlich nicht ausgeprägt (relativ lange Abschreibung von Ladeneinrichtungen, hoher Lagerumschlag, wenig Debitoren, etc.).
  • Produzierende Retailer (wie z. B. Valora) weisen aufgrund der Produktionsanlagen eine höhere Kapitalbindung.
  • Die hohe Stabilität und geringe Zyklizität machen das Geschäft vorhersehbarer und damit die Finanzierung einfacher und billiger.
  • Traditionell werden die Mietverpflichtungen kapitalisiert und zum FK gerechnet, was die Schuldenfähigkeit einschränken kann.

Welche Branchenkennzahlen sind für die Valora relevant und warum?

  • Ausprägungen beim Netzwerk (Grösse, Wachstum, Standortcluster, Betreibermodelle etc.)
  • Wachstum same-store/like-for-like (Frequenzen und durchschnittlicher Kundenbon)
  • Produktemix, -trends und -margen
  • EBIT/Contribution Margin auf PoS-, Division- und Gruppen-Ebene
  • Investitionen und deren Profitabilität (unterteilt in Unterhalts- und Wachstumsinvestitionen)
  • ROCE

Die Valora hat mit den Akquisitionen von Brezelkönig und Ditsch den Bereich Verpflegung stark ausgebaut. Ist der Prozess der Neuausrichtung abgeschlossen oder planen Sie weitere Übernahmen?

  • Mit dem geplanten Verkauf von Valora Trade wird sich Valora zum ersten Mal als reiner Retailer positionieren können.
  • Die Weiterentwicklung des Netzwerks und die Erhöhung der Profitabilität mittels Sortimentsanpassungen, insbesondere die organische Ausdehnung der Food- und Dienstleistungskategorien, bleiben nach wie vor unsere Kernthemen für die Zukunft.
  • Übernahmen von profitablen kleinflächigen Convenience-Formaten werden auch in Zukunft geprüft.

Mit welchen Massnahmen reagieren Sie auf die Auswirkungen des starken Frankens?

  • Auf Kundenebene: In erster Linie wollen wir durch Freundlichkeit, das Sortiment und unsere Dienstleistungen überzeugen, um die Kundenfrequenzen trotz starkem Franken hoch zu halten.
  • Auf „Finanzebene“: Valora erleidet v.a. einen Effekt durch die Umrechnungsverluste der EUR-Raum-Gewinne. Rund ein Drittel unserer Umsätze (ohne Trade) und über die Hälfte unseres EBITs erwirtschaften wir im EUR-Raum. Wir sind bereits teilweise in Euro finanziert. Operativ versuchen wir im Einkauf noch stärker auf das Ausland zu fokussieren, zudem überprüfen wir unsere Kostenstrukturen sowie die Prozesse.

Welche Kennzahlen sind für die Führung des Unternehmens zentral und wieso?

  • Die bei der 2. Frage genannten Kennziffern => operative Steuerung des Geschäfts
  • Die klassische Erfolgsrechnungsanalyse (Umsatz, Bruttogewinn, Betriebskosten, EBITDA, EBIT, Reingewinn) gegenüber Budget und Vorjahr
  • Zentral ist der Cashflow. Kennzahlen unter Einbezug der Bilanz: ROCE (inkl. WACC und Capital Employed), NWC resp. Days Oustanding, Net Debt resp. Leverage Ratio, Equity Cover

Was sind für Sie bei der Steuerung und Lenkung des Unternehmens absolute „Must-Tools“?

  • Eine generell performante IT inklusive modernen Kassasystemen.
  • State-of-the-art Reporting-Struktur (z. B. SAP etc.)
  • Hocheffiziente Controlling- und Reporting-Prozesse

Welche volkswirtschaftlichen Indizes berücksichtigen Sie bei den Investitionsentscheiden Ihres Unternehmens?

  • Wir investieren vielfach punktuell in unsere Netzwerke.
  • Aus dieser Sicht und für einzelne Standorte sind volkswirtschaftliche Indizes eher von untergeordneter Bedeutung.
  • Nichtsdestotrotz verfolgen wir natürlich die Entwicklung von Konsumindices, allgemeine Nutzung des öffentlichen Verkehrs oder Tourismusaussichten.

Nach welchem Konzept beurteilen Sie die Werthaltigkeit von Investitionen?

  • Grundsätzlich investieren wir zyklisch d. h. nach einer Laufzeit von rund 7 Jahren in einen Standort.
  • Investitionen werden aufgrund eines detaillierten Business Plans resp. einer Standortanalyse gesprochen. Je nach Art der Investition berechnen wir einen ROCE-Proxy (cash on cash), einen Net Present Value sowie IRRs oder Paybacks. Eine systematische Nachprüfung ermöglicht eine stetige Verbesserung der Investitionsentscheide.
  • Bestehende Standorte werden in der Regel nach einer Laufzeit von durchschnittlich sieben bis zehn Jahren erneuert

Auf Seite 93 des Geschäftsberichts für das Jahr 2014 steht:Erklärung zur Übereinstimmung mit IFRS, OR und Kotierungsreglement. Die Konzernrechnung ist in Übereinstimmung mit den International Financial Reporting Standards (IFRS) sowie unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen des schweizerischen Obligationenrechts (OR) erstellt worden und entspricht ausserdem den Bestimmungen des Kotierungsreglements der SIX Swiss Exchange.“

Warum hat sich die Valora für diese Art der Rechnungslegung entschieden? Wann wäre die Rechnungslegung nach dem Standard Swiss GAAP FER eine Option?

  • Valora wendet den IFRS-Standard seit 2000 an.
  • Aufgrund unserer internationalen Aufstellung (mit einem namhaften Anteil an Umsatz und Kosten im Ausland) und den eingeschliffenen Prozessen sehen wir zurzeit keinen Nutzen in der Umstellung auf Swiss GAAP FER.

Wie lauten Ihre wichtigsten Führungsgrundsätze?

Valora hat 7 Führungsgrundsätze erarbeitet welche als Leitplanke für das tägliche Verhalten im Konzern dienen. Dazu gehören…

  • Wir denken und handeln kundenorientiert.
  • Wir setzen Prioritäten und konzentrieren uns auf unsere Ziele.
  • Wir definieren unsere Ziele nach dem SMART-Prinzip.
  • Wir entscheiden und delegieren kompetent und konsequent.
  • Wir kommunizieren offen und respektvoll.
  • Wir gehen Konflikte umgehend und lösungsorientiert an.
  • Wir lernen aus Fehlern.

Wir danken Tobias Knechtle für das Interview!
 

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