HR und Leadership

Rezepte für erfolgreiche Führung – suchen Sie nicht zu weit!

13. März 2015

Leadership ist in aller Munde. Auf Amazon finden sich zum Begriff weit über hunderttausend Einträge. Viele Experten haben offenbar etwas dazu zu sagen, haben eine wichtige Meinung, oder wissen wie es geht. Gleichzeitig ist der Hunger nach Wissen in diesem Bereich offenbar ebenso gross wie ungestillt.
Viele Ansätze sind akademisch geprägt und erklären Führung über Methoden, Techniken und Instrumente, die man dann nur noch anwenden muss, um erfolgreich Menschen zu führen. Das kann funktionieren, greift aber oftmals zu kurz.
Dabei müssen wir gar nicht so weit suchen. Meines Erachtens gibt es zwei elementare Grundsätze, mit denen gute Führung schon fast von selbst geschieht, oder zumindest schon die halbe Miete ist:

1. Leben Sie das vor, was Sie von Ihrem Team erwarten

Albert Schweitzer soll einmal gesagt haben: „Führen durch Vorbild ist nicht die beste Art zu führen – es ist die einzige.“ Und Mahatma Gandhi sagte einst ebenso treffend: „Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst“. Das kommt nicht von ungefähr.
Eine Frage, die ich gerne mit den Teilnehmern meiner Führungsprogramme diskutiere, ist: Kann man denn als Vorgesetzter auch kein Vorbild sein? Häufig ist die erste spontane Antwort darauf „ja“. Gemeint ist damit aber meist eine Führungskraft, die ein schlechtes Vorbild ist. Und damit zeigt sich auch schon eine Parallele zu Paul Watzlawicks berühmtem Grundsatz in der Kommunikation: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Denn für die Mitarbeiterführung gilt gleichermassen: „Man kann nicht nicht Vorbild sein“.
Wer führt, fungiert immer als Vorbild. Als ein gutes, oder ein schlechtes. Ob Sie sich dessen in Ihrer Rolle bewusst sind oder nicht, ist irrelevant. Sie stehen unter ständiger Beobachtung und man orientiert sich an Ihnen – und übrigens viel stärker an dem, was Sie tun, als an dem, was Sie sagen. Sie tun also gut daran, sich Ihr eigenes Verhalten als Führungskraft zu vergegenwärtigen, sich dessen bewusst zu werden und es dahingehend zu hinterfragen, ob es das Verhalten widerspiegelt, das Sie von Ihren Mitarbeitern erwarten.
Es ist wie bei der Erziehung von Kindern: wenn Sie von Ihren Kindern erwarten, dass Sie Ordnung in ihren Zimmern halten und regelmässig aufräumen, Sie selbst aber Chaos und Unordnung vorleben und ihre Schlüssel immer erst eine halbe Stunde lang suchen müssen, bevor Sie aus dem Haus gehen, dann verhalten Sie sich damit zwar vorbildlich, nur leider nicht im besten Sinn. Oder wie es der berühmte Deutsche Komödiant Karl Valentin einmal gesagt hat: „Sie brauchen Kinder nicht zu erziehen, sie machen einem sowieso alles nach.“ Wobei wir beim zweiten Punkt sind:

2. Führen Sie zuerst sich selbst

Gute Führung beginnt mit guter Selbstführung. Oder können Sie sich eine wirklich gute Führungskraft vorstellen, die von ihren Mitarbeitern Pünktlichkeit verlangt und ständig zu spät in Meetings kommt, oder diese regelmässig überzieht?
Tatsächlich ist gute Selbstführung einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren für Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter aller Stufen. Einfach ausgedrückt ist damit die Fähigkeit gemeint, sein „Selbst“ so zu beeinflussen, dass man seine Ziele erreicht. Das beginnt mit Kleinigkeiten, wie z. B. der Fähigkeit zum Belohnungsaufschub, die in den späten 1960ern und frühen 70ern im bekannten Marshmallow-Test an der Stanford University untersucht wurde.
Dabei wurde ca. vierjährigen Kindern in Einzelsitzungen ein Marshmallow oder ein anderes begehrtes Objekt vorgelegt. Der Versuchsleiter teilte dem Kind dann mit, dass er für einige Zeit den Raum verlassen würde und erklärte ihm, dass es den Marshmallow gleich essen dürfe. Würde es aber mit dem Essen warten, bis der Versuchsleiter wieder zurückkehrte, würde es stattdessen zwei Marshmallows erhalten. In Nachbeobachtungsstudien wurde später nachgewiesen, dass diejenigen Kinder, die warten konnten, später in schulischer und sozialer Hinsicht kompetenter waren, besser mit Frustration und Stress umgehen konnten und durch diese Form von Selbstdisziplin auch eine tendenziell höhere Leistungsfähigkeit zeigten. In unserer heutigen, schnelllebigen Gesellschaft mit starker Tendenz zur Instant-Gratifikation kann es sich lohnen, darüber einmal nachzudenken.

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Andere Selbstführungsthemen sind der Grad des Selbst-Bewusstseins im Sinne eines achtsamen „Sich-seiner-selbst-bewusst-seins“, die Kenntnis der eigenen Stärken und Grenzen und nicht zuletzt ein gewisser Grad an Demut. Mit Demut ist hier eine vernünftige und möglichst objektive emotionale Haltung (Erich Fromm) gemeint, die z. B. zulassen kann, dass ein/e Mitarbeiter/in in gewissen Dingen mehr weiss oder kann als die Führungskraft, oder mit der ein Vorgesetzter auch mal eigene Fehler eingestehen kann.
Gerade dieser letztgenannte Aspekt scheint vielen – und vor allem männlichen – Führungskräften besonders schwer zu fallen, da er häufig als Zeigen von Schwäche gesehen wird, was es um jeden Preis zu vermeiden gilt. Diese Befürchtung steht jedoch in deutlichem Gegensatz zur tatsächlichen Wirkung, die ein solches Führungsverhalten in der Regel auf die Mitarbeiter hat. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass die Führungskraft dadurch als menschlich wahrgenommen wird und dass Akzeptanz, Glaubwürdigkeit und Respekt von Seiten des Teams gerade deshalb sogar eher noch ansteigen, als abnehmen.
Diese Gewissheit muss aber jede Führungskraft selbst durch praktische Erfahrung erlangen. Dafür ist ein Schritt hinaus aus der eigenen Komfortzone nötig, zu dem es eine weitere, wichtige Selbstführungsqualität braucht: Mut.
Der regelmässige Austausch mit einem erfahrenen Coach kann hierfür ein wichtiger Rückhalt sein. Denn auch sich einen solchen Sparringspartner zu nehmen, ist heute bei weitem kein Zeichen von Schwäche mehr, sondern ein Zeichen von Professionalität und Reflexionsfähigkeit.
Dieser Post ist ebenfalls erschienen auf Gelmi-consulting.com.

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