Banking und Finance

Das FidLeg als Chance für eine neue Kultur in Banken Teil 2/2

06. März 2015

Das FidLeg kann für die Bankbranche das Sprungbrett zu einem Neuanfang sein: Eine neue Kultur verlangt aber neue Einstellungen und Werte: ein Prozess, der von allen Akteuren auf dem Finanzplatz gelebt werden muss. Im ersten Teil dieses Posts habe ich ausgeführt, warum eine integrale Lösung wichtig ist (siehe Das FidLeg als Chance für eine neue Kultur in Banken Teil 1/2). Hier möchte ich näher darauf eingehen, was ich darunter verstehe:

Angestellte sollten in einer Arbeitsumgebung arbeiten können, die ihnen ermöglicht, gegenüber Kundinnen und Kunden einen qualitativ guten Service zu bieten. Den variablen Lohnbestandteilen sollte ein Riegel geschoben werden. Gegenüber den Kunden sollte offengelegt werden, wenn der Verkauf von Produkten diese Lohnbestandteile beeinflusst. Leistungen der Mitarbeitenden sollten nicht nur an Produktverkäufen gemessen werden, sondern Kriterien wie Kundenbindung, Kollegialität, Mitdenken usw. honorieren.

Unternehmen sind dafür verantwortlich, ihre Mitarbeitenden auf neue Umstände vorzubereiten. Für den SBPV ist deshalb klar, dass alle Anforderungen, die Bankangestellten neu auferlegt werden, von der Bank mitgetragen werden müssen. Weiterbildungen und die Vorbereitung auf die Zertifizierung für das Berufsregister sollten bezahlt werden und während der Arbeitszeit stattfinden. Zudem sollten Erfahrungen von langjährigen Kundenbetreuern honoriert werden, indem es keinen Zwang zur Zertifizierung für diese Mitarbeitenden gibt.

Keine Kriminalisierung des Berufs

Grundsätzlich ist der SBPV sehr zurückhaltend bei Vorstössen, die die Haftung der Angestellten ausweitet. Aufgrund des Weisungsrechts des Arbeitgebers und eines sehr schwachen Kündigungsschutzes sind Angestellte generell nicht in der Position, Bestimmungen und Entscheide ihrer Vorgesetzten in Frage zu stellen, ohne ihre Stelle und Karriere zu gefährden. Da in der Schweiz die Mitbestimmung kaum gelebt wird, muss die Verantwortung von Mitgliedern der Geschäftsleitung/des Verwaltungsrats allein getragen werden.

Der SBPV lehnt eine Umkehrung der Beweislast zu Gunsten des Kunden entschieden ab. Dies käme einem grundsätzlichen Paradigmenwechsel unseres Rechtsverständnisses gleich (Unschuldsvermutung). Nicht alle Bankkundinnen und -kunden sind unschuldige Opfer und brauchen einen zusätzlichen Schutz wie beispielsweise Versicherungskunden. Die Konsequenzen einer Umkehrung der Beweislast könnten für Bankangestellte gravierend sein, sollte die Bank sie in Regress nehmen wollen. Der Angestellte trägt bereits das Risiko, durch seine Entlassung empfindlich bestraft zu werden. Als Tatsubjekt sollten nur Finanzdienstleister, nie aber Kundenberater in Frage kommen.

Eine allfällige Fahrlässigkeit der Angestellten darf nicht strafrechtlich geahndet werden. Was natürliche Personen betrifft, genügt die geläufige Verantwortlichkeit. Zudem sollten aus allen Straf- bzw. Sanktionsbestimmungen der vorliegenden Gesetzgebung jegliche Freiheits- und Geldstrafen gestrichen werden, da diese wesensbedingt nur gegen natürliche Personen ausgesprochen werden können.

Langfristige Interessen im Fokus

Das FidLeg soll sich meiner Ansicht nach nicht nur auf den Schutz der Kunden beschränken. Kunden sind nachweislich auch Teil des Finanzsystems und haben Fehlverhalten an den Finanzmärkten mit unvernünftigen Renditeerwartungen ebenfalls gefördert. Das FidLeg soll eine Bankenkultur fördern, die ihr Hauptaugenmerk nicht auf kurzfristige Profite, sondern auf langfristige Kunden- und Gesellschaftsinteressen legt. Damit werden die nachhaltigen Interessen der Bankangestellten und des Finanzplatzes Schweiz am besten gewahrt.

Der Beitrag ist ebenfalls auf sbpv.ch erschienen.

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