Banking und Finance

Das FidLeg als Chance für eine neue Kultur in Banken Teil 1/2

02. März 2015

Der schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) erachtet die Vorlage zum neuen Finanzdienstleistungsgesetz (FidLeg) als unumgänglich in Anbetracht des globalisierten Finanzmarktes und der Anforderungen, die Regierungen und internationalen Organisationen für Banken festlegen. Der SBPV befürchtet, dass die Regulierungen die Verantwortung auf die Bankangestellten überwälzen und die Bankangestellten in Zukunft für auf Weisung durchgeführte Handlungen geradestehen müssen.

Besonders jetzt, wo der Kostendruck sehr gross ist, besteht die Gefahr, dass auch der Druck auf die Angestellten steigt. Darunter könnten die Leistungen für Kunden leiden. Die Rahmenbedingungen für die Arbeitsbedingungen sollten deshalb ebenfalls Thema in einem Gesetz sein, welches die Kunden schützen will. Angestellte sollten sowohl die Zeit wie auch die Instrumente erhalten, um ihre Arbeit gesetzeskonform leisten zu können.

Der SBPV warnt davor, Massnahmen zum Finanzplatz zu ergreifen, die nicht ganzheitlich sind, also nur einen Teil der Akteure berücksichtigen. Der Kunde darf nicht zu Lasten anderer Interessen - wie etwa derjenigen der Angestellten - geschützt werden. Das passt nicht zu einem freien Marktsystem, das von der Freiheit und Eigenverantwortung der Beteiligten ausgeht.

Das Gesetz soll dort intervenieren, wo der Markt zu wenig transparent oder ausgewogen ist. Dies ist etwa dann der Fall, wenn gewisse Akteure auf Grund ihrer Position benachteiligt sind oder bei mangelnder Ausgewogenheit in punkto Informationen und auch in Situationen von wirtschaftlichen Ungleichheiten. Von solchen Situationen können gewisse Kundinnen und Kunden von Finanzinstituten, jedoch auch Bankangestellte betroffen sein.

Neue Kultur in den Banken

Gemäss SBPV sollte das FidLeg eine Bankenkultur fördern, die zu Nachhaltigkeit im Interesse aller Stakeholder – Kunde, Mitarbeitende, Aktionäre und Staat – führt. Nicht zuletzt auch, um die Zukunft und das Vertrauen gegenüber dem Schweizer Finanzplatz zu garantieren, der sich durch vernünftige Erwartungen in punkto Rendite, Produktivität sowie Besoldung auszeichnet. Alle Regeln und Kontrollen können eine verantwortungs- und sozialbewusste Unternehmungskultur nicht ersetzen. Es ist deshalb wichtig, an den Ursachen des Fehlverhaltens von Dienstleistern zu arbeiten anstatt viel Energie in Kontrollmechanismen zu investieren, die nachweislich immer umgangen werden können.

Eine neue Kultur verlangt neue Einstellungen und Werte: ein Prozess, der von allen Akteuren auf dem Finanzplatz gelebt werden muss. Auch das FidLeg kann seinen Teil dazu beitragen, indem es Regeln festsetzt, die ein Umdenken beschleunigen.

Im zweiten Teil meines Blogposts werde ich genauere Ausführungen dazu machen, wie ich mir diese Umorientierung vorstelle.

Der Beitrag ist ebenfalls auf sbpv.ch erschienen.

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