Banking und Finance

Asset Management 2020: Regulierung als strategische Kerndisziplin für Finanzunternehmen und Finanzplätze Teil 4b/6

07. Januar 2015

Staatliche Regulierung spielt sich immer mehr in den Vordergrund. Das habe ich im ersten Teil dieses Blogposts gezeigt. Jetzt geht es darum, wie entscheidend Regulierung für den Unternehmenserfolg in der Finanzbranche sein kann.

In klassischen Märkten mit technologiebasierten Produkten ist das frühzeitige Erkennen und Umsetzen von disruptiven Innovationen oder zumindest überlegenen technischen Lösungen entscheidend. Daraus erwächst das sogenannte Dominant Design, welches sodann schnell zum de-facto-Standard werden kann und in Verbindung mit effizienten Produktionsfaktoren die Grundlage für die Ausbildung signifikanter Marktstellungen bildet und dadurch über den Erfolg von Unternehmen entscheidet (siehe Grafik 2). [1]

Wer nicht die im Zeitverlauf ändernden Hauptkriterien der ebenso ändernden Zielkundengruppe bedienen kann, wird der Marktentwicklung, welche konsolidiert betrachtet regelmässig einer S-Kurve folgt, nicht gerecht werden und davon profitieren können. Die grösste Herausforderung stellt dabei die Kristallisierung der inhaltlichen Schlüsselfaktoren im Dominant Design dar. Wer diese ignoriert, läuft Gefahr, die Kurve gänzlich zu verlassen, oder nicht rechtzeitig das Augenmerk von Produktinnovation auf Produktionseffizienz und andere nachgelagerte, aber zunehmend wichtiger werdende Faktoren wie Branding und Marketing zu legen und dadurch in Rückstand zu geraten.

Abbildung 2: Entweder wird der Standard durch ein innovatives Unternehmen definiert…

Und im Finanzsektor? Auch hier wirken sehr ähnliche Dynamiken, da das Dominant Design bei fast gleicher Wirkung in Gestalt von Regulierung als oktroyierte Standards auftritt (siehe Abb. 3). [2]

Abbildung 3: … oder er wird staatlich gemacht. Quellen: PwC

Ein eindrückliches Beispiel hierfür bietet der Retailfondsbereich. Hier wurde durch die sogenannten UCITS-Richtlinien für den harmonisierten EU-Markt ein einheitlicher, verbindlicher Standard geschaffen. Obgleich die Anforderungen der verschiedenen UCITS-Richtlinien im Schweizer Recht materiell nachvollzogen wurden, konnte die Schweiz daran – wenigstens formell – nicht direkt teilnehmen. Im Ergebnis führte dies dazu, dass die Schweiz im europäischen Quervergleich als Standort für Retailfonds marginalisiert wurde. Selbst der Schweizer Heimmarkt für diese Produkte ging verloren wird heute zu mehr als 80 Prozent von Produkten aus der EU beherrscht.

Regulierung ist unverrückbar Teil des „New Normal“ geworden. Statt dies als lästigen Kostenfaktor unter dem Titel Compliance und Verwaltungsaufwand zu verbuchen, sind Finanzunternehmen und Finanzplätze gut beraten, Regulierung als strategische Kerndisziplin zu begreifen. Als wichtiger Teil einer Vorwärtsstrategie besteht so die Möglichkeit, Verfahren und Bussen mit frustrierten Aufwendungen oder eine schleichende Erosion des über Generationen aufgebauten Finanzplatzes durch Abwanderung zu vermeiden und in einem zwangläufig – aufgrund gestiegener Anforderungen – nach oben konsolidierenden Umfeld nachhaltig zu profitieren.

Literatur:

  • Utterback, Mastering the Dynamics of Innovation, 1994
  • Moore, Chrossing the Chasm, 1991.
  • Dobrauz-Saldapenna, G., Uptake Revisited. An Investigation into the Success & Failure Factors for Innovative Products in International Markets, 2010.
  • Dobrauz-Saldapenna, G./Wirth,, Regulation Revisited. Switzerland’s revised regulatory framework for financial intermediaries takes shape, in: Global Banking & Financial Policy Review, 2014, S. 260f.
  • Dobrauz-Saldapenna, G./Hess, M., Schweizer Finanzmarktrecht im Wandel. Systematische Darstellung einer Konzeptrevolution zur Harmonisierung der Schweizer Aufsichtsrechtssystematik mit EU-Standards am Beispiel von FIDLEG und FINIG, in: Der Compliance Berater, 11/2014, S. 434ff.

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Die weltweit verwalteten Vermögen werden bis 2020 auf über 100 Bio. US-Dollar ansteigen. Die Vermögensverwaltung wird deshalb wichtiger. In mehreren Beiträgen für diese Blogsite beleuchten Experten von PwC Schweiz jeweils einen besonderen Aspekt, den diese Entwicklung mit sich bringen wird.

Bereits erschienen:

[1] Vgl. hierzu Utterback, J., Mastering the Dynamics of Innovation, 1994, S. 91, Moore, G., Chrossing the Chasm, 1991, S. 12 und Dobrauz-Saldapenna, G,. Uptake Revisited. An Investigation into the Success & Failure Factors for Innovative Products in International Markets, 2010, S. 12.

[2] Vgl. hierzu Dobrauz-Saldapenna, G./Wirth, D., Regulation Revisited. Switzerland’s revised regulatory framework for financial intermediaries takes shape, in: Global Banking & Financial Policy Review, 2014, S. 260f.

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