HR und Leadership

Wer warum, wie und wann redet – oder eben nicht. Unterschiede in der Kommunikation zwischen Männern und Frauen

03. Dezember 2014

Männer und Frauen könnten sich im Beruf besser verstehen, wenn sie beide wüssten, wie Frauen und Männer denken und funktionieren!

Denn Verständigungsprobleme zwischen Männern und Frauen belasten den Berufsalltag. Davon ist auch schon John Gray, der Autor des Bestsellers "(...) Männer sind vom Mars. Frauen von der Venus", vor Jahren überzeugt gewesen. Bücher und Dokumentationen über den kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern boomen seit Jahren. Dennoch gibt es noch kaum handlungsorientierte Seminare für Frauen und Männer im Berufsalltag bzw. solche werden von den Entscheidungsträgern nicht als wichtig angesehen.

Männer und Frauen könnten jedoch viel erfolgreicher zusammenarbeiten, wenn sie ihre grundsätzliche Verschiedenheit verstünden und akzeptierten.

Warum Frauen auch im beruflichen Alltag viel reden und Männer immer alles besser wissen

Frauen kommunizieren im Durchschnitt dreimal so viel wie Männer, wobei Tongeräusche wie "Ja" und "Mmmh" sowie die unterstützenden Gesten mitgezählt sind. Frauen kommunizieren, um ein gutes Klima zu erreichen, um Verständnis zu erzielen, um Atmosphäre zu schaffen. Männer kommunizieren, um ihre Unabhängigkeit und Überlegenheit zu demonstrieren.

Woher kommt der Drang der Frauen, viel mehr zu kommunizieren als Männer? Evolutionsgeschichtlich gesehen war es für Frauen mit Kindern wichtig, Beziehungen herzustellen, Kontakte zu knüpfen und ein gutes Klima zu schaffen. So haben sie das Heim gepflegt, während die Männer auf Jagd- und Beutesuche waren. Die Männer hingegen mussten sich auf eine Sache konzentrieren, schnell reagieren und zupacken. Dies ist nach den Erfolgsautoren des Buches "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken", Allan & Barbara Pease, der Grund für die karge und lösungsorientierte Kommunikation der Männer. Für Männer bedeutet es eine Niederlage, Unwissenheit und Probleme zuzugeben oder um Hilfe zu bitten.

Warum weibliche Führungskräfte bei Problemen mit allen reden und eher problemorientiert handeln und männliche eher still werden und lösungsorientiert sind

Eine weibliche Führungskraft, die ein Problem hat, wird kommunikativ aktiv auf ihr Team zugehen und das Problem besprechen wollen. Sie öffnet sich, signalisiert damit ihr Vertrauen und den Wunsch verstanden zu werden. Eine Frau bittet quasi um Hilfe und löst das Problem gemeinsam im Sinne von "Betroffene zu Beteiligten machen". Die Kollegin kennt diese Sprache und antwortet in gleicher Weise. Sie werden sich lange austauschen.

Männer, die so etwas beobachten, können nicht verstehen, weshalb die Frauen so lange ein Thema erörtern können, ohne tatsächlich viele Lösungen ausgetauscht zu haben, denn Männer bereinigen ihre Probleme lieber selbst und suchen nach Ergebnissen. Männer fühlen sich zwar geschmeichelt, wenn eine Frau sie um Hilfe bittet, aber sie selbst erleben es als eine Niederlage, um Hilfe bitten zu müssen.

Das heisst:

  • Eine männliche Führungskraft wird eher ein Problem mit sich selbst ausmachen und ein Team vor vollendete Tatsachen stellen.
  • Eine männliche Führungskraft wird eine weibliche Führungskraft der gleichen Ebene, die um Hilfe bittet, als "schwach" erleben. Hingegen wird der männliche Mitarbeiter der weiblichen Führungskraft, die um seine Mithilfe bittet, sehr gerne helfen, sie insgeheim aber ebenfalls als "schwach" erleben.

Warum Frauen in höheren Führungspositionen den Eindruck haben, besser sein zu müssen als die Männer

Männer suchen die Meinungsverschiedenheit und bezeugen sich damit den gegenseitigen Respekt. Frauen fühlen sich dadurch aberkannt. Für Männer bedeuten  Meinungsverschiedenheiten eine Herausforderung als Ausdruck von Respekt. Für Frauen hingegen bedeuten sie ein Nichtanerkennen ihrer Kompetenz. Wenn Sie nun an Frauen in Führungspositionen denken, werden Sie öfter gehört haben: "Wir Frauen müssen viel härter beweisen, dass wir gut sind, als die Männer". Dies ist ein weit verbreiteter Irrglaube von Frauen, die in die Männerwelt und deren Spielchen eintreten und die männlichen Kommunikationsgepflogenheiten missverstehen.

Warum Frauen in Führungspositionen oft härter werden als Männer

Eine Frau tendiert dazu, sich in schwierigen Situationen zu öffnen und auf Probleme hinzuweisen, d.h., sie steht zu ihren Schwierigkeiten und redet darüber. Von anderen Personen erwartet sie ebensolche Offenheit. Männer in Führungspositionen antworten dann jedoch gerne mit Ratschlägen. Damit nehmen sie eine besserwissende Position ein und bleiben nicht auf gleicher partnerschaftlicher Ebene. Sie missbrauchen – aus Frauensicht – somit das Vertrauen der Frauen. Viele Frauen lernen schnell aus solchen Erfahrungen. Sie beginnen die Männer in ihrem Kommunikationsverhalten zu kopieren, wodurch die Männer die Frauen in ihrem normalen Verhalten nicht mehr erkennen. Dann entstehen Aussagen wie: "Die ist ja härter als die Männer".

Wann Männer nicht mehr reden

Je grösser der Arbeitsdruck ist, je schwieriger die anstehenden Aufgaben, umso mehr ziehen sich Männer zurück. Der gestresste Manager wird zum einsamen Wolf, der sich "in seiner Höhle" verkriecht und nicht mehr redet.

Bei den Frauen ist es genau umgekehrt: Je höher die Anforderungen und der Druck, umso intensiver suchen Frauen nach Kommunikationspartnern, mit denen sie sich beraten, den Druck teilen können. Sie suchen das Team, um die Schwierigkeiten zu bewältigen, während die Männer immer einsilbiger werden.

Wenn eine Frau sich mit Ihnen unterhält, mag sie Sie. Wenn sie kein Wort mit Ihnen wechselt, haben Sie ein Problem. Da für Frauen das Reden Offenheit, Vertrauen und eine gute Beziehung bedeutet, fühlen sie sich missachtet, wenn die Männer abschalten. Das hat fatale Folgen im beruflichen Alltag. Eine männliche Führungskraft, die abschaltet und still wird, wird von weiblichen Kollegen oder Mitarbeitern leicht missverstanden. Die Frau denkt, dass der Mann sie nicht mag, ihre Arbeit nicht wertschätzt und anerkennt. Dadurch wird sie wiederum das Problem mit anderen besprechen und sich tatsächlich weniger um ihre Arbeit, also um ihre eigentliche Aufgabe kümmern, wodurch sie im schlimmsten Fall am Ende in ihrer Hypothese der Nichtanerkennung auch bestätigt werden wird.

Fazit: Männer und Frauen sollten lernen ihre kommunikativen Unterschiede zu verstehen

Es gibt eine Vielzahl von missverständlichen Situationen, die sich tagtäglich im beruflichen Alltag ergeben. Das Fatale daran ist, dass die Schwierigkeiten von Männern und Frauen meist keine inhaltlichen sind, sondern vielmehr auf der Andersartigkeit ihrer Kommunikation beruhen.

Missverständnisse und Fehlinterpretationen zwischen Männern und Frauen rauben Energie und trüben die Freude an der Arbeit. Stress und Leistungsdruck wiegen noch schwerer, wenn man sich nicht verstanden und respektiert fühlt. Konfliktreiche Arbeitsbeziehungen kosten Kraft, sind unproduktiv und verhindern oft den gewünschten Erfolg. Doch Männer und Frauen können erfolgreich zusammenarbeiten – wenn sie ihre grundsätzliche Verschiedenheit verstehen und akzeptieren.

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