Banking und Finance

Unternehmenswerte müssen mit dem Wandel Schritt halten

05. Dezember 2014

„Zudem wurde angemerkt, dass eine Kultur bepreist werden können müsse, hierzu seien die Kunden aber noch nicht bereit. […] Transparenz und Fairness, sowie Beratungsqualität können nicht gleichzeitig zum günstigsten Preis angeboten werden, da ein derartiges Leistungsversprechen nicht kostengünstig aufrechtzuerhalten ist.“

Diese Aussage in der PwC Studie „Kulturwandel im Bankensektor?“ veranlasste Frau Prof. Dr. Stefanie Auge-Dickhut in ihrem Blogpost dazu, hinter dieser Aussage ein „fragwürdiges“ Wertesystem zu vermuten. Das ebenfalls in obiger Studie zu Tage tretende Ergebnis, dass Finanzziele den Unternehmenswerten übergeordnet werden, lässt den weiteren Schluss zu, dass das Shareholder Value Konzept nach wie vor den dominanten Management Ansatz in der Bankenbranche darstellt. In diesem Blog Post möchte ich zeigen, wie das „fragwürdige“ Wertesystem mit dem Shareholder Value Konzept zusammenhängt, welche Ursachen dafür zu identifizieren sind und welche Auswirkungen dies auf den Kulturwandel einer Bank haben kann.

Homo homini lupus – das Wertesystem des Shareholder Value-Konzeptes

Aus einer Unternehmenskultur, in welcher Transparenz und Fairness als kostenintensiv angesehen werden, kann ein ihr immanentes Menschenbild abgeleitet werden, welches den Menschen als grundsätzlich intransparent und unfair betrachtet. Der englische Philosoph Thomas Hobbes hat dieses Menschenbild treffend mit „der Mensch als des Menschen Wolf“ (dies die deutsche Übersetzung des obigen Latein) beschrieben.

Das Shareholder Value Konzept geht davon aus, dass die Motivation des Managements im Interesse der Shareholder zu handeln darin liegt, Erfolg und Misserfolg so direkt wie möglich zu spüren zu bekommen. Gleichzeitig zeugt das Verhalten der Anleger und Investoren davon, dass Aktionäre vermehrt kurzfristig und extrem erfolgsorientiert denken und handeln. Dies führt dazu, dass auch Managemententscheide auf diese Weise gefällt werden. Alles in allem lässt sich aus dem Shareholder Value-Konzept ein Menschenbild ableiten, welches dem des Thomas Hobbes sehr ähnlich ist (siehe meinen früheren Blogposts). Dies legt den Schluss nahe, dass das zitierte „fragwürdige“ Wertesystem nicht nur mit dem Shareholder Value Konzept zusammenhängt sondern diesem Konzept sogar zugrunde liegt.

Fairness und Transparenz - Werte oder Wertungen?

Als die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die Toleranz als den höchsten Wert Europas bezeichnete, sah sich der Philosoph Robert Spaemann genötigt einen gewichtigen Einwand vorzubringen: „Darin steckt aber ein Denkfehler. Toleranz gilt den Überzeugungen anderer Menschen, die wir für irrig halten, aber achten, weil es Menschen sind, die sich mit ihnen identifizieren. Und solche Toleranz gründet selbst in einer höchst voraussetzungsvollen eigenen Überzeugung von der Würde jedes Menschen. […] Heute wird aber landauf, landab gesagt, so etwas wie unbedingte Wahrheitsüberzeugungen seien ihrer Natur nach intolerant, weil sie gegenteilige Überzeugungen für falsch halten. Und damit kippt der ganze Wertekanon um. Toleranz respektiert Überzeugungen. Der neue Begriff von Toleranz aber verbietet es, Überzeugungen zu haben, weil diese per definitionem intolerant sind.“

Was hier über Toleranz gesagt wird, kann ebenso über Fairness und Transparenz gesagt werden. Es sind dies recht eigentlich gar keine Werte, sondern es sind Begriffe, die auf Werten basieren. Wo aber die Wertungen zu Werten werden, verlieren sie als Werte ihre Basis und stehen nicht mehr auf solidem Fundament, ja hängen recht eigentlich im Wind. Und wie das Fähnlein im Winde, werden sie sich mit dem Wind drehen. Auf einem solchen Werteverständnis lässt sich keine stabile Kultur aufbauen und schon gar kein Kulturwandel durchführen. Diese Kultur wandelt sich ja unentwegt, gerade so, wie es die (Finanz-) Märkte vorschreiben.

Unternehmenswerte – Verwurzelt und doch wandlungsfähig

Ich wage zu bezweifeln, dass jemand einem Menschen sein Vertrauen schenken würde, von dem er wüsste, dass er seine Grundüberzeugungen ständig ändert und sich nach der Meinung des jeweils am lautesten sich äussernden Meinungsbilders richtet. Was nun ein jeder nicht selbst tun würde, kann auch nicht von den Bankkunden verlangt werden. Soll eine Unternehmenskultur Vertrauen schaffen, so meine Überzeugung, dann müssen die Unternehmenswerte auch wirklich Werte und verwurzelt sein.

Das Bild der Eiche drängt sich damit auf. Nun leben wir aber in einer Zeit des immer rascheren Wandels und gerade der Bankensektor ist in einem geradezu radikalen Wandel begriffen. Eine gewisse Flexibilität ist also gefragt. Die Verwurzelung jedoch sollte meiner Meinung nach nicht aufgegeben werden. Man müsste sich allerding mehr am Bild der Weide orientieren, die sich im Wind zu biegen vermag.

Praktisch umgesetzt kann dies heissen, dass die Interpretation und Umsetzung der Werte sowie die Kommunikation derselben dem so genannten Zeitgeist angepasst werden muss, um dem Kunden das richtige Bild vom eigenen Unternehmen zu vermitteln. Hierzu wird eine dynamische Marketingstrategie und kontinuierliche Fortentwicklung in diesem Bereich notwendig sein.

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