Accounting und Controlling

IFRS-Update: Anpassungen an IAS 12 und IFRS 10 Konzernrechnung sowie IAS 28

28. November 2014

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat diverse Anpassungen an den International Financial Reporting Standards (IFRS) verabschiedet und weitere Entwürfe für Vernehmlassungen lanciert. Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.
Das IASB schlägt mit dem Vernehmlassungsentwurf ED/2014/3 Anpassungen an IAS 12 Gewinnsteuern vor. Im Fokus stehen verschiedene Fragestellungen im Zusammenhang mit der Erfassung von latenten Steueraktiven. Werden beispielsweise Fremdkapitalinstrumente erworben (z.B. Anleihen) und zum Fair Value bewertet, entstehen bei sinkenden Kursen unrealisierte Verluste. Entstehen dabei zeitlich limitierte Differenzen zwischen Buchwert und Steuerwert, schlägt das IASB nun vor, dass die daraus abgeleiteten aktiven Steuerlatenzen zwingend zu bilanzieren sind, wenn die übrigen Erfassungskriterien erfüllt sind. Dies ungeachtet dessen, wie die Unternehmung den Vermögenswert zu realisieren plant: durch Verkauf oder Halten bis zur Endfälligkeit.
Das Datum des Inkrafttretens ist noch nicht festgelegt. Diese im IFRB 15/2014 zusammengefassten Anpassungsvorschläge würden rückwirkend anwendbar werden, wobei allerdings die Eröffnungsbilanz des Vorjahres nicht angepasst werden müsste. Kommentare können bis am 18. Dezember 2014 an das IASB gerichtet werden.
Das IFRS Bulletin 16/2014 fasst Anpassungen an IFRS 10 Konzernrechnung und IAS 28 Anteile an assoziierten Unternehmen zusammen. Konkret geht es um Transaktionen, bei denen eine Muttergesellschaft die Kontrolle über eine Tochtergesellschaft abgibt, indem sie deren Anteile teilweise oder vollständig an eine assoziierte Gesellschaft oder ein Gemeinschaftsunternehmen verkauft, welche(s) wiederum zum anteiligen Eigenkapitalanteil bilanziert ist UND die ehemalige Tochtergesellschaft selbst kein Business im Sinne von IFRS 3 Unternehmenszusammenschlüsse darstellt. Bei solchen Transaktionen darf der aus dem Verkauf resultierende Gewinn (oder Verlust) nur im Umfang der Anteile des unabhängigen Co-Investors in der erwerbenden Gesellschaft über die Erfolgsrechnung realisiert werden, der Rest ist durch Anpassung des Buchwertes (bzw. der Erwerbskosten) der betreffenden Beteiligung zu erfassen.
Komplizierter wird die Regelung, wenn Anteile der vormaligen Tochtergesellschaft bei der Muttergesellschaft verbleiben. Die Aufschlüsselung des Erfolgs aus der Veräusserung auf direkte und indirekte Drittanteile (welche über die Erfolgsrechnung erfasst werden) und auf direkte und indirekte nach wie vor durch die Gesellschaft gehaltene Anteile (welche den Equity-Wert anpassen) kann nicht ganz einfache Berechnungen nach sich ziehen. Das Bulletin enthält ein konkretes Berechnungsbeispiel zur Illustration.
Die Anpassungen treten für Berichtsperioden beginnend am 1. Januar 2016 oder später in Kraft. Eine vorzeitige Anwendung ist erlaubt.
Das IFRS Bulletin 17/2014 stellt den Vernehmlassungsentwurf ED/2014/4 vor. Dieser befasst sich mit der Bewertung kotierter Beteiligungen an Tochtergesellschaften, Gemeinschaftsunternehmen und assoziierten Unternehmen zum Fair Value. Die vorgeschlagenen Anpassungen sollen u.a. klarstellen, dass zwar für die Bilanzierung das Gesamtinvestment massgebend ist, für die Ermittlung des Fair Values kotierter Beteiligungen jedoch das Produkt des kotierten Preises des einzelnen Titels und der vom Investor gehaltenen Anzahl Titel massgebend sein soll. Es ist also nicht vorgesehen, dass z.B. mögliche Paketzuschläge in die Bewertung miteinfliessen sollen und dadurch beobachtbare Marktpreise adjustiert werden.
Kommentare können bis am 16. Januar 2015 an das IASB gerichtet werden.
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Co-Autor

René Krügel ist Partner bei BDO in Luzern und verantwortlich für Prüf- und Beratungsmandate von KMUs mit vornehmlich internationaler Ausrichtung. Als Leiter des Kompetenzzentrums für internationale Rechnungslegung ist er innerhalb der BDO AG Schweiz insbesondere für Konsultationen und Schulungen im Bereich International Financial Reporting Standards (IFRS) zuständig. Er verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Bereich Prüfung und Rechnungslegung.
Für Ihre Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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