Banking und Finance

Kein Kulturwandel im deutschen Bankensektor

10. Oktober 2014

Der oft beschworene Kulturwandel im deutschen Bankensektor ist nicht so tief greifend wie gern behauptet wird. Das lässt sich aus der Studie „Kulturwandel im Bankensektor“ der Unternehmensberatung PwC herauslesen. Dazu wurden 29 Führungskräfte von Finanzinstituten im Rahmen einer geschlossen Umfrage interviewt.

Einige Ergebnisse sind besonders interessant: So müsse Kultur beispielsweise bepreist werden, die Kunden seien dazu aber nicht bereit. So lange Kunden nicht bereit seien, für Fairness, Transparenz und Beratungsqualität zu zahlen, könne ein solches Leistungsversprechen nicht gegeben werden. Aus meiner Sicht ist das verblüffend: Das Beratungsqualität mit Kosten verbunden ist, mag ja nachvollziehbar sein. Das aber faires und transparentes Verhalten von Banken separat entlohnt werden soll, weist auf ein doch recht fragwürdiges Wertesystem hin!

Ein weiteres spannendes Ergebnis der Umfrage ist, dass im Zweifel das Finanzergebnis die jeweiligen anderen Unternehmenswerte dominiert. Anders ausgedrückt: Der Shareholder-Value steht noch immer vor den Interessen der übrigen Stakeholder wie Kunden und Mitarbeiter. Die Meinung, dass durch das Streben nach Werten ein gutes Finanzergebnis erzielbar sei, teilen nur knapp 20 Prozent der Befragen. Eine integrale Betrachtung – Ableitung der Strategie aus dem Leitbild der Bank (incl. Vision und Werten) – führen zu den Unternehmenszielen und letztlich zum Finanzergebnis, scheint sich noch nicht durchgesetzt zu haben bzw. Kundebedürfnisse sind nachrangig bei den Werten der Banken.

Verwandte Artikel