Accounting und Controlling

Mitarbeiterbeteiligungspläne – Falsche Planung kann teuer werden

24. September 2014

Bei vielen Arbeitgebern geniesst die Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmen grosse Beliebtheit. Insbesondere Startups gewähren ihren Mitarbeitern häufig Beteiligungsrechte. Damit soll einerseits die Liquidität des Unternehmens geschont werden und andererseits denMitarbeitern die Möglichkeit geboten werden, insbesondere an einem späteren erfolgreichen Unternehmensverkauf partizipieren zu können. Häufig unterschätzen Unternehmer jedoch die Komplexität von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen und es bestehen Unklarheiten über die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Konsequenzen. Werden Mitarbeiterbeteiligungen zudem im Lohnausweis nicht korrekt ausgewiesen oder erfüllt der Arbeitgeber seine Deklarationspflichten nicht, können hohe Steuernachzahlungen und Strafsteuern drohen.

Problemstellung

Seit 2013 sind die Steuerfolgen von Mitarbeiterbeteiligungen und die damit verbundenen Deklarationspflichten des Arbeitgebers gesetzlich geregelt. Dennoch bestehen diverse Unklarheiten und offene Punkte. Werden die steuerlichen Implikationen eines Mitarbeiterbeteiligungsprogrammes nicht sorgfältig geprüft, können erhebliche Steuerbelastungen bis hin zu Bussen und Steuerstrafen resultieren. Wie sich eine mangelhafte oder fehlende Steuerplanung auswirken kann, wird anhand des nachfolgenden Beispiels verdeutlicht:

Ein Startup-Unternehmer beschliesst, seine beiden wichtigsten Mitarbeiter mit je 15% am Unternehmen zu beteiligen. Die Beteiligungsrechte werden ohne Entschädigung an die beiden Mitarbeiter abgegeben. Zwei Monate später beteiligt sich ein Investor am Unternehmen und bewertet dieses mit CHF 2 Mio. In einem solchen Fall besteht ein erhebliches Risiko, dass die Steuerbehörden die Beteiligung des Investors zum Anlass nehmen, um die Aktienpakete der beiden Mitarbeiter mit je CHF 300'000 zu bewerten (15% vom Unternehmenswert von CHF 2 Mio.). Dies führt dazu, dass bei den Mitarbeitern ein der Einkommenssteuer und den Sozialversicherungsabgaben unterliegendes Einkommen von CHF 300'000 angenommen wird. Bei sorgfältiger Planung können diese Steuerfolgen vermieden werden.

Modelle der Mitarbeiterbeteiligung

Ein Mitarbeiterbeteiligungsplan kann auf verschiedene Arten ausgestaltet werden. Hat ein Mitarbeiter die Möglichkeit, sich am Eigenkapital des Arbeitgebers zu beteiligen, liegt eine so genannte echte Mitarbeiterbeteiligung vor. Besteht dagegen diese Möglichkeit nicht und erhält er ausschliesslich eine Vergütung in bar, die sich am Unternehmenswert orientiert, liegt eine unechte Mitarbeiterbeteiligung vor. Die steuerlichen Aspekte der einzelnen Modelle unterscheiden sich zum Teil signifikant.

Besteuerung von Mitarbeiteraktien

Unabhängig davon, ob die Mitarbeiteraktien frei verfügbar oder gesperrt sind, werden sie immer im Zeitpunkt der Zuteilung bzw. Abgabe an den Mitarbeiter besteuert. Die Differenz zwischen dem Verkehrswert der Aktien und dem vom Mitarbeiter bezahlten Preis stellt dabei Erwerbseinkommen dar und unterliegt der Einkommenssteuer und den Sozialversicherungsabgaben.

Gesperrte Mitarbeiteraktien sind mit einer Verfügungssperre belastet, während welcher der Mitarbeiter die Aktien nicht veräussern, verpfänden oder anderweitig belasten darf. Die Verfügungssperre wird bei der Ermittlung des steuerbaren Einkommens berücksichtigt, in dem auf dem Verkehrswert der Aktien pro Sperrfristjahr ein Diskont von 6% (bis maximal 10 Jahre) gewährt wird. Dadurch lässt sich der Verkehrswert um bis zu ca. 44% reduzieren, ohne dass Steuerfolgen ausgelöst werden. Diese Möglichkeit wird häufig genutzt und bietet einen interessanten Planungsspielraum, um Mitarbeiteraktien vergünstigt an Arbeitnehmer abzugeben.

Bei nicht börsenkotierten Unternehmen werden mit den Steuerbehörden regelmässig Diskussionen über den massgebenden Verkehrswert geführt. Hat sich eine Drittpartei am Unternehmen beteiligt, bildet der bezahlte Preis die Grundlage für den massgebenden Unternehmenswert. Ausnahmen sind in besonderen Fällen möglich. Liegt kein Drittpreis vor, so ist der Unternehmenswert mittels einer geeigneten Methode (Formelwert) zu berechnen.

Bei einem späteren Verkauf realisiert der Mitarbeiter grundsätzlich einen steuerfreien privaten Kapitalgewinn. Einschränkungen bestehen jedoch dann, wenn beim Erwerb der Mitarbeiteraktien ein Formelwert herangezogen wurde. Prinzipiell ist in diesem Fall der Kapitalgewinn nur insoweit steuerfrei, als er auf eine Bewertung nach dem auf der gleichen Methode basierenden Formelwert zurückzuführen ist, d.h. resultiert ein Teil des Kapitalgewinnes daraus, dass die Methode zur Bewertung des Unternehmens angepasst wurde, liegt in diesem Umfang steuerbares Erwerbseinkommen vor. Bei der Festlegung des massgebenden Verkehrswertes mit den zuständigen Steuerbehörden ist daher besondere Sorgfalt geboten.

Besteuerung von Mitarbeiteroptionen

Nur frei verfügbare und zugleich börsenkotierte Mitarbeiteroptionen werden im Zuteilungs- bzw. Erwerbszeitpunkt besteuert. Als steuerbarer geldwerter Vorteil gilt dabei der Differenzbetrag zwischen dem Verkehrswert der Optionen und deren Ausgabepreis. Bei allen anderen Optionen (gesperrte oder nicht börsenkotierte Mitarbeiteroptionen) erfolgt die Besteuerung immer im Zeitpunkt der Ausübung. Das bei der Ausübung der Option resultierende steuerbare Einkommen bemisst sich aus der Differenz zwischen dem Verkehrswert der Aktie bei Ausübung und ihrem Ausübungspreis (Strike-Preis). Der ge­samte geldwerte Vorteil unterliegt ohne Berücksichtigung jeglicher Einschläge der Einkommenssteuer und den Sozialversicherungsabgaben.

Besteuerung von unechten Mitarbeiterbeteiligungen

Bei unechten Mitarbeiterbeteiligungen wie beispielsweise Phantom Stocks oder Stock Appreciation Rights (SAR) erhält der Mitarbeiter lediglich eine Barabfindung (analog einem Bonus), die im Zuflusszeitpunkt besteuert wird. Ein steuerfreier privater Kapitalgewinn ist folglich nicht möglich.

Deklarationspflichten des Arbeitgebers

Bei der Abgabe von Mitarbeiterbeteiligungen bzw. der Realisation von geldwerten Vorteilen daraus sowie beim Zu- oder Wegzug eines Mitarbeiters in die bzw. aus der Schweiz hat der Arbeitgeber eine Bescheinigungspflicht gegenüber den Steuerbehörden. Die Verordnung über die Bescheinigungspflichten bei Mitarbeiterbeteiligungen hält detailliert fest, in welchem Zeitpunkt welche Angaben zu bescheinigen bzw. zu melden sind. Diese Verpflichtung des Arbeitgebers gilt auch dann, wenn der Mitarbeiterbeteiligungsplan durch eine ausländische Konzerngesellschaft oder durch Dritte verwaltet wird. Werden die Bescheinigungspflichten missachtet, kann dies unter Umständen ein Strafverfahren auslösen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Mitarbeiterbeteiligungsmodelle können für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Neben der "klassischen" Mitarbeiterbeteiligung können sie beispielsweise auch für ein Management Buy Out (MBO) oder für die Regelung der Unternehmensnachfolge zum Einsatz kommen. Richtig eingesetzt ermöglichen sie die Nutzung erheblicher Steuervorteile.

Stolpersteine

Aufgrund der steuerlichen Komplexität von Mitarbeiterbeteiligungsplänen sind diverse Aspekte zu beachten.

Einfluss auf Einkommens- und Vermögenssteuer Wie im Eingangsbeispiel erwähnt, kann beispielsweise die Beteiligung eines vom Unternehmen bislang unabhängigen Investors dazu führen, dass die beteiligten Mitarbeiter ein erhebliches steuerbares Einkommen erzielen.Zu berücksichtigen ist auch der Einfluss der Bewertung von Mitarbeiteraktien auf die Vermögenssteuer.Durch eine frühzei­tige Planung und den gezielten Einsatz von Sperrfristen können Steuerfolgen minimiert bzw. allenfalls sogar gänzlich eliminiert werden.
Verkauf von Beteiligungsrechten Besteht für das Unternehmen kein Verkehrswert (Drittpreis) und wird daher auf einen Formelwert abgestellt, lassen sich mögliche spätere Steuerfolgen bei einem Verkauf der Beteiligungsrechte nicht ausschliessen.Auch die vorzeitige Aufhebung von Sperrfristen führt zu Steuerfolgen. Dieser Fall kann selbst dann eintreten, wenn dem Mitarbeiter beim Kauf der Aktien kein Diskont für die Sperrfrist zugestanden wurde.
Gewerbsmässiger Wertschriftenhändler Müssen die Mitarbeiter die Beteiligungsrechte entgeltlich erwerben, erfolgt die Finanzierung häufig über ein vom Arbeitgeber gewährtes Darlehen.Diesbezüglich ist sicherzustellen, dass die Mitarbeiter bei einem späteren Verkauf der Beteiligungsrechte nicht als sogenannte „gewerbsmässige Wertschriftenhändler“ qualifiziert werden und der Veräusserungserlös nicht als privater Kapitalgewinn steuerbefreit bleibt, sondern der Einkommenssteuer und den Sozialversicherungsabgaben unterworfen wird.
Wegzug ins Ausland Nicht zu vergessen sind auch allfällige Quellensteuerpflichten bei Wegzug eines Mitarbeiters ins Ausland (zusätzlich zu den Bescheinigungspflichten).Der Arbeitgeber ist in einem solchen Fall für die Ablieferung der Quellensteuer verantwortlich.

 

Die vorstehende nicht abschliessende Aufzählung zeigt, dass bei mangelhafter Planung eines Mitarbeiterbeteiligungsplanes erhebliche Steuerfolgen sowohl für den Mitarbeiter als auch für das Unternehmen resultieren können.

Fazit

Mitarbeiterbeteiligungsmodelle sind eine interessante Möglichkeit Arbeitnehmer am Unternehmen zu beteiligen. Im Falle von Mitarbeiteraktien (oder frei verfügbaren börsenkotierten Optionen) ermöglichen sie dem Arbeitnehmer bei erfolgreichem Geschäftsgang einen späteren steuerfreien privaten Kapitalgewinn zu realisieren.

Bei der Implementierung eines Mitarbeiterbeteiligungsplanes lauert jedoch auch eine Reihe von Stolpersteinen, die zu erheblichen Steuerfolgen führen können.

Wir empfehlen daher, frühzeitig eine sorgfältige steuerliche Analyse vorzunehmen und die Besteuerungsmodalitäten des Mitarbeiterbeteiligungsplanes mit den Steuerbehörden vorgängig verbindlich zu regeln.

Quelle:Primetax.ch

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