HR und Leadership

4 Stereoptypen, denen Frau und Mann im Führungsalltag begegnen

08. September 2014

Verschiedenste Forschungen und Studien in Bezug auf Führung und Führungsstile (u. a. Andreas Hoyndorf [1]) kommen zum Schluss, dass es keine signifikanten Unterschiede in der Gesamtbewertung der Führungskompetenzen zwischen den Geschlechtern gibt (siehe Führungsstile und ihre Anlehnung an die männlichen Archetypen).
In der Tendenz zeigt sich jedoch, dass Frauen eher kooperativ und Männer eher direktiv führen. Neuberger (2002) legt eine Zusammenfassung von „Eigenschaften des weiblichen Führungsstils“ vor, welche angelehnt an Macha (1998), Helgesen (1991), Loden (1988) und Rosener (1990) folgendes aussagen:

  • Frauen sind eher kooperativ, Männer sind konkurrierend, wettbewerbsorientiert
  • Frauen geben Informationen eher/besser weiter, Männer betrachten Information als Machtressource
  • Frauen gehen eher intuitiv-rational vor, Männer analytisch-rational
  • Frauen erlauben und ermutigen zu Partizipation, Männer bevorzugen individuelle Durchsetzung
  • Frauen wollen gute Sachergebnisse, Männer wollen gewinnen
  • Frauen steigern das Selbstwertgefühl der Mitarbeiterinnen, Männer wollen sich bestätigen
  • Frauen sind einfühlsam und schaffen Atmosphäre und Teamgeist, Männer denken und handeln strategisch und individualistisch
  • Frauen kontrollieren weniger, Männer mehr

Solche Auflistungen sind mit mehreren Problemen verbunden:

  • Es gibt mehrere empirische Belege dafür, dass das Führungsverhalten und der Führungserfolg von Männern und Frauen nicht signifikant unterschiedlich sind. Dazu kommt, dass aufgrund der verfügbaren Daten meist nur verzerrte Aussagen gemacht werden können. Weibliche Führungskräfte sind meist nicht in gleicher Anzahl in den entsprechenden Führungshierarchien vertreten.
  • Frau ist nicht gleich Frau. Es können bei Weitem nicht alle Frauen in einen Topf geworfen werden – ebenso Männer, Pauschalisierungen sind äusserst problematisch.
  • Da die Daten zu Führungsverhalten und Führungsstilen oft Selbstbeschreibungen oder Beobachtungsinterpretationen sind, kann keine Objektivität angenommen werden. Das Thema der sozialen Erwünschtheit bekommt hier eine grosse Bedeutung.

Auch wenn in der Forschung nur von Tendenzen gesprochen wird, lassen sich daraus für den Führungsalltag doch erstaunlich viele Stereotype ableiten:

  1. Frauen können sich nicht durchsetzen, Frauen möchten beliebt sein, werden dafür nicht respektiert
  2. Männer werden respektiert, sind deswegen aber oft nicht beliebt
  3. Männer sind auf Wettbewerb, Macht und wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet,
  4. während Frauen Anschluss finden möchten und Anerkennung und Wertschätzung wollen.

Diese Aufzählung sollte sowohl für den Führungsalltag als auch Führungskräften zu denken geben.
Für Unternehmen bedeuten solche Stereotype:

  • Sie vergeben nachhaltig Wettbewerbsvorteile
  • Bereits vorhandene Talente und Potenziale werden verschwendet
  • Die Arbeitsmotivation der Mitarbeitenden sinkt
  • Kreative Lösungen von Mixed Teams gelten als belanglos
  • Anerkennung und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden werden als „überbewertet“ erachtet
  • Neue Zielgruppen zu erreichen erscheint für solche Unternehmen unnötig und
  • Die Zusammenarbeit/Kooperation mit ausländischen Unternehmen erscheint wertlos.

Für Unternehmen stellt sich also die Frage: Können sie sich das leisten?
[1] Mixed Leadership Conference, 28.02.2013: Gender Bias in der Management Diagnostik?
 

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