Accounting und Controlling

Steuerfallen – Indirekte Teilliquidation Teil 2/2

02. Juli 2014

Der Sachverhalt der indirekten Teilliquidation kann in der Praxis unter Umständen zu massiven Steuerfolgen führen wie etwa bei einer Transponierung. Dabei muss nicht immer unlauterer Wille unterstellt werden, denn gerade bei Umstrukturierungen oder Verkäufen von Unternehmen können sich solche Konstellation ergeben. Um vor Überraschung gefeit zu sein, ist eine genaue Analyse der Sachverhalte unabdingbar. Die Steuerbehörde geht nämlich unter bestimmten Voraussetzungen von einer indirekten Teilliquidation aus. Das folgende Beispiel soll zeigen, welche Punkte kumulativ erfüllt sein müssen, damit von Gesetzes wegen von einer indirekten Teilliquidation ausgegangen werden kann.
Georg Braun besitzt eine Gesellschaft, die Braun Handels AG. Diese verfügt zusätzlich zur untenstehenden Bilanz auch über stille Reserven von TCHF 4.000 auf den nicht betrieblichen Aktiven.

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Weil er keine Nachkommen hat, entschliesst er sich, die Gesellschaft einem Mitbewerber zu verkaufen, um den Fortbestand der Unternehmung zu sichern. Die Trading AG bekundet ihr Interesse und erwirbt die Aktien zum Preis von TCHF 15.000 zu erwerben. Dazu nimmt die Trading AG bei der Hausbank AG einen Kredit über den Kaufpreis auf. Im Folgejahr veräussert die Braun Handels AG die nicht betrieblichen Aktiven und realisiert die stillen Reserven. Anschliessend schüttet sie an die Trading AG eine Dividende in Höhe von TCHF 6.000 (nicht betriebliche Aktiven inkl. stille Reserven). Damit tilgt die Trading AG einen Teil des Bankdarlehens.

Obwohl auch in diesem Fall Georg Braun beim Beteiligungsverkauf von einem steuerfreien Kapitalgewinn ausgeht, hat der Steuerkommissär für ihn eine Überraschung bereit. Die Steuergesetze qualifizieren die Dividendenausschüttung der Braun Handels AG an die Trading AG als sogenannt indirekte Teilliquidation und besteuern diesen Betrag beim veräussernden Aktionär als Vermögensertrag. Was bedeutet dies?

Eine indirekte Teilliquidation gemäss Gesetz liegt vor, wenn kumulativ folgende Punkte erfüllt sind:

  • Der Verkäufer veräussert eine Beteiligung von mindestens 20 Prozent.
  • Es findet ein Wechsel vom Privat- ins Geschäftsvermögen statt (Wechsel vom Nominalwert- ins Buchwertprinzip).
  • Der Käufer schüttet innerhalb von 5 Jahren nicht benötigte Substanz aus, welche zum Verkaufszeitpunkt bereits vorhanden und ausschüttbar war.
  • Käufer und Verkäufer wirken zusammen.

Sind die vorstehenden Punkte erfüllt, erzielt der Verkäufer keinen steuerfreien Kapitalgewinn, sondern einen steuerbaren Vermögensertrag. Dabei unterstellt das Gesetz, dass der Käufer nur die Substanz erwerben wollte, welche er zu Weiterführung des Betriebs benötigt und nicht notwendiges Vermögen veräussern und zur Kaufpreistilgung verwenden wird. Dies hätte gemäss Ansicht des Gesetzgebers vorgängig der Verkäufer tun sollen, womit er den Vermögensertrag hätte besteuern müssen. Das letzte Erfordernis, das Zusammenwirken zwischen Käufer und Verkäufer, d.h. der Verkäufer müsste wissen (oder nur schon ahnen), dass sich der Käufer so verhalten wird, ist immer als erfüllt zu betrachten.

Störend an der indirekten Teilliquidation ist die Tatsache, dass der Käufer Handlungen vornehmen kann, ohne dass der Verkäufer noch die Möglichkeit einer Einflussnahme hat. Der Verkäufer ist nicht mehr Aktionär und hat somit nicht Teilnehmer mehr an der Generalversammlung. Trotzdem trägt der die steuerlichen Risiken.

Abhilfe schaffen nur Klauseln im Verkaufsvertrag, welche bestimmen, dass der Käufer die Steuerfolgen aus der indirekten Teilliquidation tragen muss. Dies hat zur Folge, dass die Braun Handels AG die nächsten 5 Jahre nach dem Verkauf nur die laufenden Ergebnisse ausschütten darf.

Transponierung (siehe auch Steuerfallen – Transponierung Teil 1/2) und indirekte Teilliquidation sind unliebsame Steuerfolgen nach Beteiligungsverkäufen, welche sich aber bei entsprechender Vorbereitung und Umsicht in der Vertragsgestaltung vermeiden lassen. In der Regel lohnt sich dazu der Beizug eines Steuersachverständigen.

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