Accounting und Controlling

Steuerfallen – Transponierung Teil 1/2

25. Juni 2014

Steuerfallen liegen oft gut versteckt und manchmal auch kaum verständlich in völlig unverdächtigen Sachverhalten. Werden diese Tücken nicht rechtzeitig erkannt und gegebenenfalls umschifft, drohen massive Steuerfolgen. Dabei geht es keineswegs um unehrliches Verhalten wie Steuerhinterziehung oder Steuerbetrug. Vor allem Umstrukturierungen und Unternehmensverkäufe bergen nicht unerhebliche Risiken. Diese sollen an zwei fiktiven Beispielen erläutert werden. Namen und Handlungen sind frei erfunden, kommen im Geschäftsleben aber tatsächlich vor.

Transponierung

Georg Braun besitzt zwei gutgehende Aktiengesellschaften im Bereich Produktion und Handel mit Elektroartikeln. Während die Inland AG den Schweizer Markt abdeckt, beliefert die Export AG die europäischen Länder sowie Kunden in Übersee. Die Bilanzen der beiden Gesellschaften präsentieren sich per 31. Dezember 2.01 wie folgt:

Die Inland AG verfügt zusätzlich über stille Reserven in Höhe von TCHF 4.000, während die Bilanz der Export AG keine stille Reserven enthält.

Aktionär Braun beabsichtigt, im Zuge der Nachfolgeregelung – seine beiden Töchter leiten bereits operativ je eine Gesellschaft – die Braun Holding AG zu gründen und die beiden Beteiligungen zum Verkehrswert einzubringen bzw. dieser zu verkaufen. Unter Berücksichtigung der stillen Reserven betragen die Verkaufspreise zu Substanzwerten somit TCHF 10.000 für die Inland AG und TCHF 3.000 für die Export AG. Bei der Braun Holding AG stellt sich die Frage nach der Höhe des Grundkapitals. Während das Obligationenrecht lediglich ein Mindestkapital von TCHF 100 vorsieht, enthalten die Steuergesetze weitergehende Bestimmungen. Wirtschaftlich muss nämlich das Eigenkapital so ausgestaltet sein, dass den mutmasslichen Risiken der Aktiven Rechnung getragen wird. Konkret bedeutet dies für die Holding, dass die Beteiligungen nur zu 70 Prozent des Verkehrswertes mit Fremdkapital finanziert werden dürfen. Eine Missachtung dieser Regel zieht insofern Steuerfolgen nach sich, als das verdeckte Eigenkapital (die nicht anerkannten Fremdfinanzierungsquoten durch Aktionäre und Nahestehende) dem Eigenkapital für die Kapitalsteuer zugeschlagen und die Verzinsung dieses Fremdkapitals nicht anerkannt wird. Selbstverständlich steht es aber Georg Braun frei, zivilrechtlich eine abweichende Finanzierung zu wählen. Die Wirtschafts- und Handelsfreiheit geht den steuerlichen Bestimmungen vor. Die Bilanz der Braun Holding AG zeigt sich nach der Umstrukturierung (das Aktienkapital entspricht den Grundkapitalien der Tochtergesellschaften) wie folgt:

Anlässlich der Eröffnung der persönlichen Steuerveranlagung pro 2.02 staunt Georg Braun nicht schlecht, als ihm der Steuerkommissär einen Vermögensertrag von TCHF 10.000 aufrechnet, steuerbar zu 60 Prozent (privilegierte Dividendenbesteuerung im Privatvermögen). Anstelle eines steuerfreien Kapitalgewinns auf der Veräusserung von Aktien im Privatvermögen soll er nun – je nach Kanton – eine Steuerbelastung von gegen 40 Prozent gewärtigen? Was ist passiert?

„Fiktion“ eines Verkaufs

Die Gesetze von Bund und Kantonen sehen vor, dass bei der Einbringung einer Beteiligung von mindestens 5 Prozent die Differenz zwischen einbezahltem Kapital (Grundkapital zuzüglich allfälliges Agio) und dem höheren Verkaufspreis einen steuerbaren Vermögensertrag darstellt, wenn der Verkäufer (hier Georg Braun) nach dem Verkauf zu mindestens 50 Prozent an der übernehmenden Gesellschaft (hier die Braun Holding AG) beteiligt ist. Die „Fiktion“ ist dabei, dass Georg Braun gar nicht verkauft – er beherrscht die Tochtergesellschaften immer noch über seine Holding –, sondern eine Transponierung vorgenommen hat. Wie hätte der diesen „Schaden“ vermeiden können?

Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Wenn er die Aktien nur zum Nominalwert des Aktienkapitals (zuzüglich allfällig einbezahltes Agio) einbringt, verbleiben die offenen und stillen Reserven steuerlich belastet. Er müsste diese als Reserven aus der Holding ausschütten, womit die Einkommenssteuer zu entrichten wäre.
  1. Alternativ könnte er die Aktien zwar zum Verkehrswert in die Holding einbringen, dürfte sich die Differenz zwischen Nominalwert und Verkehrswert aber nicht auszahlen oder auf einem Darlehenskonto gutschreiben lassen, sondern müsste diesen Betrag den Gewinnreserven zuweisen. Diese müssten dann mittels steuerbaren Dividenden ausgeschüttet werden.

Im nächsten Blogpost geht es um eine weitere Steuerfalle, die indirekte Teilliquidation.

 

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