HR und Leadership

Was kann HR vom Marketing lernen?

09. Mai 2014

Am 27. März 2014 fand in Zürich die #truZurich HR & Recruiting Unconference statt. Via Twitter war ich auf diese Unconference aufmerksam geworden. Nur schon der ungewöhliche Titel reizte mich, daran teilzunehmen.
Die Location fand im trendigen Colab Zürich statt und die Diskussionssprache war in Englisch. Die Themen umfassten Mobile Recruiting, Future of Agencies, Visual Sourcing, Social Recruiting, LinkedIn vs. Xing und viele weitere, spannende Themen.
Einer der Tracks nannte sich „What HR can learn from marketing. And vice versa.“ Geführt wurde die Diskussion von Michel Ganouchi, Inhaber der Recruma GmbH und Hervé Peitrequin, Senior Digital Marketing Manager bei der Publigroup.
In seinem eigenen Blog beschreibt Michel Ganouchi seine Gedanken zur Vorbereitung des Tracks und was HR vom Marketing lernen kann (siehe truZurich: Was HR von Marketing lernen kann. Und umgekehrt):

Attitüde ... Die gesunde Portion „Ego“, die Jörg Buckmann so vortrefflich in seiner „Frechmut“-Definition aufführt. Ein gesundes Selbstbewusstsein, etwas Extrovertiertheit, die Freude am Argumentieren. Sich Gehör verschaffen und für seine Interessen einstehen. Mutig sein und Neues probieren. Auch mal ein Risiko eingehen.
Leadership Das Business verstehen, in dem Sie und Ihre Firma sich befinden. Und zwar aus echtem Interesse und durchaus auch mal im Detail. Die Sprache des Managements sprechen, sonst werden Sie nicht ernst genommen.
Integrale Vorgehens-weisen Herausforderungen sind öfters mal komplex. Lösungen meistens nicht trivial. Wer vernetzt denkt, ist im Vorteil. Und das braucht Übung.
Marketing-theorie
(4-7 P,
je nach Lust
und Laune)
Die Grundzüge der Marketingtheorie verstehen. Wenn man von Segmenten, Märkten, Push und Pull, Mediaplanung, Markenführung usw. spricht, muss man mindestens ein Verständnis davon haben. Es hilft, das Recruiting zu professionalisieren.
Projektleitung / Prozess-verständnis Verantwortung übernehmen, vielleicht auch mal über das angestammte Tätigkeitsgebiet hinaus. Man lernt dabei, kann sich profilieren und das neu gewonnene Wissen später einsetzen.
Technologie / Innovation Man muss kein Tekkie, Nerd oder Geek sein. Aber die Welt verändert sich. Und zwar rasant. Gerade auch wegen technologischen Innovationen. Bleiben Sie am Ball. Man muss auch nachfolgende Generationen verstehen.
Online und
Social Media
Niemand erwartet, dass Sie HTML oder PHP programmieren können. Aber was ein Cookie ist, (Re-)Targetting bedeutet, ein Affiliate Programm ist, wofür „crawlen“ steht (hat nichts mit schwimmen zu tun!) und weshalb Social Media nicht nur ein Trend sind und wie sie funktionieren:ja – dazu sollten Sie sich vertiefte Gedanken machen. Ohne Wenn und Aber. Die Welt wird immer mehr online. Die Kandidaten sowieso. Firmen auch. Das Recruiting gehört dazu.
Business Cases Cases anfertigen, um Interessen durch zu bringen. So erhalten Sie im Management Gehör. Richtig aufgebaut, argumentiert und mit Zahlen versehen. Vielleicht auch mit Grafiken. Pflegen Sie Ihre Stakeholders schon vor einer allfälligen Präsentation.
KPIs Fragen Sie sich, was Sie messen möchten und warum. Und natürlich auch wie. (Hier gibt’s grad aktuelle Inspiration von MetaHR ). Zahlen zählen. V.a. im Management. Und darüber hinaus ist ein HR-Dashboard einfach unabdingbar für das Management und die Entwicklung seiner Funktion.
Themen-Führerschaft Bleiben Sie am Ball! Lesen Sie Bücher, Blogs und gehen Sie an Netzwerk-Veranstaltungen. Und zwar nicht nur die üblichen Branchenveranstaltungen. Profilieren Sie sich als interner Experte, dann wirken Sie glaubwürdig und bringen mehr HR-Gewicht in die Firma.“

 
Nicht alle vorbereiteten Stichpunkte wurden zur Sprache gebracht. Denn auch das vice versa - also was Marketing vom HR lernen kann – war ein spannender Diskussionspunkt:
„Machen den Marketeers alles richtig, alles besser? Nein, natürlich nicht! Wie jede andere Funktion agieren auch Marketing Manager nicht per se vorbildlich. Was ich jedoch immer noch nicht verstehe ist, dass ich eher Marketingmenschen auf Xing und LinkedIn antreffe als Recruiter. Und vermutlich kaum jemals bei einem Afterwork Drink jemanden aus HR kennen gelernt habe. Insgesamt sehe ich die Marketingzunft als tendenziell innovations-offener, kommunikativer und umsetzungswilliger.
Wieso nicken die meisten Personaler bei der Konfrontation mit diesen Themen meistens positiv anerkennend? Können, wollen oder dürfen sie denn diese Themen nicht als Inspiration in ihr Tun miteinbeziehen? Es scheint ganz einfach: Trotz allen Klagen über den Fachkräftemangel und die diversen Herausforderungen als Arbeitgeber scheint der Leidensdruck (immer) noch nicht gross genug zu sein, um nachhaltige Veränderungen zu initiieren. Weder im Management, in HR noch in der Linie. (Ich weiss, es gibt sie, die Ausnahmen. Aber es sind zu wenige). Lieber wird die kurzfristige Lösung gesucht. Der Personalvermittler stopft die Lücken natürlich gerne. Geld dafür scheint’s nach wie vor massig zu geben. So einfach ist das.
Gespannt war ich auf die Frage, was denn Marketing von HR lernen könne. Und es kamen gute Rückmeldungen. In der Vorbereitung zum Track sind mir – ganz ehrlich – sehr wenige Inhalte eingefallen. Ausser den üblichen Stereotypen von wegen „Menschen verstehen“ und ähnlichem. Was wurde also erwähnt?

  • Authentizität: Marketing ist sich gewohnt, zu übertreiben, zu polieren, zu kaschieren, um „verkaufen“ zu können. Genau das funktioniert aber je länger desto weniger. Glaubwürdige Botschaften beeinflussen Kaufentscheide mehr denn je. In der Produktwerbung wie im Recruiting.
  • Tiefgang: Marketeers: Schaut auch mal unter die Oberfläche und demonstriert echte Empathie. Oberflächliches Marketing-Gegockel ist schal und mitunter peinlich.
  • Nachhaltigkeit: Nicht nur der nächste Abverkaufs-Chart zählt oder die persönliche Zielvereinbarung. Lernt euer Handeln ganzheitlich zu verstehen und agiert dementsprechend.

Und dann war die Stunde auch schon um…

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