Accounting und Controlling

Vorausrechnungen für Versicherungsprämien

05. Mai 2014

Gegen Ende des Jahres geben sich die Versicherungsrechnungen ein Stelldichein. Häufig ein nicht unwesentlicher Betrag. Deren Bilanzierung führt oft zu Diskussionen mit der Revisionsstelle.

Die Rechnungsstellung der Versicherung erfolgt im November oder Dezember mit Fälligkeit per 1.1. des Folgejahres. Häufig wird deshalb gebucht:

  • Versicherungsaufwand an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und im Jahresabschluss
  • Aktive Rechnungsabgrenzungen an Versicherungsaufwand.

Mit Verweis auf S. 165 des Handbuchs für Wirtschaftsprüfung (Version 2009) wird von der Revision verlangt, mit der Buchung Kreditor / aktive Rechnungsabgrenzung diese Position zu eliminieren. Manchmal erfolgt diese Aufforderung mit der Begründung, eine solche Bilanzierung blähe die Bilanz auf, häufig jedoch einfach mit der Begründung, es stehe so im HWP.

Das letztere Argument ist mit Blick auf die Erwägung 4.4 im BGE 136 II 88 kaum stichhaltig. Das Bundesgericht hat in jenem Entscheid festgehalten, das HWP habe keinen normativen Charakter. (Original in Französisch: … Cet ouvrage constitue un guide de référence pour les professionnels de l'audit et est considéré, dans la jurisprudence, comme un ouvrage de doctrine... Il n'a en revanche pas en lui-même de valeur normative...).

Die Krux des Begriffs "vorausbezahlt"

Das HWP führt aus, dass die Grenzziehung zwischen Anzahlungen und transitorische Abgrenzungen nicht immer klar sei. Seite 165 des HWP handelt von Anzahlungen, solche „… stehen gewöhnlich mit aktivierbaren Lieferungen oder Leistungen im Zusammenhang“ und würden normalerweise bei Fälligkeit gebucht. Transitorische Aktiven (nach OR 959a Abs. 1 Ziff. 1 lit. e OR Aktive Rechnungsabgrenzungen) sind gemäss HWP S. 192 z.B. vorausbezahlte Mietzinsen oder Versicherungsprämien.

Die dortige Verwendung des Begriffs „vorausbezahlte“ ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Wer z.B. einen Raum von November bis Oktober mietet und hierfür im November eine Rechnung für das ganze Jahr erhält, wird unabhängig davon, ob diese Miete nun vor oder nach dem 31.12. bezahlt wird,  buchen:

  • Miete an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und im Jahresabschluss
  • Aktive Rechnungsabgrenzungen an Miete

Würde lediglich auf die Zahlung abgestützt, besteht das Risiko eines falschen Ausweises. Wäre die Miete Ende Jahr nicht bezahlt und es würde lediglich Miete an Verbindlichkeit für die Monate November und Dezember gebucht, wäre der Ausweis der Verbindlichkeiten nicht korrekt.

Beispiel Versicherung

Eine Organisation, welche die Rechnung einer Versicherung erhält, wird diese sowohl nach bisherigem Recht und insbesondere mit Blick auf den neuen Art. 959 Abs. 5 OR als Verbindlichkeit erfassen. Es handelt sich um eine Verbindlichkeit aus einem vergangenen Ereignis, und der Betrag der Verbindlichkeit lässt sich klar bestimmen. Das vergangene Ereignis wäre hier z.B. die Unterzeichnung eines Vertrages mit der Versicherung.

Natürlich handelt es sich bei einer solchen Rechnung um eine Verbindlichkeit für eine zukünftige Leistung, und dies ist der Grund, weshalb ein Wirtschaftsprüfer verlangt, dass auf den Jahresabschluss hin der nicht bezahlte Kreditor Versicherung mit der aktiven Rechnungsabgrenzung verrechnet wird.

Betrachtet man jedoch die Kennzahlen, mit denen die Zahlungsfähigkeit einer Unternehmung beurteilt wird, so führt die Verrechnung bzw. Nichtbuchung zu einem falschen Resultat. Es ist klar, dass gleich nach Abschluss des Geschäftsjahres eine Zahlung erfolgen wird. Ohne Ausweis dieser Schuld als Verbindlichkeit, wird der Liquiditätsgrad I wie auch II viel zu gut ausgewiesen.

Da eine Bilanz über die finanzielle Lage einer Unternehmung Auskunft geben muss, ist eine solch verzerrte Kennzahl nicht hilfreich. Zudem kann es reiner Zufall sein, ob nun eine Zahlung an eine Versicherung per 31.12. oder per 3.1. erfolgt. Wird die Zahlung per 31.12. ausgeführt, ist eine Abgrenzung auf der Aktivseite keine Frage. Soll somit rein aufgrund der Tatsache, dass eine Zahlung um wenige Tage verschoben erfolgt, das Bilanzbild auf der Aktivseite anders dargestellt werden?

Sobald in einem Jahr eine Prämie A im abgelaufenen Jahr und eine andere Prämie B erst im neuen Jahr bezahlt wird, stellt sich sonst die Frage, ob nun die eine Vorauszahlung zu erfassen sei und ob die andere nicht via Kreditoren auszuweisen sei. Deshalb ist klar: Buchen und Ausweisen verhilft zu mehr Transparenz.

Sowohl Wirtschaftsprüfer wie Verantwortliche für die Rechnungslegung erwarten mit Spannung die diesbezüglichen Ausführungen im neuen HWP mit Verweis auf das neue Rechnungslegungsrecht.

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