Banking und Finance

So berechnen Banken den Darlehenszins Teil 1/3 [PRAXIS]

11. April 2014

Das allgemeine Zinsniveau ist zwar sehr tief, doch nicht alle Bankkunden erhalten den gleichen Darlehenszins. Bei gewissen Kreditnehmern liegt der Zins deutlich über dem durchschnittlichen Niveau. Somit gibt es teils grosse Unterschiede zwischen den Zinsen einzelner Kreditnehmer. Das gilt besonders bei Firmenkunden. Was sind die Gründe dafür? Dies möchte ich mit insgesamt drei Beiträgen auf dieser Blogsite ausführlich erläutern.

Zunächst ist einmal wichtig zu wissen, wie der Zins überhaupt zu Stande kommt. Bei praktisch allen Banken besteht er primär aus folgenden Preiskomponenten:

  • Refinanzierungskosten
  • Betriebskosten
  • Eigenmittelkosten
  • Marge
  • Risikokosten

Die Refinanzierungskosten sind die Kosten für die Beschaffung des ausgeliehenen Geldes. Aufgrund des aktuellen Zinsniveaus sind diese sehr tief. Bei diesen Kosten macht es keinen Unterschied, ob das Geld für einen Blankokredit an einen Firmenkunden oder für eine Hypothek an einen Privatkunden verwendet wird.

Die Betriebskosten sind die Kosten für die Infrastruktur inklusive Personal, welche durch das Kreditgeschäft entstehen. Hier gibt es bereits den ersten Unterschied. Die Prüfung eines Blankokredites für einen Firmenkunden ist viel aufwändiger, als die Prüfung einer Hypothek für einen Privatkunden. Die Prozesse beim Privatkunden sind nämlich bei den meisten Banken viel standardisierter als bei den Firmenkunden. Deshalb sind die Betriebskosten bei den Firmenkunden höher.

Die Eigenmittelkosten sind die Kosten für die Verzinsung der gesetzlich vorgeschriebenen Eigenmittelunterlegung. Der Bundesrat hat den antizyklischen Kapitalpuffer bei Wohnbauhypothek zwar per 30.06.2014 von 1% auf 2% erhöht. Trotzdem ist die Höhe der Eigenmittelunterlegung bei Wohnbauhypotheken weiterhin deutlich tiefer als bei Blankokrediten oder Gewerbehypotheken. Durch die höhere Eigenmittelunterlegung sind die Eigenmittelkosten bei Firmenkunden höher als bei einem Privatkunden mit einer Wohnbauhypothek.

Die Marge ist die Gewinnmarge der Bank. Diese hat sich in den letzten Jahren deutlich reduziert. Insbesondere bei den Hypotheken an Privatkunden fand ein Preiskampf statt. Die Kunden feilschten fast um jeden Basispunkt. Inzwischen hat sich dieser Preiskampf ein wenig beruhigt bzw. viele Banken wollen nicht mehr das Geschäft zu jedem Preis machen. Die frühere Höhe konnte aber noch nicht wieder erreicht werden. Bei den Firmenkunden fand auch ein gewisser Preiskampf statt. Dieser erreichte aber nie das Ausmass wie bei den Privatkunden. Die Margen sind hier also weiterhin tendenziell höher als beim Privatkundensegment.

Kommen wir nun zur letzten, aber eigentlich wichtigsten Preiskomponente für die Erklärung des Zinsunterschiedes zwischen den Kreditnehmern, den Risikokosten. Je höher das Risiko eines Ausfalles ist, desto höher sind auch die Risikokosten. Jeder Kunde bezahlt somit einen auf sein Risiko abgestimmten Zuschlag bzw. eine Ausfallprämie. Der Begriff dafür lautet „Risk Adjusted Pricing“. Da der Ausfall bei einem Firmenkunden mit einem Blankokredit tendenziell höher ist, ist auch der Risikozuschlag im Vergleich zu einem Privatkunden mit entsprechender Kreditbesicherung höher. Bei Privatkunden wie auch bei Firmenkunden wird die Ausfallwahrscheinlichkeit mit Hilfe eines Ratings festgelegt. Dieses erläutere ich im dritten Teil meines Blogposts näher.

Zusammenfassend kann man konstatieren, dass im Vergleich zu Privatkunden bei Firmenkunden praktisch alle Preiskomponenten (ausser den Refinanzierungskosten) des Zinses höher sind. Den grössten Einfluss auf die Zinshöhe haben allerdings die Risikokosten. Die Berechnung dieser Risikokosten wird deshalb das Thema des zweiten Teils dieses Blogposts sein.

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