HR und Leadership

Handeln Sie gerne oder planen Sie lieber? Teil 1/2

25. April 2014

Anja und Michael haben von ihrem Chef den Auftrag erhalten, für den Abschluss eines dreitägigen Workshops mit Kollegen aus dem Ausland, einen netten Abend zu organisieren. Anja erkundigt sich sofort über die Vorlieben der Einzelnen und darüber, was gar nicht in Frage kommt. Schnell einigt sich die Gruppe darauf, einen kurzen Stadtspaziergang zu machen, gefolgt von einem Raclette-Essen und der Möglichkeit, anschliessend noch in zwei Mannschaften gegeneinander zu kegeln.

Anja macht sich umgehend an die Recherchearbeit:

  • sie sucht alle in Frage kommenden Restaurants mit Kegelbahn ab
  • überlegt sich verschiedene Stadtrouten und
  • stellt eine Liste von möglichen Stadtführern zusammen und
  • macht umgehend einen Zeitplan für den Abend und einen weiteren für alle
    To Do’s bis zum Event

Dieses Planen und Organisieren lassen bei ihr, Vorfreude auf das Ereignis aufkommen.

Michael, ihr Kollege, funktioniert ganz anders. Die Planerei überlässt er gerne Anja.
Es kommt ja sowieso nie so, wie man zu Beginn meint. Ihm genügt es, wenn:

  • ein paar Eckpunkte gesetzt sind
  • das Restaurant reserviert und
  • der Führer aufgeboten ist

Alles andere entscheidet er lieber im Moment und nach Lust und Laune der Gäste.
Er blüht zudem zur Hochform auf, wenn nichts so läuft wie geplant. Dann kommen ihm die besten Ideen und er findet immer eine Lösung. Da die beiden bereits ein paar Jahre zusammen­arbeiten, funktioniert diese Arbeitsteilung optimal. Zu Beginn regte sich Anja zwar unendlich darüber auf, dass Michael nur sehr grob plante, weil sie befürchtete, wegen seiner Unbekümmertheit Wichtiges zu vergessen. Michael hingegen fühlte sich in seiner Spontaneität und Kreativität eingeschränkt. Inzwischen schätzen sie ihre unterschiedlichen Herangehensweisen und sind als Team unschlagbar.

Die Gehirne von Anja und Michael funktionieren ungefähr gleich. Und trotzdem bevorzugen die beiden beim Verfolgen ihrer Ziele und Umsetzen ihrer Absichten unterschiedliche Herangehens- und verhaltensweisen. Diese Erkenntnis aus der Persönlichkeitspsychologie hilft uns dabei, uns selbst besser zu verstehen und auch die anderen. Für Führungskräfte ist dieses Wissen von unschätzbarem Wert, um die Mitarbeitenden stärkenorientiert zu führen und zu entwickeln.

Die 4 unterschiedlichen Funktionssysteme

Unser Handeln bezieht Impulse aus 4 unterschiedlichen Funktionssystemen (Planen, Intuitive Verhaltenssteuerung,  Fehler-Zoom, Ratgeber) in unserem Gehirn. Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir bevorzugte Herangehensweisen für unterschiedliche Situationen. Zu dieser Erkenntnis kommt Prof. Dr. Julius Kuhl nach jahrzehntelanger Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Persönlichkeitspsychologie.

Funktionssystem 1: Für Anja ist das Planen des Abschlussabends wichtig. Sie arbeitet mit dem Funktionssystem des analytischen Verstandes. Dieses Funktionssystem befähigt uns, Situationen zu analysieren und daraus abgeleitet, nächste Schritte zu planen. Anja will keine Überraschungen erleben, und deshalb muss alles sorgfältig geplant sein. Ihr perfekter Plan kann aber den Nachteil mit sich bringen, nicht mehr flexibel zu sein. Manche Menschen verwenden bisweilen so viel Energie für die Analyse und Planung, dass ihnen am Ende die Handlungsenergie fehlt und die ausgefeilten Pläne nie umgesetzt werden.

Funktionssystem 2: Michael hingegen geht die vielen Herausforderungen in Leben und Beruf bevorzugt mit der intuitiven Verhaltenssteuerung an. Einfach los legen und tun. Wenn er erst einmal in Fahrt ist, dann weiss er fast immer, was als nächstes zu tun ist. Hauptsache es macht Freude und Spass. Manchmal kann er sich nicht selber bremsen; handelt intuitiv, schnell und macht öfters denselben Fehler. Deshalb ist er froh, Anja zu haben, die ihn zwingt, einen Abstecher in sein inneres Planungsbüro zu machen.

Anja und Michael haben gelernt, ihre unterschiedlichen Herangehensweisen vorteilhaft zu nutzen, deshalb wird der gemeinsam organisierte und durchgeführte Abschlussabend auch dieses Mal wieder ein Erfolg.

Im zweiten Teil dieses Beitrages werden wir die zwei weiteren Funktionssysteme anhand eines Beispiels vorstellen sowie auf die Selbststeuerungsfähigkeiten eingehen und zeigen, welche Bedeutung diese für eine erfüllende und selbstbestimmte Lebensgestaltung haben. Zudem erläutern wir die Einsatzmöglichkeiten der PSI-basierten Kompetenzanalyse im Coaching, der Personalauswahl und Personalentwicklung.

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