HR und Leadership

Motivation ist alles! Wie Gefühle unser Handeln steuern Teil 2/2

28. März 2014

Im ersten Teil dieses Beitrags gaben wir eine Übersicht über die Kernelemente der PSI-Theorie: Welche Rolle unsere Bedürfnisse und Motive für unser Handeln spielen und wie wir bevorzugt an Aufgaben herangehen. Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit den Selbststeuerungskompetenzen und welche Bedeutung sie für unser Selbstwirksamkeitserleben und unsere Zufriedenheit haben.

Gefühle und Selbststeuerungsfähigkeiten

Die PSI-Theorie zeigt, dass der Informationsaustausch zwischen den Hirnfunktionssystemen durch Gefühle beeinflusst wird.

  • Positive Gefühle, z.B. Erwartungsfreude - fördern den Informationsfluss zwischen der Planungs- und der Ausführungsfunktion, also den Weg von der Planung zur Umsetzung.
  • Negative Gefühle wie Angst, Ärger, Traurigkeit oder Sorge hingegen führen dazu, dass Informationen, schlechter verarbeitet werden können und uns den Zugriff auf unsere Koordinationsfunktion erschweren.

Gelingt es uns nun, unsere Gefühle zu regulieren, beispielsweise indem wir uns durch den Aufbau positiver Emotionen selber motivieren oder uns durch Entspannung in eine gelassene Stimmung bringen, etc. – steht uns ein Instrument zur Verfügung, mit Hilfe dessen wir die verschiedenen Hirnfunktionssysteme in gewünschter Weise aktivieren und steuern und damit unser Verhalten und Erleben beeinflussen können. Die Fähigkeiten zur Gefühls- und damit zur Selbstregulation werden oft mit den Begriffen "Selbstmanagement" oder "Selbststeuerung" umschrieben.

Selbststeuerungskompetenzen können erworben und trainiert werden. Gute Selbststeuerungsfähigkeiten sind der Schlüssel zu einer erfüllenden und selbstbestimmten Lebensgestaltung. Wenn wir in der Lage sind, in einer spezifischen Arbeits- oder Lernsituation das geeignete Funktionssystem zu aktivieren, können wir unser Gelingen erheblich beeinflussen.

Die PSI-basierte Kompetenzanalyse: Auf der Basis der PSI-Theorie wurde an der Universität Osnabrück ein Persönlichkeitsdiagnostik-Verfahren entwickelt, das ermöglicht, Aussagen zu persönlichkeitskonstituierenden Merkmalen zu gewinnen. Sie messen u.a. den Entwicklungsstand bestimmter Fähigkeiten, die für das Lernen, Entscheiden und Erbringen von Leistungen wesentlich sind. Die Tests ermöglichen u.a. Aussagen zu den folgenden Merkmalen:

  • Bewusste und unbewusste Motive: Welches sind die handlungsleitenden Motive einer Person? Gibt es Diskrepanzen zwischen bewussten und unbewussten Motiven?
  • Persönlichkeitsfunktionen: Auf welche Art geht eine Person bevorzugt an Aufgaben heran und welches sind die Vor- und Nachteile dieser Präferenz?
  • Selbststeuerungskompetenzen: Über welche Fähigkeiten verfügt eine Person, um sich selber und ihre Gefühle zu regulieren?

Der Test kann von zuhause am eigenen Computer durchgeführt werden. Die Auswertung erfolgt durch eine/n zertifizierte/n PSI-Kompetenzberater/in und berücksichtigt, den individuellen persönlichen und beruflichen Kontext. Gemeinsam mit dem/r Klient/in können basierend auf den Testergebnissen Strategien erarbeitet werden, die helfen, eigene Stärken und Potenziale optimal zu nutzen und effektiv in Leistung umzusetzen.

Die Testergebnisse können auch helfen, die Ursachen für Arbeitsschwierigkeiten und Lernstörungen festzustellen, die im Bereich der Persönlichkeit liegen und zu Handlungsblockaden führen. Anschliessend können auf die Bedürfnisse des/r Klienten/in ausgerichtete Massnahmen gestaltet werden, wie bspw. das Trainieren von spezifischen Selbststeuerungskompetenzen (z.B. mit dem Zürcher Ressourcen Modell).

Anwendungsmöglichkeiten der PSI-Theorie in der Praxis

  • Als Weiterbildungsmassnahme für Führungskräfte zur Entwicklung der eigenen Selbststeuerungskompetenzen und zur Anwendung in ihrer Rolle als Führungskräfte.
  • Als Weiterbildungsmassnahme für Human Resources Manager. Das Wissen um Motivationsprozesse befähigt Human Resources Manager, ihre Kunden besser zu beraten und in Projekten zu unterstützen.
  • Im Rekrutierungsprozess ist die Erhebung von Motivationsstärken und den damit verbundenen Persönlichkeitsstilen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
  • In Teamentwicklungsprozessen zur Stärkung des Wir-Gefühls.
  • PSI-basierte Kompetenzanalyse als Einstieg in ein Einzel- /Füh­rungscoaching oder bei beruflicher Standortbestimmung/New­place­ment.

Zusammenfassend können folgende wichtigste Erkenntnisse aus der PSI-Theorie für die Praxis abgeleitet werden:

  1. Gefühle steuern unser Denken und Handeln.
  2. Neben angeborenen und in der frühen Kindheit geprägten Persönlichkeitsmerkmalen haben unsere Motivstrukturen entscheidenden Einfluss auf das Entstehen und Verarbeiten von Gefühlen.
  3. Die persönlichen Selbststeuerungskompetenzen sind entscheidend, wie erfolgreich wir unsere Gefühle und somit unser Verhalten beeinflussen und inneren und äusseren Anforderungen anpassen können.
  4. Mit der PSI-basierten Kompetenzanalyse ist es möglich, in kurzer Zeit zu erkennen, welche individuellen Ressourcen und Potenziale vorhanden sind und wo Veränderungsbedarf vorliegt.

Die PSI-Theorie von Julius Kuhl ist eine integrative Persönlichkeitstheorie, die sich durch ihre Ressourcen- und Handlungsorientierung auszeichnet und sich für die Anwendung in Beratungspraxis sehr gut eignet.

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