Banking und Finance

Interview CFA Society: Jedes Jahr 15 bis 20% neue Lernziele Teil 2/2

28. März 2014

Christian Dreyer CFA, Geschäftsführer der CFA Society Switzerland spricht über die Entwicklung des CFA-Examens in der Schweiz und die Inhalte dieses weltweit gefragten Bildungsganges für Finanzfachleute. Im ersten Teil des Gesprächs gab Dreyer Einblick über das Verhältnis von Ethik und Karriere.
Christian Dreyer

Wie ist die aktuelle Nachfrage nach dem CFA Examen in der Schweiz?

Trotz der schwierigen Branchenlage konnten wir letztes Jahr 435 neue Charterholder in der Schweiz begrüssen. Ich habe den Eindruck, dass diese neue Generation der Finanzprofis verstanden hat, was der Finanzplatz heute braucht.

Wer sollte sich für die CFA-Zertifizierung interessieren, was sind klassische Karriereschritte nach dem bestandenen Examen?

Die Schweizer CFA Gemeinde unterscheidet sich dadurch von jenen vieler anderer Finanzzentren, dass sie breiter diversifiziert ist. Neben den Portfolio Managern mit 26% ist die grösste Gruppe der Berufsbezeichnungen „anderes“. Klassische Research Analysten spielen bei uns derzeit noch eine Nebenrolle. Daher ist es schwierig, von einem klassischen Karriereschritt zu sprechen - abgesehen davon, dass der frisch gebackene Charterholder wohl begründete Aussichten auf breitere Verantwortung und höhere Anerkennung hat - wenn nicht beim jetzigen Arbeitgeber, dann beim nächsten.

Abgesehen von Ethik: Sind andere neue Ausbildungsthemen im Rahmen des CFA im Kommen?

Der Inhalt des CFA ändert sich ständig. Im Rahmen eines strukturieren, global ausgerichteten Prozesses werden die Anforderungen und Kompetenzen erfasst, über die ein Charterholder verfügen muss, um erfolgreich am künftigen Markt bestehen zu können. Das führt dazu, dass jedes Jahr rund 15-20% der Lernziele und des Lehrmaterials an die neuen Erfordernisse angepasst werden. Auf der übergeordneten Ebene der Themengebiete haben sich im letzten Zyklus der Praxisanalyse von 2008 bis 2013 die Gewichte zugunsten von Ethik, Risikomanagement, Makroökonomie, Behavioural Finance und Kreditanalyse verschoben.

Welche wichtigen Unterschiede sehen Sie zwischen den Inhalten des CFA und denen anderer Bankweiterbildungen, etwa einem MAS in Banking und Finance?

Die inhaltlichen Unterschiede sind gering, wobei ich behaupten würde, dass die Themenführerschaft beim CFA liegt. Zeugnis davon ist die Tatsache, dass viele erstklassige Weiterbildungsprogramme wie die HSG und die Uni Lausanne, aber auch so klingende Namen wie Oxford, Bocconi, HEC, INSEAD, EDHEC oder die London Business School CFA Program Partners sind. Dazu gehört, dass sich diese Einrichtungen verpflichten, mindestens 70% des CFA Institute Body of Knowledge zu unterrichten, jedenfalls aber den Code of Ethics und die Standards of Professional Conduct.  Sie profitieren dadurch vom oben erwähnten Praxisanalyse-Prozess, der sicherstellt, dass die gelehrten Inhalte dem aktuellen Stand entsprechen.
Pädagogisch-didaktisch gibt es natürlich allein schon dadurch fundamentale Unterschiede, dass der CFA grundsätzlich auf Selbststudium ausgerichtet ist und gut als solches absolviert werden kann, wenn der Kandidat über die erforderliche Selbstdisziplin verfügt. Dem gegenüber steht der geführte Frontalunterricht in einer Landessprache bei anderen Bankweiterbildungen, die allerdings meist ein Mehrfaches des CFA kosten.

Wie positionieren Sie den CFA gegenüber den einschlägigen Weiterbildungsangeboten von schweizerischen Universitäten und Fachhochschulen?

Die beiden wichtigsten Unterschiede sind folgende: Erstens gibt es unzählige Bankweiterbildungen, die ganz unterschiedlichen Qualitätsstandards entsprechen. Es gibt aber nur einen CFA Charter, und der ist weltweit bekannt. Zweitens erfährt der Arbeitgeber nichts über die Praxiserfahrung des Bewerbers, der mit einem Master auf der Matte steht. Beim CFA weiss er jedoch genau, dass der Charterholder über mindestens vier Jahre relevante, belegte Berufserfahrung verfügt. Diese Berufserfahrung wird in jedem Einzelfall durch das CFA Institute überprüft und anhand von Referenzen validiert. 
Vielen Dank für das Interview, Herr Dreyer!

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