HR und Leadership

45+ und kein bisschen weise?

31. März 2014

Beim Vorbereiten eines Trainings zum Thema Team stolperte ich über Unterlagen aus meiner eigenen Personalentwicklungs-Ausbildung, die ich vor 20 Jahren absolviert hatte. Trotz des scheinbaren Alters der Dokumente, entschied ich mich, die Inhalte unseren Studierenden vorzustellen. Ich wollte der Frage nachgehen: Was sind die Gründe, dass sich Teams immer wieder in die Haare bekommen und richtige Teamarbeit so verteufelt schwer ist?

Ich selbst bin deutlich über 45+, habe viele Jahre Erfahrung als Führungskraft, Beraterin und Trainerin und bleibe trotzdem immer wieder an der Frage hängen: Was ist der Trick, damit es Teams leichter haben? Was muss jeder von uns tun, um glücklicher, einfacher und vor allem reibungsloser mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten?

Ich bat die Executive-Studenten um Hilfe. Sie sollten die folgenden 12 Kriterien nutzen, um eine Diagnose ihres eigenen Teams vorzunehmen, also die Kriterien auf ihr Arbeitsteam anwenden und sich zu jedem Punkt Gedanken über die Ist-Situation machen.

Kriterien eines Teams

Die Kriterien wurden exzerpiert aus dem Skript der WBB Tübingen zum Thema Team von 1993. Ein reifes, leistungsfähiges Team entwickelt sich erst schrittweise, nachdem es Probleme gelöst, Beziehungen vertieft und Rollen geklärt hat. Bei der Beobachtung erfolgreicher Teams lässt sich feststellen, dass sie auf folgenden Gebieten Fortschritte erzielt haben:

1. Führung: Der Gruppenleitende hat das Talent und die Bereitschaft eng zusammenzuarbeiten und Zeit für die Entwicklung des Teams aufzubringen. Er betrachtet die Führung der Gruppe als kollektive Aufgabe. Nicht nur die Vorgesetzten, sondern auch jedes Mitglied hat die Chance, Führungsfunktion zu übernehmen, wenn sein spezielles Wissen und Talent gefragt sind.

2. Qualifikation: Die Mitglieder sind für die Arbeit qualifiziert und können ihre Qualifikation so in ein Team einbringen, dass eine ausgewogene Mischung aus Talent und Persönlichkeit entsteht.

3. Engagement: Die Mitglieder identifizieren sich mit den Zielen und Ansichten des Teams. Sie sind gewillt, ihre Kräfte in den Aufbau des Teams zu investieren und die anderen Mitglieder zu unterstützen. Auch ausserhalb des Teams fühlen sie sich miteinander verbunden und wissen die Interessen ihrer Gruppe zu vertreten.

4. Klima: Im Team herrscht ein Klima, in dem sich die Mitglieder wohl fühlen. Sie können sich offen und direkt miteinander austauschen und sind bereit, sich auf Risiken einzulassen.

5. Leistungsniveau: Das Team kennt seine Ziele und hält sie für erstrebenswert. Die Verfolgung der Zielsetzung kostet zwar Anstrengung. Sie sind aber erreichbar. Die Mitglieder setzten ihre Kräfte hauptsächlich dafür ein, Resultate zu erzielen. Sie halten häufig kritischen Rückblick, um zu sehen, so Verbesserungen an zu bringen sind.

6. Rolle in der Organisation: Das Team ist in die Gesamtplanung eingebunden und hat eine klar definierte und sinnvolle Funktion innerhalb der Gesamtorganisation.

7. Arbeitsmethoden: Das Team hat praktische, systematische und effektive Wege gefunden, um Probleme gemeinsam zu meistern. Es verfügt über effiziente Mittel, die Ziele zu erreichen.

8. Organisation: Klar definierte Rollen, guter Informationsfluss und verwaltungstechnischer Rückhalt sind wesentliche Stützpfeiler eines Teams.

9. Kritik: Bei der Besprechung ihrer Fehler und Schwächen verzichten die Mitglieder auf persönliche Attacken, um aus der Kritik lernen zu können. Kritik ist erwünscht und wird gefördert. Ein Klima der Wertschätzung erleichtert den Umgang mit Kritik.

10. Persönliche Weiterentwicklung: Die Mitglieder suchen bewusst neue Erfahrungen und stellen ihre ganze Persönlichkeit in den Dienst des Teams.

11. Kreativität: Das Team hat die Fähigkeit, durch sein Zusammenspiel neue Ideen zu kreieren, Innovationen zu fördern und Anregungen von aussen oder von innen wohlwollend   aufzunehmen und umzusetzen.

12. Beziehung zu anderen Gruppen: Das Team hat systematisch mit anderen Gruppen Beziehungen geknüpft. Damit erschliesst es sich offene und persönliche Kontakte, die eine optimale Zusammenarbeit gewährleisten. Die Teams pflegen regelmässigen Kontakt zueinander und stimmen sich über die gemeinsam erarbeiteten oder von oben festgesetzten Prioritäten ab. Die Mitglieder haben ein persönliches Interesse daran, mit ihren Kolleg/innen in den anderen Teams in Verbindung zu bleiben und mit ihnen zusammen zu arbeiten.                                                                                                                     

Diese Punkte sind die Erfolgsfaktoren für ein gut funktionierendes, erfolgreiches Team. Es sind also die Kriterien, die für die Bewertung eines Teams herangezogen werden können.

Die Studierenden stellten während der Übung für sich fest: jedes ihrer Teams hatte an einem anderen Punkt Entwicklungsbedarf und dass je nach individueller Stärke bzw. Schwäche gezielt an einem Punkt zu arbeiten war. Einige stellten auch fest, ihre Arbeitsteams sind keine Teams im Sinne der 12 Kriterien-Definition.

Das Fazit von uns allen war: das Arbeiten an einem Team, sich den Schwierigkeiten stellen und diese zu überwinden, das  ist der wahre Mehrwert eines Teams.

Es gibt nicht ein Team, das keine Schwierigkeiten miteinander hat. Doch es gibt Teams, die diese Schwierigkeiten als normal ansehen, sich den Emotionen, Missverständnissen und den unterschiedlichen Bedürfnissen stellen, da sie erkennen: Ein Team bringt Mehrwert, wenn die Gegensätzlichkeit geschätzt und akzeptiert wird.

45+ und nur ein bisschen weise, deshalb immer wieder auf der Suche nach neuen Erkenntnissen. Danke an unsere Studierenden.

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